Guus Hiddink neuer Chelsea-Coach

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Deutsche Presse-Agentur

Guus Hiddink wird neuer Coach bei Michael Ballacks Arbeitgeber FC Chelsea. Nur 48 Stunden nach der Entlassung des Brasilianers Luiz Felipe Scolari bestätigte der englische Club die Verpflichtung des Niederländers.

Hiddink hatt zuvor der niederländischen Radiostation „Radio 538“ gesagt, er werde in der kommenden Woche zum ersten Mal das Training der „Blues“ leiten. Gleichzeitig wird der 62-jährige Trainer der russischen Fußball-Nationalmannschaft bleiben und diese Doppelrolle auch zumindest bis zum Saisonende ausfüllen. Danach gilt AC Mailands Carlo Ancelotti als Favorit auf den lukrativen Posten auf Chelseas Bank.

Hiddink will mit seiner Zusage für die Interimslösung vor allem seinem Freund und Chelseas Club-Besitzer Roman Abramowitsch helfen. „Er hat sehr viel für den russischen Fußball getan. Jetzt möchte ich ihm etwas zurückgeben“, erklärte Hiddink, der in den kommenden Tagen nach London reisen will. Mit dem Knüller am 21. Februar bei Aston Villa wird es für ihn gleich ernst.

Angebliche Intrigen gegen Scolari aus der Mannschaft wollte Ballack unterdessen nicht bestätigen. „Wir wollten Erfolg haben. Dass das am Schluss nicht immer geglückt ist, lag sicher nicht nur am Trainer, sondern auch an uns Spielern. Scolari hat schließlich in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein erfolgreicher Trainer ist“, so der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bereits vor der Verpflichtung seines neuen Chefs. Englische Medien berichteten, einige Profis hätten sich bei Abramowitsch über Scolari beschwert.

Taktik-Guru Hiddink, unter dessen Regie Russland 2008 immerhin ins EM-Halbfinale gekommen war, soll der zuletzt enttäuschenden Millionärstruppe aus London vor allem die Lethargie austreiben. Chelsea steht in der Premier League nach 25 Spieltagen nur auf Platz vier mit bereits sieben Punkten Rückstand auf Titelverteidiger Manchester United. Am Samstag will er seine neue Truppe im englischen FA-Cup beim FC Watford erstmals selbst im Stadion beobachten.

„Das ist eine Ausnahmesituation. Chelsea hat sehr gute Spieler, die in Topform sein sollten. Das sollte meine Arbeit einfacher machen“, erklärte Hiddink, „aber eine Woche ist nie genug, um ein neues Team vorzubereiten.“ Die Doppel-Belastung kennt er von seiner Zeit als Coach des PSV Eindhoven, als er nebenher Australien zur WM 2006 in Deutschland und dort ins Achtelfinale geführt hatte.

Bis zum Ende dieser Spielzeit hat Russland nur noch zwei Qualifikationsspiele - am 28. März zuhause gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan und vier Tage später in Liechtenstein. Diese Termine kollidieren nicht mit seinen Verpflichtungen bei Chelsea. „Es gibt doch nur zwei Szenarios“, philosophierte Hiddink, „entweder sagen sie, geh zurück in den Osten oder alles läuft gut.“ Ein Interessenskonflikt wird beim russischen Verband nicht befürchtet. „Die Nationalmannschaft ist zweifellos die Priorität für ihn“, sagte Verbandspräsident Witali Mutko.

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