Geiger genießt Freizeit vor Tournee-Endspurt

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Karl Geiger
Karl Geiger liegt in der Gesamtwertung nur hinter dem japanischen Überflieger Ryoyu Kobayashi. (Foto: Angelika Warmuth / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Patrick Reichardt und Thomas Eßer

Den letzten freien Tag vor dem großen Endspurt bei der Vierschanzentournee genoss Karl Geiger in herrlicher Bergidylle bei Innsbruck.

Das gemütlich-familiäre Teamhotel von Lans, in dem Geiger & Co. in Ruhe in einer holzvertäfelten Stube zusammensitzen können, soll Deutschlands Top-Skispringer die nötige Kraft für das Vier-Tage-Finale in Innsbruck und Bischofshofen mitgeben. „Was der Karl macht, ist außergewöhnlich. Wir sind froh, dass wir einen Mann ganz vorne haben“, lobte Bundestrainer Stefan Horngacher am Donnerstag in seiner Tiroler Heimat.

Nach zwei zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen hat Geiger die große Chance auf den ersten deutschen Tournee-Sieg seit Sven Hannawald 2001/2002. Vom spürbar gestiegenen Medienrummel nahm sich der 26 Jahre alte Allgäuer am zweiten Ruhetag bewusst eine Auszeit, er wollte sich zwischen Neujahr und der dritten großen Prüfung am Samstag (14.00 Uhr/ZDF und Eurosport) nicht noch mal ausufernd zu Tournee-Träumen und dem Duell mit Japans Überflieger Ryoyu Kobayashi befragen lassen. Stattdessen waren nach dem Ausschlafen morgens und abends Freizeit sowie nachmittags eine Krafteinheit angesagt.

Ins Scheinwerferlicht der Fernsehkameras trat stattdessen Horngacher, der seinem konstanten Vorzeige-Athleten ein großes Kompliment machte. Verglichen mit dem polnischen Einzel-Weltmeister Dawid Kubacki, der als Gesamt-Dritter ebenfalls noch intakte Chancen auf den Gesamtsieg hat, schätze er „den Karl Geiger noch höher ein“, betonte der 50-Jährige. Er hatte Kubacki als polnischer Chefcoach lange betreut. Den Tournee-Gesamtstand, sagte Horngacher, kenne er gar nicht genau.

Geiger selbst hingegen dürfte wissen, dass ihm derzeit 6,3 Punkte (etwa dreieinhalb Meter) auf Titelverteidiger Kobayashi fehlen. Der Oberstdorfer will es nach dem Halbzeitwechsel nach Österreich besser machen als Richard Freitag und Markus Eisenbichler, die ihre Chancen aus ähnlicher Position am tückischen Bergisel verspielten. „Da will ich schon angreifen“, kündigte Geiger an. Über seine Rivalen sagte er: „Die zaubern alle nicht und kochen auch nur mit Wasser.“

Der beharrliche Aufstieg von Geiger in die Weltspitze ist ein Lehrbeispiel, wie sich selbst im komplexen und wechselhaften Skispringen akribische und disziplinierte Arbeit über mehrere Jahre irgendwann auszahlen kann. Vor allem charakterlich schätzt Horngacher seinen Schützling, der in Oberstdorf und Garmisch die Fans mit starken Sprüngen begeisterte. „Er verstellt sich nicht. Er ist so, wie er ist. Er ist ein super Mann. Es ist schön, mit ihm zu arbeiten.“

Geiger ist in der Tat kein Sprücheklopfer. Der „Bachelor of Engineering“ in Energie- und Umwelttechnik spricht ruhig und analysiert sachlich. Die ganz großen Gefühle brechen bei ihm - wenn überhaupt - nur direkt nach Sprüngen aus. Den Tournee-Traum will er deshalb nicht zu nah an sich heranlassen. „Ich versuche, das noch nicht zu realisieren. Das ist die erste Chance, sich ablenken zu lassen. Ich bleibe bei mir. Ich freue mich riesig, dass ich noch im Rennen bin“, sagte er.

Wenn der Top-Springer am Ruhetag „ausrasten“ will, steht das nicht für unkontrollierte Gefühlsausbrüche, sondern es ist seine bayerische Version für die nötige Erholung vor dem großen sportlichen Sturm in Innsbruck. Dort hatten in Freitag, Eisenbichler und Severin Freund in den vergangenen Jahren einige Deutsche ihre Probleme, doch seit Februar 2019 ist der Bergisel auch der Ort des großen WM-Triumphs der Zimmerkollegen Eisenbichler und Geiger. „Wir haben uns bei der WM schon mal revanchiert. Es ist nur eine Schanze, lassen wir sie Schanze sein“, sagte Geiger. Nüchterner geht es kaum.

Sein erster Einzelsieg bei der Tournee steht zwar noch aus. In den Augen von Trainer Horngacher hätte er diesen aber in Garmisch schon verdient gehabt. „Er war der beste Springer für mich“, sagte der Coach nach dem Überraschungssieg des Norwegers Marius Lindvik. Für die Eroberung des goldenen Adlers sind Tagessiege auf den vier Stationen aber gar nicht zwingend notwendig.

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