Glock: „Mehr oder weniger fangen alle bei Null an“

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Deutsche Presse-Agentur

Einige Formel-1-Teams haben im Süden Portugals ihre ersten gemeinsamen Tests mit ihren neuen Autos absolviert. Darunter auch Toyota mit dem Wersauer Timo Glock.

Der 26-Jährige, einer von fünf deutschen Piloten, geht optimistisch in seine zweite vollständige Saison. Durch das stark geänderte Reglement haben etliche Teams die Chance, den Top Drei McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW-Sauber Paroli zu bieten. „Mehr oder weniger fangen alle bei Null an“, sagte der WM-Zehnte der vergangenen Saison in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Sie haben hier in Portugal nach der Winterpause erstmals wieder Ihre Kollegen anderer Teams, auch Ingenieure und Mechaniker getroffen. Wie ist die Stimmung in der Formel 1 angesichts der schweren Krise?

„Ich bin nur kurze Zeit hier, aber bei uns ist die Stimmung ganz normal, jeder ist motiviert und freut sich auf die neue Saison. Ist natürlich eine schwierige Situation für alle im Moment. Die Krise spürt man jetzt glaube ich überall, auch bei uns in der Formel 1. Aber die Stimmung ist bei uns trotzdem weiterhin gut, besonders nach dem letzten Jahr, wo wir einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht haben. Nun ist jeder motiviert, auch den nächsten Schritt zu machen. Wir müssen aber schauen, dass wir alles vor dem ersten Rennen hundertprotzentig umsetzen, da es jetzt relativ wenige Tests gibt“.

Der zweimalige Champion Fernando Alonso sagte, in der neuen Saison sei aufgrund der vielen Änderungen alles möglich. Ist 2009 wirklich alles offen?

„Mehr oder weniger fangen alle bei Null an, weil das Rennreglement so extrem geändert worden ist. Es ist natürlich schon ein großer Wechsel, aber ich glaube, dass im Prinzip die Topteams wie McLaren, Ferrari, auch BMW, die werden natürlich schon gut aussehen in diesem Jahr. Bei allen anderen Teams ist trotzdem die Möglichkeit gegeben, näher dran zu sein oder sogar mehr aufzuholen und vielleicht sogar vor den Topteams zu sein. Deswegen müssen wir abwarten, wie die ersten Rennen laufen.“

Wird der Pilot eine wichtigere Rolle spielen?

„Ich glaube schon ein bisschen, weil man einfach mehr Möglichkeiten hat im Auto, durch die verstellbaren Frontflügel und durch das KERS-System kommt es vielleicht ein bisschen mehr auf den Fahrer drauf an. Durch die geringere Aerodynamik ist der Fahrer etwas mehr gefragt, mit den Reifen umzugehen. Das sind alles soKleinigkeiten, die wahrscheinlich schon eine tragende Rolle spielen.“

Welche der Neuerungen sind aus Ihrer Sicht sinnvoll, welche machen weniger Sinn?

„Also ich glaube, auf jeden Fall die Aerodynamik zu reduzieren, etwas zu vereinfachen, das macht Sinn. Zurück zu den Slickreifen ist auch ein sinnvoller Weg. Hinter dem KERS-System (Energierückgewinnung) steht für mich ein Fragezeichen, weil das etwas ist, das gegen die Kostenreduzierung spricht. Alle Teams haben Probleme, das auf ein Top-Niveau zu bringen. Das ist etwas, wo ich mir nicht sicher bin, ob das der richtige Weg war. Aber das liegt nicht in Fahrerhänden, sondern das entscheidet der FIA.“  

Das Aussehen der neuen Autos ist gewöhnungsbedürftig. Das ist jedenfalls die vorherrschende Meinung hier in Portimao. Ist die Ästhetik für die Piloten wichtig, haben die Piloten da ein Wörtchen mitzureden?  

„Nee, ich glaube, es geht alles auf die Performance hinaus. Wie das Auto dann im Endeffekt aussieht, ist eigentlich egal. Es ist natürlich schön, wenn das Auto auch gut aussieht, ich glaube, dass unser Auto ganz gut gelungen ist. Man wird sich an die neuen Autos schnell gewöhnen. Aber klar, man ist an die Autos der vergangenenzwei, drei Jahre gewöhnt, die sehr ausgefeilt in der Aerodynamik so schön waren.“

Was ist Ihr Traum vor der zweiten Saison in der Formel 1?

„Mein Traum wäre natürlich, das erste Rennen für Toyota zu gewinnen. Das wäre mein Traum, mein Ziel, und so oft wie möglich wieder auf dem Podium zu stehen. Das hat mir im letzten Jahr ganz gut gefallen. Wir müssen einen Schritt nach vorne machen.“  

Was haben Sie in der Winterpause gemacht? Wie verbringt ein Formel-1-Fahrer die rennfreie Zeit?

„Na ja, ich hatte nicht allzuviel Zeit. Ich hatte nur eine Woche frei nach Brasilien und habe dann wieder angefangen mit dem Training. Wir waren zu Tests in Bahrain, ich hatte ein paar PR-Termine, habe auch ein bisschen Urlaub gemacht. Viel Zeit für Hobbies habe ich nicht. Ich trainiere gern, mache Fitnesstraining, spiele Tennis, Squash und fahre Go-Kart. Aber bei dem Wetter in Deutschland ist das im Moment kaum möglich.“

Interview: Emilio Rappold, dpa

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