Ganz Kroatien im Handball-Fieber

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Deutsche Presse-Agentur

Das Handball-Fieber hat Kroatien erfasst. Die ganze Nation erwartet vor der Finalrunde nicht weniger als den Gewinn der Weltmeisterschaft.

„Das erste Ziel, das Halbfinale, haben wir erreicht, aber wir wollen mehr“, sagte Nationaltrainer Lino Cervar. In die Begeisterung um sein Team mischen sich aber immer wieder nationalistische Töne. Ziel chauvinistischer Ausfälle sind die Serben, denen viele Kroaten weiter unversöhnlich gegenüber stehen.

Mehrere politisch motivierte Zwischenfälle sind die Folgen des kroatischen Unabhängigkeitskrieges 1991-1995 gegen Jugoslawien und die eigenen, damals in Kroatien lebenden Serben, die sich von Kroatien abspalten wollten. In der Adriastadt Zadar ordnete der Bürgermeister die Entfernung aller Fahnen der 24 WM-Teilnehmerstaaten an, weil die dort aufgehängte serbische Fahne extremistische Kroaten gestört hatte. Staatschef Stjepan Mesic verurteilte diesen Vorfall und betonte, Kroatien sei ein Rechtsstaat.

Für Unruhe sorgten zudem anonyme Bombendrohungen gegen das Hotel, in dem die serbische Nationalmannschaft einquartiert war. Ein Auto mit serbischem Kennzeichen wurde beschädigt. In Zagreb wurde die serbische Fahne und in der Adriastadt Porec die kroatische Fahne angezündet. Es gab mehrere Festnahmen.

Die Handball-WM ist das bisher größte Sportereignis, dass die seit 1991 unabhängige Balkanrepublik organisiert hat. Der Staat hat in die Spiele, vor allem den Ausbau neuer Sporthallen, knapp 500 Millionen Euro investiert. Eine WM-Medaille würde diese Investition schon rechtfertigen, heißt es in Zagreb.

Die Organisatoren bezeichnen die WM als „Spiel der Superlative“, vor allem was den Publikumsandrang betrifft. Für die Auftritte der Nationalmannschaft herrscht riesiges Interesse. Hunderte Fans warteten stundenlang auf die verbliebenen Eintrittskarten. Bei den Spielen gegen Ungarn und die Slowakei waren die Hallen voll: jeweils 16 000 Zuschauer. In den Kneipen tanzen die Fans bei kroatischen Siegen auf den Tischen, Erfolge des zweimaligen Olympiasiegers werden in dem sportbegeisterten Land mit Autokorsos gefeiert.

Tage vor dem Finale am 1. Februar sieht das Gastgeberland seine Mannschaft als Titelfavorit, so dass die Eintrittskarten für das Finalspiel auf dem Schwarzmarkt über 400 Euro kosten - Tendenz steigend. Zum Selbstvertrauen der Kroaten hat auch der umstrittene Präsident der internationalen Handball-Föderation, Hassan Moustafa, beigetragen: “Ihr seid das Handball-Brasil“, erklärte er den begeisterten Veranstaltern.

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