Hannover 96 hilft bei Wiederbelebung von Cottbus

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Deutsche Presse-Agentur

Zu Weihnachten waren sie noch die Buhmänner, doch seit Sonntag haben die Fans in Cottbus ihre beiden Bulgaren wieder lieb. Mit ihren Treffern zum 3:1-Sieg über Hannover 96 machten Dimitar Rangelow und Stanislaw Angelow den Knatsch zur Festtagszeit vergessen.

„Das alles ist hinter uns. Wir gucken nach vorn, aber es war eine Wiedergutmachung“, sagte Rangelow, der passenderweise einen Tag vor seinem 26. Geburtstag zweimal zuschlug und damit das Ende seiner 103 Tage langen Ladehemmung besiegelte.

Zusammen mit Angelow hatte er im Dezember die Weihnachtsfeier des Clubs vorzeitig verlassen. Beide mussten jeweils 10 000 Euro Geldstrafe zahlen und wollten Cottbus verlassen. Doch an Angeboten mangelte es offenbar. Auch Trainer Bojan Prasnikar vergab seinen einstigen Kritikern milde: „Über den Herbst reden wir nicht mehr.“

Rangelow wehrte nach dem überschwänglich gefeierten Sieg Komplimente ab. „Ich spiele für die Mannschaft. Es ist egal, wer die Tore schießt. Das Wichtigste sind die drei Punkte“, diktierte er nach dem ersten Sieg in diesem Jahr. Dank des Erfolges steht der FC Energie erstmals seit dem 30. November auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Mit einem Kopfball hatte Rangelow den Torreigen in der 39. Minute eröffnet. Die Rot-Gelbe Karte für Leon Andreasen bei dessen Debüt für Hannover (67.) ebnete dann endgültig den Weg für Energie: Zwei Minuten später machte Rangelow sein fünftes Saisontor, in der 74. Minute traf sein Landsmann Angelow. Prasnikar war entzückt: „Dieser Sieg war sehr wichtig. Nach dem 1:0 hatten wir etwas Angst, dann haben wir den Platzverweis aber genutzt.“ Kurios: Angelow gelang sein bisher einziges Bundesliga-Tor am 1. Dezember 2007 beim 2:0 über den Karlsruher SC. Der andere Torschütze damals: Dimitar Rangelow.

In dieser Saison hatte Energie zu Hause zuvor noch nie drei Tore geschossen. „Was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt: in die Zweikämpfe kommen und eiskalt zuschlagen“, sagte Kapitän Timo Rost erfreut. „Wie die Mannschaft reagiert hat - davor muss man den Hut ziehen. Wenn wir so weitermachen, werden wir die nötigen Punkte holen“, fügte Vereins-Manager Steffen Heidrich hinzu.

Der Gast aus Hannover tat sich bei eisigem Wind vor den 13 000 Zuschauern im nur halbvollen Stadion der Freundschaft erneut als „Lebensretter“ in der Lausitz hervor. „Es scheint, wir kommen immer zur rechten Zeit, um dem FC Energie wieder Leben einzuhauchen“, sagte Trainer Dieter Hecking mit einem Anflug von Galgenhumor. Beim letzten Besuch in Cottbus war Hannover sogar mit 1:5 vom Platz geschlichen. Die Niedersachsen, jetzt auf Rang 13 abgerutscht, stärkten ihren traurigen Nimbus vom Auswärts-Versager, der sich weiter an einem errungen Punkt auf fremden Plätzen festklammert.

Den schwachen Gästen und dem Edelfan Oliver Pocher auf der Tribüne war das Lachen spätestens nach dem Platzverweis für Andreasen - dem dritten in seiner Bundesliga-Karriere - vergangen. „Die Gelb-Rote Karte hat Energie noch einmal beflügelt. Nach dem folgenden 2:0 war das Spiel für uns weg. Wir haben ohne Zug und Leidenschaft gespielt. Zu Hause müssen wir mehr Druck machen“, sagte Hecking. Der einzige Treffer durch Frank Fahrenhorst (82.) war nur Kosmetik.

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