Gold belohnt den Spagat

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Da ist das Ding: Säbel-Teamweltmeister Max Hartung, Student an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, zeigt voller Stolz s
Da ist das Ding: Säbel-Teamweltmeister Max Hartung, Student an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, zeigt voller Stolz s (Foto: Zeppelin Universität)
Schwäbische Zeitung

Kurze Hosen, Sport-T-Shirt und mit einem Rucksack beladen: So präsentiert sich der 24-jährige Säbelweltmeister Max Hartung ganz privat. Der Student der Zeppelin Universität in Friedrichshafen (viertes Semester Soziologie, Politik und Wirtschaft) weilt wieder am Bodensee – zumindest bis zum 14. August. Am 21. Juli hatte er bei den Weltmeisterschaften in Kasan (Russland) mit dem Team die Goldmedaille geholt. Die erste für Deutschland überhaupt. 45:41 hieß es am Ende gegen den Olympiasieger Südkorea. „Danach war ziemlich viel los“, sagt der Aktivensprecher des Deutschen Fechter-Bundes (seit 2013) ganz bescheiden.

Am Düsseldorfer Flughafen gab es nach der Rückkehr einen großen Empfang. Weiter ging es in seine Heimatstadt, nach Dormagen, wo Max Hartung sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug. „Eigentlich wollte ich in der Zeit zu Hause bei meinen Eltern eine Hausarbeit schreiben, aber es ging nicht. Der Rummel war einfach groß“, berichtet Hartung. Dabei plagten ihn lange vor dem Finale gegen Südkorea gesundheitliche Beschwerden. Sein Trainer und Entdecker Vilmos Szabo wollte ihn aber im Team neben Benedikt Wagner, Nicolas Limbach und Ersatzfechter Matyas Szabo dabei haben. Und Hartung nahm die Herausforderung trotz körperlicher Beschwerden an. Am Ende wurde er mit der Goldmedaille belohnt. Nach diesem großen Wettkampf – das ist bei ihm immer so – forderte sein Körper Tribut. Der 24-Jährige lag die ganze Nacht wach, die Anspannung wollte einfach nicht weichen: „Es war für mich, als ob ich 100 Red Bulls getrunken hätte.“

Max Hartung ist in Aachen geboren, mit zwei Jahren nach Dormagen umgezogen. Mit acht begann er mit dem Fechtsport, in der Grundschule gab es eine AG: „Ich fand die Kinder sehr nett und bin dann beim Fechten geblieben.“ Der heutige Bundestrainer Vilmos Szabo entdeckte Hartungs Talent. Die Eltern Roswitha und Manfred ließen ihren Sprössling gewähren, hielten sich raus. Mit 14 Jahren genoss Max Hartung schon die Sporthilfe-Förderung. Er blieb in Dormagen, am Bundesstützpunkt, beim TSV Bayer; seine Karriere ging steil nach oben. Doch ohne Fleiß kein Preis: Wenn er längere Zeit in Friedrichshafen ist, dann trainiert Max Hartung dreimal die Woche beim VfB Friedrichshafen.

Max Hartung ist zielstrebig, zuverlässig und hat die Gabe, sich auf den Punkt konzentrieren zu können. Das ist für das Studium und vor allem für den Spitzensport enorm wichtig. Der Spagat zwischen beidem gelingt oft, aber nicht immer. Aus der Fassung bringt das Max Hartung nicht, das könnte er sich auch nicht leisten. Sein Pensum ist enorm. Er bestreitet im Jahr drei Turniere in Deutschland, hinzu kommen noch acht Weltcups im Ausland sowie Europa- und Weltmeisterschaft. Nur im olympischen Jahr findet keine WM statt.

Für alle Turniere gibt es Punkte, die für die Weltrangliste zählen. Schafft es ein deutscher Säbelfechter, dort unter die besten Zwölf zu kommen, dann hat Deutschland bei den nächsten Olympischen Spielen zwei Startplätze. Wenn nicht, gibt es nur einen. Den hat derzeit Max Hartung als Weltranglisten-14. inne. „Du musst bei den Turnieren fit sein und darfst dir keine Patzer erlauben, denn die Konkurrenz ist stark.“ Auch in der neuen Saison, die im November beginnt, bis Juli dauert und von der WM gekrönt wird, die der Weltverband FIE (Fédération Internationale d’Éscrime) nach Moskau vergeben hat.

Max Hartung wird jetzt für ein Semester Friedrichshafen verlassen und in Gent (Belgien) weiter studieren. Von dort aus muss er wieder alles managen: Studium und Spitzensport. Der 24-Jährige hat gelernt, beides zu vereinbaren, und das soll auch so bleiben. Weltmeister kann man schließlich nicht nur einmal werden.

Max Hartungs größte sportliche Erfolge: 2009 Juniorenweltmeister im Einzel; 2011 dritter Platz im Einzel bei der EM; 2012 Siebter bei den Olympischen Spielen in London im Einzel; 2013 sechster Platz bei der WM im Einzel; 2014 Mannschaftsgold bei der WM in Kasan.

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