Handballer fürchten Imageverlust

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Deutsche Presse-Agentur

Im mutmaßlichen Bestechungsskandal beim Handball-Bundesligisten THW Kiel hat Manager Uwe Schwenker Rückendeckung bekommen, während Spieler und Trainer einen Imageschaden für den Handball-Sport befürchten.

In einer Umfrage des Magazins „Sport-Bild“sprachen sich 14 Manager der Handball-Bundesliga für einen Verbleib Schwenkers als Manager beim deutschen Meister aus. Nur Flensburgs Manager Fynn Holpert votierte für einen Rücktritt seines Kieler Kollegen bis zur Aufklärung der Vorwürfe. Die sportlichen Leiter von Nordhorn, Bernd Rigterink, und des VfL Gummersbach, François-Houlet, machten keine Angaben.

Rekordmeister Kiel steht unter Verdacht, Schiedsrichter bestochen und so mehrere Champions-League-Spiele gekauft zu haben. Zudem gibt es eine Affäre um die Magdeburger Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich, die einen Bestechungsversuch bei einem Europacup-Spiel verschwiegen haben sollen.

Bei den Bestechungsaktivitäten im internationalen Handball haben offenbar auch Schiedsrichter selbst die Initiative ergriffen. Wie der dänische Trainer Erik Veje Rasmussen, fünf Jahre beim Bundesligisten Handewitt Flensburg tätig, am Mittwoch in der Kopenhagener Zeitung „Politiken“ angab, sei er vor einem Spiel in einem europäischen Turnier über einen Mittelsmann gefragt worden, ob sein Club die beiden Schiedsrichter für einen Sieg „kaufen“ wolle. Er habe dies abgelehnt.

Spieler und Manager befürchten angesichts des sich immer weiter ausweitenden Skandals einen Imageverlust für den gesamten Handball-Sport. „Für uns Spieler ist es ein Drama zu sehen, wie wir jetzt im Morast versinken. Alles, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde im deutschen Handball, liegt danieder“, sagte Christian Schwarzer, Kreisläufer des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen und Weltmeister von 2007, dem Magazin „Stern“. Stefan Kretzschmar, ehemaliger Top-Spieler und jetzt Manager des Erstligisten SC Magdeburg, prophezeit wirtschaftlich harte Zeiten: „Sponsoren werden sich in Zeiten knapper Kassen sehr genau überlegen, wo sie sich engagieren.“

Erhard Wunderlich, Weltmeister von 1978, drängte auf eine schnelle Aufklärung der Affären. „Wir bewegen uns seit Wochen in einer Sphäre des Ungefähren. Gerüchte, Verdächtigungen, Mutmaßungen - das ist Gift für den Handball. Wir brauchen schnell belastbare Fakten, sonst bleibt am deutschen Handball etwas hängen, was er gar nicht verbrochen hat“, erklärte Wunderlich und fügte hinzu: „Einige Figuren aus der Liga geben keine gute Rolle ab. Man muss jetzt nach vorn gehen und mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Wir müssen retten, was noch zu retten ist.“

Andreas Rudolph, Präsident des Bundesligisten HSV Hamburg, forderte Reformen. „Die gesamte Organisation und Struktur des Umfeldes des Handballs ist nicht mit den Erfolgen und dem größeren Zuschauer-Zuspruch gewachsen. Da muss eine ganze Menge passieren. Es ist leider fast immer so, dass die Strukturen dem Erfolg hinterherhinken. Wir müssen noch viel tun, ganz besonders in der Schiedsrichter-Ansetzung“, sagte er der Internetredaktion des Magazins „Stern“.

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