Grauer Alltag in der NFL-Glitzerwelt

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Das farbenfrohe Spektakel Superbowl ist vorbei, der Konfetti-Regen vorüber und die Meister-Parade der Pittsburgh Steelers schon Geschichte. In der National Football League (NFL) ist schnell der graue Alltag eingekehrt.

Für 150 der rund 1100 NFL-Angestellten sind es zudem die letzten Arbeitstage. Sie werden in den nächsten Tagen entlassen. Nach der Nordamerikanischen Basketball-Liga NBA und der Automobil-Rennserie NASCAR hat die Wirtschaftskrise auch die mächtige Football-Liga erreicht. Commissioner Roger Goodell spricht von schmerzvollen, aber notwendigen Einschnitten.

„Ich würde Ihnen gerne mitteilen, dass wir immun gegen die Probleme um uns herum sind, aber wir sind es nicht“, schrieb Goodell in einem Brief an die Angestellten. Betroffen sind Personalstellen in den Büros in New York, New Jersey und Los Angeles. Zwar waren die Stadien in dieser Saison bestens gefüllt und beim Dauerkartenabsatz kein Unterschied zu den Vorjahren erkennbar. NFL-Offizielle, inklusive Goodell, führen dies jedoch darauf zurück, dass die meistens Fans die Tickets bereits im Frühjahr und Sommer 2008 gekauft hatten.

Noch im September, als in Manhattan bereits Banken kollabierten, bezeichnete das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ die NFL als „reichste Liga“ und Football als den „stärksten Sport der Welt“. Vor allem Dank lukrativer Fernsehverträge betragen die Jahreseinnahmen rund 6,5 Milliarden Dollar. Knapp zwei Drittel davon fließen jedoch auf die Konten der Spieler und machen diese fast ausnahmslos zu Multi- Millionären. Marc Ganis, Präsident der Firma Sportscorp, die umfangreich mit der NFL zusammenarbeitet, beschreibt das Problem. „Es wird Ungewissheiten beim Ticketverkauf sowie bei den Einnahmen geben, vor allem, weil die Auto-Industrie krankt. Und die war bisher der größte Sponsor. Auf der anderen Seite aber gibt es feste Kosten - und zwar die Spielergehälter.“

Die gigantischen Gagen werden auch weiterhin gezahlt - vorerst jedenfalls. Gespart wird lieber an anderen Personalkosten. So haben bei drei NFL-Teams in den vergangenen Tagen insgesamt 63 Arbeitnehmer ihre Papiere bekommen. Die Washington Redskins, nach „Forbes“-Angaben mit einem Wert von 1,538 Milliarden Dollar der zweitreichste Club der Liga, haben 20 Angestellte entlassen. Die Cleveland Browns trennten sich von 18 Mitarbeitern - unter ihnen sind die Pressesprecherin und ein Betreuer der vereinseigenen Internetseite. Der Verein schließt nicht aus, dass bis zu 20 weitere Kündigungen folgen.

25 Angestellte der Indianapolis Colts hatten sechs Tage vor dem Jahreshighlight Superbowl ihren Job verloren. Redskins, Browns und Colts werden nicht die einzigen Teams bleiben, die auf die Situation reagieren. Denn die Auswirkungen der schwankenden Weltwirtschaft werden erst in der ab September beginnenden neuen Saison spürbar.

„Wir überprüfen alles und schauen genau, wo wir effizienter arbeiten und Kosten reduzieren können, sagt Liga-Sprecher Greg Aiello. So wurden die NFL-Pläne für ein Freundschaftsspiel der New England Patriots im Frühjahr in China auf unbestimmte Zeit verschoben, nachdem das Team aus Boston seine Geschäfte im bevölkerungsreichsten Land der Erde eingestellt hat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen