Haie-Manager: „Insolvenz-Gefahr besteht nicht“

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Deutsche Presse-Agentur

Der achtfache deutsche Eishockey-Meister Kölner Haie steht mit dem Rücken zur Wand, aber nach eigener Wahrnehmung noch nicht am Abgrund. „Insolvenz-Gefahr besteht nicht“, sagte Sport-Direktor Rodion Pauels.

Am 29. Januar hatte der auf den vorletzten DEL-Tabellenplatz zurückgefallene Vizemeister den kanadischen Verteidigern Stéphane Julien und Harlan Pratt sowie dem tschechischen Center Kamil Piros die sofortige Freigabe erteilt. „Wir haben damit sportlich vielleicht unvernünftig, wirtschaftlich aber vernünftig gehandelt“, erklärte Pauels, der die geschätzte monatliche Ersparnis an Gehältern für die drei von zusammen 200 000 Euro allerdings als „viel zu hoch“ bezeichnete.

Für die Haie, die nur noch sehr theoretische Chancen auf die Playoffs haben, aber auch nicht absteigen können, geht es in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga sportlich um nichts mehr. Das 0:4 gegen den EHC Wolfsburg sahen am Donnerstag in der Kölner Lanxess- Arena noch 7259 Zuschauer. Der Besucher-Schnitt ist im Vergleich zum Vorjahr und zu den Prognosen bereits um rund 2000 pro Heimspiel gesunken. Über die Saison gerechnet wird das Mindereinnahmen von rund einer Million Euro ergeben.

Da wirkt der Notverkauf der drei Spieler - bei nur noch einem ausstehenden Heimspiel - eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es gab Anfragen von anderen Clubs in Europa über die Agenten. Wir haben die Einzelfälle geprüft und uns zu diesem Schritt entschieden“, sagte Vereinssprecher Philipp Walter.

„Gefahr für den Verein besteht nicht, aber es ist eine Gratwanderung. Die Wirtschaftskrise geht natürlich auch an uns nicht vorbei“, sagte Pauels, nachdem Haupt-Sponsor Heinz Herrmann Göttsch seinen finanziellen Rückzug angekündigt hatte. Der Diplom-Kaufmann aus der Immobilien-Branche übernahm 1994 als Hauptgesellschafter die Kölner Eishockey-Gesellschaft „Die Haie“ und ist seit mehr als sechs Jahren Alleingesellschafter.

Nach eigenen Angaben unterstützte Göttsch den Verein mit „nicht unerheblichen Beträgen“ aus privat versteuertem Geld. Spekulationen zufolge sollen dies insgesamt zwischen 20 Millionen und 25 Millionen Euro gewesen sein. „Ich kann es vor mir selbst, meiner Familie und meinen Mitarbeitern nicht mehr verantworten, privates Geld in andere als meine wirtschaftlichen Aktivitäten zu stecken“, erklärte der Unternehmer die Reduzierung seiner Unterstützung. Dennoch sagte er weiter Hilfestellung zu.

Die Aussagen von Göttsch aus der Vorwoche sind laut Geschäftsführer Thomas Eichin und Sportdirektor Pauels keine Neuigkeit. Seit fünf Jahren verfolge der Verein das Ziel, unabhängiger von seinem Gesellschafter zu werden. „Vor fünf Jahren hätte uns das viel härter getroffen“, sagte Eichin. Da passte es gut ins Bild, dass mit „taxofit“ ein Sponsorpartner der Haie seinen Vertrag vorzeitig verlängerte.

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