Handballer hoffen auf „Wunder von Zadar“

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nachdem der Zorn des Vortages verraucht war, hatte Bundestrainer Heiner Brand wieder freien Blick auf das große Ziel WM-Halbfinale und schwor seine Handballer auf den Charakter-Test gegen Dänemark ein.

Auch ohne den bereits abgereisten Spielmacher Michael Kraus will der neu formierte Weltmeister dem Verletzungspech trotzen und mit dem „Wunder von Zadar“ zum dritten Mal binnen sechs Jahren um WM-Medaillen spielen. „Wunder gibt es immer wieder“, sagte der Bundestrainer, „wir haben schon in diesem Turnier so viel bewegt, auch über Willen, und unsere Einstellung. Wer uns kennt weiß, dass wir uns nicht geschlagen geben.“

Neben dem besiegelten WM-Aus von Kraus droht auch Rückraum-Ass Pascal Hens im brisanten Duell mit dem Europameister eine Zwangspause wegen einer Verhärtung im linken Oberschenkel. Noch ist nicht klar, ob der Hamburger eingesetzt werden kann. „Beim Gehen war er beschwerdefrei. Wir werden noch einen Bewegungstest machen. Aber wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, ob er spielen kann“, sagte Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier.

So hoffen alle im deutschen Lager auf das Beste, rechnen aber mit dem Schlimmsten. Nach einem gelösten Sudoku um 5.00 Uhr morgens zum Zeitpunkt der Kraus-Abreise und dem Video-Studium von der unglücklichen 24:25-Niederlage am Vortag gegen Norwegen, hatte Brand den Kopf frei für das zweite Skandinavien-Duell. „Beim Ausfall der beiden Spieler ist es eigentlich so, dass wir individuell personell den Dänen unterlegen sind“, urteilte der Bundestrainer.

Beim dritten Vergleich mit den Dänen binnen zwölf Monaten wollen die deutschen Spieler ungeachtet der misslichen Umstände den Bock umstoßen. Denn sowohl bei den Olympischen Spielen in der Vorrunde (21:27) als auch bei der EM in Norwegen im Halbfinale (25:26) hatten die Dänen dem Weltmeister das Weiterkommen verbaut. „Wir haben eine neue Mannschaft. Deswegen geht es nicht um Revanche, sondern um einen oder zwei Punkte. Wir sind großer Außenseiter“, erklärte Brand.

Nichtsdestotrotz strahlten seine Spieler Selbstbewusstsein aus und Optimismus. Weder der vergebene erste Matchball für den Einzug ins Halbfinale noch die umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen in der Schlussphase und der anschließende Tobsuchtsanfall des Bundestrainers sollten die Konzentration auf die nächste Aufgabe stören. „Wir haben nach einer Besprechung gesagt, das muss aus den Köpfen raus. Wir spielen ein Viertelfinale und wenn wir das gewinnen, sind wir im Halbfinale“, rechnete Abwehrchef Oliver Roggisch vor, „das ist eine reizvolle Aufgabe.“

Der Zusammenhalt im Team soll nun die Handicaps ausgleichen. „Wir werden versuchen, den Ausfall von 'Mimi' zu verkraften und werden Kämpfen bis zum Umfallen“, versprach Roggisch. Auch der junge Martin Strobel, der nun Kraus auf der Spielmacher-Position ersetzt, sieht der Partie gespannt, aber ohne Angst entgegen. „Es ist ein ganz besonderer Ansporn, das Spiel zu gewinnen. Ich habe mich von Spiel zu Spiel gesteigert. Die Last liegt nicht allein auf meinen Schultern, sondern auf dem ganzen Team“, erklärte der 22-jährige Lemgoer und fügte an: „Wir haben es selbst in der Hand. Wenn wir gewinnen, ist alles klar.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen