„Großer Moment“: Union-Torwart Gikiewicz erzielt Kopfballtor

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Deutsche Presse-Agentur
Holger Schmidt und Florian Lütticke

Beim ersten Versuch hatte ihn Trainer Urs Fischer per Blickkontakt noch vom Ausflug in den gegnerischen Strafraum abgehalten, doch in der Nachspielzeit ließ sich Rafal Gikiewicz nicht mehr bremsen.

Der Torhüter von Union Berlin stürmte nach vorne und schrieb ein kleines Stück Zweitliga-Geschichte. Durch sein Kopfball-Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit rettete der Pole Union das 1:1 (0:0) gegen den 1. FC Heidenheim und am 9. Spieltag die Rückkehr auf Platz zwei. Zudem war er der erste Torhüter seit dem Auer Martin Männel am 24. Mai 2015, der in der 2. Bundesliga traf.

„Meine Familie ist da, das ist ein großer Moment“, sagte der 30 Jahre alte Gikiewicz nach seinem ersten Treffer im Profi-Fußball und berichtete schmunzelnd vom Austausch mit Fischer: „Er sagte zu mir: Nein, du musst an der Mittellinie bleiben. Dann habe ich nicht mehr gefragt und bin einfach nach vorne gerannt.“ Fischer erklärte anschließend, er habe seinem Torhüter den Ausflug letztendlich doch erlaubt: „Und es hat sich ausgezahlt.“

Dass ausgerechnet er das Tor erzielte, sei eigentlich „scheißegal“, meinte Gikiewicz, der bis zum 14. Lebensjahr Feldspieler war: „Aber klar, der Torwart schießt nicht jedes Spiel ein Tor.“ Auch Christopher Trimmel war beeindruckt: „Dass er ihn so eiskalt reinmacht, Hut ab“, sagte der Kapitän: „Er hat in der Saison schon einen Assist und ein Tor. Ich hoffe, es geht so weiter.“

Der Punkt reichte den Berlinern, um mit 17 Zählern wieder am nun punktgleichen Hamburger SV vorbeizuziehen. Der HSV hatte bereits am Freitag einen erlösenden 2:1-Sieg in Darmstadt gefeiert. Die Freude darüber wurde für Trainer Christian Titz aber durch einen Fern-Disput mit Vereins-Ikone Felix Magath getrübt. Tabellenführer 1. FC Köln empfängt am Montag (20.30 Uhr/Sky) den Tabellenletzten MSV Duisburg, bei dem der neue Trainer Torsten Lieberknecht sein Debüt gibt. Mit einem Sieg würde sich der FC bereits fünf Punkte Vorsprung auf die Verfolger erarbeiten.

Auf Platz fünf rückte am Sonntag HSV-Stadtrivale FC St. Pauli durch das 3:1 (1:0) gegen den SV Sandhausen vor. Mit 16 Punkten ist der Kiezclub nun punktgleich mit der SpVgg Greuther Fürth nach deren 1:1 gegen Jahn Regensburg. Der Jahn weist wie der VfL Bochum nach dem 1:0 gegen Arminia Bielefeld 14 Punkte auf.

Im Tabellenkeller findet der als Aufstiegs-Aspirant in die Saison gestartete FC Ingolstadt auch unter dem neuen Trainer Alexander Nouri nicht in die Spur. Das 1:2 (0:1) gegen den starken Aufsteiger SC Paderborn war die dritte Niederlage im dritten Spiel für Nouri, in dessen persönlicher Bilanz nun 16 Liga-Spiele in Folge ohne Sieg stehen. Der Ex-Bremer bezeichnete die Partie am Sonntag dennoch als „einen deutlichen Schritt nach vorne“.

Bei Heidenheim stellte Robert Glatzel einen Vereinsrekord auf: Er traf im fünften Zweitliga-Spiel nacheinander. Der FCI (5) ist punktgleich mit Sandhausen weiter Vorletzter vor Duisburg (2). Erzgebirge Aue (10) setzte sich durch das 2:1 gegen Holstein Kiel etwas von der Abstiegszone ab. Der 1. FC Magdeburg (9) holte im Ost-Derby gegen Dynamo Dresden nach 0:2-Rückstand zumindest ein 2:2.

Die Hamburger gewannen auch für ihren Trainer Titz, der im Falle einer Niederlage möglicherweise um seinen Job hätte bangen müssen. Nach dem Sieg lobte Manager Ralf Becker nun: „Das war das, was wir sehen wollten.“ Titz zeigte sich „stolz auf die Mannschaft.“

Für Unmut beim HSV-Coach sorgte in Magath aber einer seiner Vorgänger, der als Experte beim TV-Sender Sky spottete: „Es ist ja gerade die Zeit der Märchenerzähler. Titz ist ein Mann, der gut erzählen kann.“ Titz reagierte gelassen und souverän. „Ein so verdienter Mann wie Magath, mit solchen Erfolgen als Spieler und Trainer, hat solche Kommentare nicht nötig.“

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