Geht auch ohne Diego: Werder mit 2:1 gegen Inter

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Deutsche Presse-Agentur

Kein echtes „Wunder von der Weser“, aber trotzdem wunderbar. Mit dem kaum mehr für möglich gehaltenen Einzug in den UEFA-Cup hat Werder Bremen die enttäuschende Hinrunden-Bilanz geschönt und finanzielle Schadenbegrenzung betrieben.

Vor allem aber hat die „Wundertüte“ Werder bewiesen, dass sie noch immer zu außergewöhnlichen Leistungen imstande ist und sogar gegen internationale Topteams wie Inter Mailand ohne ihren Superstar Diego bestehen kann. Euphorisiert von einem begeisternden Europapokal-Abend kündigte Stürmer Claudio Pizarro an: „Natürlich will ich jetzt den UEFA-Cup gewinnen.“

So forsch wie der Fußball-Bundesligist beim 2:1-Sieg gegen Inter Mailand in der zweiten Hälfte aufspielte, zeigte sich Pizarro auch nach der Partie. „Wir haben eine gute Chance“, behauptete der Werder-Stürmer, der in der 63. Minute die Führung erzielt hatte, ehe Markus Rosenberg (81.) und Zlatan Ibrahimovic (88.) die weiteren Tore erzielten. Auch Manager Klaus Allofs demonstrierte wieder Optimismus: „Wir haben allen Grund, jetzt nicht mit dem Träumen anzufangen, aber wir wollen jedes Spiel gewinnen. Das könnte heißen, den UEFA-Cup zu gewinnen, im DFB-Pokal weiterzukommen und in der Bundesliga noch einmal oben ranzukommen.“

Die Freude über das Erreichen der Trostrunde war insgesamt aber eher verhalten. Das seit zwei Wochen feststehende Champions-League-Aus „wird noch lange wehtun“, gab Pizarro zu. Und Allofs sagte mit ähnlichem Vokabular: „Es tut schon weh, zu wissen, dass das Potenzial eigentlich in der Mannschaft drinsteckt.“

So herrschte nach Mitternacht eine merkwürdige Mischung aus spätem Ärger über die verschenkten Möglichkeiten und Erleichterung über das „kleine Wunder von der Weser“, das nur dank der Schützenhilfe durch Panathinaikos Athens 1:0-Sieg gegen Famagusta möglich wurde. „Weiter international dabei zu sein ist wichtig als Motivation für die Spieler, aber auch für das gesamte Umfeld“, sagte Allofs. Nach den verpassten Champions-League-Millionen ist es zudem eine finanzielle Schadenbegrenzung. Das 2:1 gegen Mailand war mit der Sieg-Prämie und den zu erwartenden Einnahmen aus der ersten K.o.-Runde mehr als eine Million Euro wert. Weitere Einnahmen winken, wenn Pizarros optimistische Prognose aufgeht.

Eine entscheidende Erkenntnis war, dass der 20-jährige Özil schon internationalen Ansprüchen genügt und Diego ersetzen kann. „Wir sind froh, dass wir Diego haben, aber wird sind auch froh, dass es nicht nur mit Diego geht“, betonte Allofs. Der vor einem knappen Jahr aus Schalke geholte Özil drehte nach verhaltenem Beginn auf und wirbelte den Mailänder Abwehrriegel mit schnellen Dribblings und direkten Pässen immer wieder durcheinander.

Die Vergleiche Özils mit dem Brasilianer bügelte Trainer Thomas Schaaf in seiner unnachahmlichen Art ab. „Das ist völliger Blödsinn“, sagte er in einem TV-Interview: „Er muss nicht Diegos Rolle übernehmen. Er soll sein Spiel machen und Mesut Özil sein.“ Tatsächlich spielt das 20-jährige Talent anders als der für die nächsten vier Bundesligaspiele gesperrte Brasilianer - meist schneller und direkter. „Die 10 ist meine Lieblingsposition“, sagte Özil, dessen Durchsetzungsvermögen immer besser wird.

Erstaunlich war zudem, dass die Bremer auch die anderen Ausfälle wie die von Kapitän Frank Baumann oder Innenverteidiger Naldo locker wegsteckten. „Wenn man ersatzgeschwächt ist, führt das oft dazu, dass die Gruppe zusammenrückt“, erklärte Allofs.

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