Freiburgs Kryptonit ist eisern

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Fußballer in Aktion
Der Anfang vom Freiburger Ende: Joshua Mees (re.) erzielt das erste von drei Berliner Toren, Jonathan Schmid (von li.) und Nico Schlotterbeck sind geschlagen. (Foto: Imago Images)
Martin Deck

Am Ende hielten es die Fans von Union Berlin dann doch nicht mehr aus. Nachdem mehrere ihrer Kameraden in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Spiels in Freiburg in Gewahrsam genommen worden waren, weil sie ein Banner entrollen wollten, hatten sie aus Prostet geschwiegen – zumindest 40 Minuten lang. Dann traf Robert Andrich in der 86. Minute zum späten 2:1 für die Berliner – und im Gästeblock explodierte es förmlich vor Freude. Als mit Christian Gentner mit dem 3:1 in der Nachspielzeit ausgerechnet ein Schwabe das Pokalaus für die Freiburger besorgte, war die Stimmung im Berliner Lager wieder bestens – und bei den Breisgauern denkbar schlecht.

Die Freiburger mussten damit bereits die zweite Niederlage innerhalb von zwei Wochen hinnehmen gegen den Aufsteiger – bereits vor zehn Tagen hatte der Bundesligadritte beim Auswärtsspiel an der Alten Försterei mit 0:2 verloren. „Natürlich tut das weh. Wir wollten es heute besser machen als in Berlin und unbedingt weiterkommen. Das haben wir nicht geschafft“, ärgerte sichVerteidiger Dominique Heintz nach Schlusspfiff und ergänzte: „Ich muss jetzt erst mal runterkommen. Das war ein unfaires Spiel.“

Immer wieder Fouls

Heintz meinte damit die harte Gangart der Berliner, die die Freiburger immer wieder mit Fouls stoppten. Von Beginn an entwickelte sich ein intensives Pokalspiel, allerdings ohne die großen spielerischen Höhepunkte. Die Freiburger, die ihre Erfolge in der Bundesliga vor allem dank einer stabilen Abwehr und schnellem Konterspiel feierten, taten sich wie schon in Berlin schwer, gegen tiefstehende Unioner das Spiel zu machen. Die besten Chancen für die Freiburger ergaben sich folgerichtig nach Standardsituationen: In der achten Minute setzte Nico Schlotterbeck einen Kopfball nach einer Freistoßflanke von Vicenzo Grifo an den Pfosten, zwölf Minuten später legte der Wangener Janik Haberer einen Grifo-Freistoß auf Nils Petersen ab, der jedoch knapp am kurzen Pfosten vorbeischoss.

Union Berlin hingegen lauerte hauptsächlich auf Fehler der Freiburger – und hatte damit Erfolg: Nach einem Fehler im Spielaufbau der Breisgaues schaltete Berlin schnell um, Anthony Ujah flankte nach innen und Joshua Mees vollendete mit dem Kopf zur Führung für die Gäste (36.). Doch kurz vor der Pause kam der Sportclub zum Ausgleich. Erneut brauchten sie hierfür einen Standard. Vincenzo Grifo brachte einen Eckball nach innen, dort war Neunationalspieler Robin Koch seinem Gegenspieler Keven Schlotterbeck entwischt und traf per Kopf zum 1:1-Pausenstand. Pikant: Schlotterbeck wurde in der Freiburger Jugend ausgebildet und ist in dieser Saison vom SC an Union ausgeliehen. Bei seiner Rückkehr in den Breisgau stand er nicht nur ehemaligen Teamkameraden, sondern auch seinem Bruder Nico gegenüber, der in der Freiburger Dreierkette ran durfte. „Heute waren bestimmt zehn Schlotterbecks auf der Tribüne“, sagte Keven Schlotterbeck, der nach dem Spiel über seinen Patzer wieder lachen konnte. „Da habe ich nicht ganz aufgepasst.“

„Jetzt müssen wir uns voll auf die Bundesliga konzentrieren“

Doch ansonsten zeigten die Berliner kaum Unkonzentriertheiten. Zwar bestimmte Freiburg auch in der zweiten Halbzeit das Spiel, ohne aber zu wirklichen Torchancen zu kommen. Das änderte sich auch nicht, als Christian Streich in der 62. Minute mit Lukas Höler einen zweiten Stürmer neben Petersen brachte. Stattdessen nutzte Union kurz vor Schluss erneut einen Fehler in der Freiburger Hintermannschaft. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Jonathan Schmid legte erneut Anthony Ujah auf und Robert Andrich traf zum umjubelten 2:1.

Freiburg ist damit zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren in der zweiten Runde des Pokals ausgeschieden. „Das ist sehr bitter. Das ist ein Wettbewerb, in dem man in kurzer Zeit sehr viel erreichen kann“, ärgerte sich Vincenzo Grifo. „Jetzt müssen wir uns voll auf die Bundesliga konzentrieren.“

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