Freifahrtschein für Weinzierl: Dem VfB Stuttgart fällt einfach nichts Neues ein

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Mario Gomez am Boden.
Mario Gomez am Boden. (Foto: dpa)

Die größte Nachricht rund um das 1:1 (0:1) des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Nürnberg gab es am Rande. „Wir ziehen das jetzt hier durch – gemeinsam“, sagte Sportvorstand Thomas Hitzlsperger. Dieses „gemeinsam“ ist ein Treuebekenntnis für Trainer Markus Weinzierl, der nach dem neuerlich verpassten Sieg noch immer den schlechtesten VfB der Geschichte betreut – und weiter betreuen darf. Selbst, und das bleibt wahrscheinlich, wenn der VfB in zwei Relegationsspielen nachsitzen muss im Mai.

Dass ihm selbst diese Unterstützung kein Lächeln entlockte, sagt alles über die Situation des Tabellen-16. „Ich habe das nur nebenbei mitbekommen. Wir arbeiten gut und zielgerichtet zusammen, jeden Tag. Daher geht es genau so weiter“, sagte Weinzierl zu den Ausführungen seines Chefs. Was soll er auch anderes verkünden, gleichen die Auftritte doch seit Wochen dem gleichen Schema.

Und wie gern hätten sie sich nach diesem so wichtigen Abstiegskrimi Mut zugesprochen, statt nur den Abstand auf Nürnberg bei vier Punkten zu halten. Generell blieben die Spieler anschließend eher mundfaul. Der verletzte Kapitän Christian Gentner ging stumm und in Zivil vorbei, Daniel Didavi, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, ebenfalls. Mario Gomez? Ohne Worte. Selbst der ins Abseits geratene Holger Badstuber, erst gar nicht nach Antworten gefragt, behalf sich mit dem Handytrick: zwei Meter weiter landete es in der Hosentasche. Dabei gab es Themen genug.

Remis für Nürnberg gefühlt „zwei verlorene Punkte“

So war die Leistung trotz einer kurzen Drangphase wieder einmal unterdurchschnittlich. Vom oft zitierten Aufwind und dem „alle haben verstanden, um was es geht“, war nichts zu sehen, auch wenn Weinzierl „sehr viel Herz, Moral, Wille“, nach dem Rückstand durch Matheus Pereira (42.) gesehen haben wollte. Aber selbst das waren objektiv nur Ansätze, mehr nicht. Verteidiger Ozan Kabak (75.) hatte dem VfB per Abstauber wenigstens den Punkt gerettet – auch wenn das Tor einer langen Abseitsprüfung durch den Videobeweis standhalten musste. Mit nun drei Treffern zählt der 19-jährige Winterzugang bereits jetzt zu den drei besten Torschützen des VfB.

„Am Ende sind es eigentlich zwei Punkte zu wenig“, sagte Torhüter Ron-Robert Zieler, der keine Ahnung hatte, was er mit dem Ergebnis anfangen sollte. „Es weiß keiner so wirklich, die Fans nicht und wir nicht“, sagte er. Neben Steven Zuber war er derjenige, der sich den Fragen stellte und kontinuierlich mit Leistung vorangeht. Den Sieg hätte aber höchstens der glücklose, aber engagierte „Club“ verdient gehabt. In der Schlussphase hatte der eingewechselte Virgil Misidjan (90.) die Riesenchance dazu, der Niederländer scheiterte aus kurzer Distanz jedoch an Zieler. Für Nürnbergs Trainer Boris Schommers fühlte sich das Remis nach „zwei verlorenen Punkten“ an.

„Das tut weh, das geht extrem an die Substanz“,

Thomas Hitzlsperger, Ex-VfB-Spieler

Beim VfB war es trotz der mäßigen Leistung nicht anders. Weil sie wissen, was bei einem Sieg möglich gewesen wäre. Nach der Augsburger Niederlage am Sonntag gegen Hoffenheim umso mehr. Doch ist die Bilanz schon länger desaströs. Mit nun 21 Punkten nach 28 Partien hat der VfB zwölf Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der Saison 2015/2016 – als am Ende der direkte Abstieg folgte. Aus den vergangenen 13 Spielen holten die Stuttgarter lediglich einen Sieg. „Das tut weh, das geht extrem an die Substanz“, sagte Hitzlsperger. Aber der 37-Jährige wertete es „vielleicht als ein Zeichen“, dass sein Team wenigstens noch den Ausgleich geschafft hatte.

Doch auch diese Aussage wurde jüngst schon oft bemüht. Ebenso Weinzierls „wissen, dass wir nicht vor Selbstvertrauen strotzen“, sowie die „schwierige Situation“ (sagte er allein drei Mal). Auch Zieler bliebt bei seinen Dauerbrennern. „Wir haben momentan auch Pech“, zudem fehle das „Spielglück“. Klare Ansätze und Aussagen wären wünschenswert und so hätten die Stuttgarter vielleicht einmal bei Nürnbergs Lukas Mühl genauer hinhören sollen: „Wir haben jetzt richtig Bock auf Schalke und werden weiter kämpfen. Wir brauchen Stolz und müssen uns immer aufrecht halten“ . Wahre Worte – nur leider keine Stuttgarter.

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