Fußball verrückt: AZ Alkmaar eilt Richtung Titel

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Deutsche Presse-Agentur

Die Fußball-Welt in den Niederlanden steht auf dem Kopf. Nicht einer der „großen Drei“ führt die Tabelle in der Ehrendivision an, sondern das vermeintlich kleine AZ Alkmaar.

Erstmals seit 28 Jahren könnte es damit im „Oranje“-Land einen Meister geben, der nicht Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam heißt. Der Titleträger 1981: AZ Alkmaar. „Das traditionelle Gleichgewicht in der Ehrendivision bröckelt mehr und mehr“, schrieb die Sportausgabe des „Algemeen Dagblad“ auf ihrer Internetseite. „Es wird verdammt schwer, Alkmaar jetzt noch einzuholen“, fügte Ajax- Coach Marco van Basten hinzu.

Dessen Team kam gegen den Underdog von Heracles Almelo nicht über ein 2:2 hinaus und hat nach dem 1:0-Erfolg von Alkmaar am Mittwoch gegen Roda Kerkrade bereits elf Punkte Rückstand auf den Provinzclub aus Nordholland. Noch vor Rekordmeister Ajax rangiert sogar Twente Enschede. Der Ex-Verein von Schalke-Coach Fred Rutten liegt aber auch schon neun Punkte hinter dem Spitzenreiter.

Noch schlimmer sieht die Situation für die PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam aus. Titelverteidiger PSV, Meister der vergangenen vier Jahre, rangiert mit 18 Zählern weniger auf Platz sechs, das ruhmreiche Feyenoord dümpelt mit 30 Punkten Rückstand gar nur auf Rang elf herum. Bei beiden Clubs führten auch Trainerwechsel nicht zurück zum Erfolg. In Eindhoven warf der in der Bundesliga bestens bekannte Huub Stevens Ende Januar entnervt das Handtuch, in Rotterdam ging Coach Gertjan Verbeek nach Differenzen mit den Spielern um Ex-Bayern-Star Roy Makaay - die Leistungen wurden dennoch nicht besser.

Eitel-Sonnenschein herrscht dagegen im gerade einmal rund 95 000 Einwohner großen Alkmaar. Nach dem Fehlstart mit zwei Niederlagen zum Saisonstart ist das Team von Trainer Louis van Gaal nun schon seit 19 Spielen ungeschlagen, die vergangenen zehn Partien wurden allesamt gewonnen. In dem aus Marokko stammenden Mounir El Hamadaoui (17 Treffer) hat AZ zudem den besten Torschützen der Ehrendivision in seinen Reihen. Hinzu kommt eine Abwehr, hinter der Torhüter Sergio Romero nun schon seit 939 Minuten ohne Gegentor ist und damit den Rekord des legendären Ajax-Keepers Heinz Stuy jagt, der sein Tor 1971 genau 1082 Minuten sauber hielt.

Als Vater des Erfolges gilt Startrainer van Gaal. Und das, obwohl der frühere Coach des FC Barcelona und der niederländischen Nationalmannschaft vor der Saison eigentlich zurücktreten wollte, nachdem AZ die Spielzeit 2007/2008 auf einem enttäuschenden elften Platz abgeschlossen hatte. Doch die Spieler um Kapitän Stijn Schaars kämpften um den 57-Jährigen, der sich schließlich auch der Rückendeckung von Club-Besitzer Dirk Scheringa sicher sein konnte.

Der Bankier hat das Ruder in Alkmaar 1993 übernommen und den Club mit seinem Geld seitdem kontinuierlich nach oben geführt. 2007 stand AZ bereits schon einmal ganz dicht vor dem Titelgewinn, musste die Meisterschale dann aber am letzten Spieltag doch wieder Eindhoven überlassen. Auch deshalb gibt sich van Gaal zur Zeit noch skeptisch, was die Titelchancen seines Clubs angeht. „Dass wir Herbstmeister geworden sind, bedeutet gar nichts. Die Titelfrage wird erst später entschieden.“

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