„Guter Spieltag“ für die Liga: Bayern-Krise als Mutmacher

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Michael Preetz
Michael Preetz ist der Geschäftsführer von Hertha BSC. (Foto: Tim Rehbein / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Florian Lütticke

Naht das Ende der bleiernen Bayern-Titeldominanz oder gibt es doch nur eine Neuauflage der Vorsaison?

Angesichts der Münchner Krise, Spektakel-Fußball à la Dortmund und aufmüpfiger Außenseiter geht der Rest der Bundesliga mit der kleinen Hoffnung auf eine bis zum Ende packende Spielzeit in die Länderspielpause. „Es ist ein guter Spieltag für den deutschen Fußball, weil Spannung an der Tabellenspitze ist und das haben wir lange nicht mehr gehabt“, sagte Herthas Geschäftsführer Michael Preetz stellvertretend für die Nicht-Bayern-Fans in Deutschland.

Siebter Spieltag, fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund - mit dieser Ausgangslage wurden die Bayern vor einem halben Jahr mit 21 Zählern Vorsprung Meister. Trotz der annähernd gleichen Situation bei vier fehlenden Zählern hinter Dortmund sind einige Vorzeichen doch anders. Unter Trainer Lucien Favre will sich der Spitzenreiter aus Westfalen dank einer größeren Qualität in der Breite keinen erneuten Einbruch leisten. „Ich gehe fest davon aus, dass uns das nicht mehr passiert“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, nach dem 4:3 über den FC Augsburg: „Diese Mannschaft zeigt eine ganze andere Stabilität.“

Auch andere Vereine haben sich eine neue Einstellung angeeignet. Anders als der Vorjahres-Zweite FC Schalke 04, der mit 1:0-Ergebnisfußball nach oben kam, treten die aktuellen Verfolger Werder Bremen und Hertha BSC wie Augsburg mutig auf, definieren sich mehr über ihre spielerische Qualität als über Kampf. „Wir wollen dominant auftreten. Unsere Spielweise erhöht die Wahrscheinlichkeit vor allem auf Siege“, erklärte Bremens Coach Florian Kohfeldt den eigenen fußballerischen Ansatz.

Dieser Trend schlägt sich ligaweit zumindest zu diesem frühen Zeitpunkt auch in vergleichsweise attraktiven, torreichen Partien nieder. Bis zu den Sonntagsspielen fielen drei Treffer pro Spiel - deutlich mehr als noch in der kompletten Vorsaison (2,79).

Auch wenn sich die meisten Vereinsvertreter aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit noch in bescheidenem Understatement üben, wirkt die ungewohnte Situation zumindest auf die Anhänger anderer Clubs wie eine kurzzeitige Befreiung. „Deutscher Meister wird nur der VfL“, frohlockten die Fans von Borussia Mönchengladbach beim Stand von 2:0 bei den Bayern (3:0) - einen ähnlich augenzwinkernden Gesang hatten bereits die Hertha-Anhänger beim 2:0-Sieg über die Münchner angestimmt.

Auch im Europapokal gestaltet sich die Momentaufnahme für den deutschen Fußball deutlich positiver als noch in der vergangenen Saison, der schlechtesten seit 2006/07. Die sieben deutschen Vertreter holten bislang neun Siege aus 14 Spielen, kassierten nur zwei Niederlagen. Für die Fünfjahreswertung bedeutet dies nach zwei Spieltagen bislang den europaweiten Bestwert.

Dass dieser Kurzfrist-Trend jedoch nicht das Ende der langfristigen Entwicklung darstellt, wissen aber auch die Verantwortlichen. So sollen im Zuge der Strukturreform der Deutschen Fußball Liga Maßnahmen erarbeitet werden. „Es ist gut, dass alle dazu aufgerufen sind, sich Gedanken zu machen, was zu verbessern“, sagte Preetz dazu - und nannte ein Beispiel: „Wir sind jahrelang zurecht an der Spitze gewesen beim Nachwuchs. Das ist seit ein, zwei Jahren nicht mehr so, da müssen wir sicher justieren.“

Kurzfristig müsse im Liga-Alltag auch der unter Druck stehende Bayern-Coach Niko Kovac nun neue Lösungen finden. „Sie haben einen Punkt erreicht, den die meisten anderen Bundesligisten auch kennen“, analysierte Hertha-Manager Preetz. „Es gibt Auf und Abs in einer Saison - normalerweise sind die bei den Bayern aber nicht so ausgeprägt wie im Moment.“

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