Gesund bleiben, WM-Form aufbauen

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Hofft auf ein Hoch in Hochfilzen: der Uhinger Biathlet Simon Schempp.
Hofft auf ein Hoch in Hochfilzen: der Uhinger Biathlet Simon Schempp. (Foto: Roland Rasemann)

Natürlich kommt das Gespräch auf Villard de Lans. Auf den Besuch bei Martin Fourcade daheim, auf das gemeinsame Training im Vercors-Gebirge. Juli war’s, „landschaftlich sensationell“ ist’s gewesen, „’ne absolut super Biathlon-Anlage“ gab’s, „auf den ganz normalen Straßen skirollern“ durfte man. Nur: Die Erklärung für Martin Fourcades Dominanz in den vergangenen Wintern, die fand Simon Schempp unweit von Grenoble nicht. Merke: „Er macht auch nur Biathlon und er trainiert – was ich jetzt so rausgesehen hab’ – auch nicht groß anders.“

Trotzdem gewann der 28-jährige Franzose bei der Weltmeisterschaft diesen März in Oslo seine Goldmedaillen Nr. 7 bis 10 (plus einmal Silber), dominierte er 2015/16 zum fünften Mal in Folge (!) den Gesamtweltcup. Simon Schempp, 28 auch er, ist im Endklassement des vergangenen Winters Vierter gewesen, war solo bei fünf Weltcup-Wettkämpfen der Beste, fünfmal stand er zudem mit auf dem Podest. Eine starke Saison – ohne Krönung: Bei der WM blieb die ersehnte Einzelmedaille aus. Platz acht im Sprint war nach so eben auskurierter Bronchitis das Nonplusultra, zweimal Silber im Team (Mixed-Staffel, Staffel) ein eher leidlicher Trost.

Danach also Villard de Lans. „Man kann ja Konkurrent sein“, kontert Simon Schempp manch fragenden Blick, „aber sich trotzdem verstehen. Das eine schließt das andere ja nicht aus.“ Wie Schuften und Schwitzen Reden und Zuhören nicht ausschließt: „Über vier, fünf Tage hat man ’ne Menge Zeit, da kann man sich schon über Gott und die Welt unterhalten. Das war eigentlich ’ne ganz coole Erfahrung.“ Die, ganz nebenbei, nochmals zeigte: Der Branchenprimus ist ein „absolut bodenständiger, umgänglicher Typ“. Überraschend neu war das für Simon Schempp nicht. Man misst sich (weil gleicher Jahrgang) seit frühesten Nachwuchszeiten, weiß um die Eigenheiten des jeweils anderen, respektiert dessen Leistung, neidet ihm nichts. Der Mann von der Ski-Zunft Uhingen: „Natürlich – im Wettkampf kennt Martin seinen Nächsten nimmer. Aber ich glaub’, das ist auch völlig in Ordnung und völlig normal – solange er auf ’ne faire Art und Weise abläuft, der Konkurrenzkampf.“

Achillesferse Infektanfälligkeit

Das tut er, wird er auch 2016/17 wieder tun. Maß allen Skatens und Schießens bleibt wohl der jüngere der Fourcade-Brüder. Simon Schempp möchte ihn fordern, herausfordern, müsste dazu aber möglichst infektfrei durch die Saison kommen. Sechs Ausfälle krankheitshalber zuletzt, die „kleine Achillesferse“ kostete Energie, Nerven, Punkte – und in letzter Konsequenz wahrscheinlich auch bessere WM-Resultate. Also: noch mehr auf sich achten, vor allem, wenn das Immunsystem nach Wettkampf oder Training extrem geschwächt ist. „Da versuch’ ich mich einfach absolut professionell zu verhalten.“ Dann könnte die Form wirklich WM-Form sein bei Simon Schempps siebten Titelkämpfen Mitte Februar in Hochfilzen. Und das große Ziel – endlich – Realität werden: „Natürlich würd’ ich neben ’ner Team- gern mal ’ne Einzelmedaille mit nach Hause nehmen.“

Hochfilzen ist Zukunft. 78 Tage noch Zukunft. Simon Schempps Gegenwart heißt Sjusjøen, in Norwegens Osten arbeiten Deutschlands Biathleten traditionell am letzten Feinschliff, ehe der Weltcup diesen Sonntag (15.30 Uhr/ZDF, Eurosport) in Östersund mit der Mixed-Staffel Fahrt aufnimmt. Auch mit Simon Schempp? Das ist noch unklar, denn offenbar wissen nicht alle Bakterien professionelles Verhalten zu schätzen: Trainingspause vor zwei Wochen, Erkältung auskuriert, zurück im Training seit nunmehr neun Tagen – es könnte knapp werden mit dem Start im deutschen Mixed-Quartett. Und knifflig, wenn Donnerstag in einer Woche beim 20-Kilometer-Klassiker kräftig „Körner“ gefragt sind. „Ich werde den Rest der Vorbereitung nun noch sehr gut nutzen“, gab Simon Schempp am Montag trotzig zu Protokoll; „ich versuche, das Optimum rauszuholen.“

Immerhin: Am Schießstand gab es keinerlei Einschränkungen, dem Seelenleben dürfte die jetzt bekannt gewordene Beziehung mit Teamkollegin Franziska Preuß durchaus zuträglich sein – und ein Handicap nimmt Simon Schempp ohnehin mit dem ihm eigenen, launigen Humor: Martin Fourcade, das war im Juli zu inspizieren, „hat extrem gute Hebelverhältnisse von Beinlänge, Armlänge und Körpergröße, die, glaub’ ich, ziemlich perfekt sind fürs Biathlon“. Darauf ein Achselzucken samt Grinsen! „Gut, aber so ist er konzipiert – da lässt sich nichts mehr machen bei mir.“

Da nicht. Zur erneut starken Saison – diesmal gekrönt – soll es trotzdem reichen. Gesundheit!

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