Freiburg und Stuttgart vor dem Derby unter Druck

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Dynamische Schusshaltung, ohne Torerfolg: Christian Günter beim 1:3 in Hoffenheim.
Dynamische Schusshaltung, ohne Torerfolg: Christian Günter beim 1:3 in Hoffenheim. (Foto: Imago)
Schwäbische Zeitung

Der Vorletzte empfängt den Letzten: Die Konstellation vor dem südbadisch-württembergischen Derby zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart hatten sich beide Clubs sicher anders vorgestellt. Aber die Saison ist ja noch jung. Felix Alex hat mit dem Freiburger Dauerbrenner Christian Günter über das Derby und Heimatverbundenheit gesprochen.

Herr Günter, Sie sind in Villingen-Schwenningen geboren, am Sonntag (18 Uhr/Sky) steht das Duell ihres SC Freiburg gegen den VfB Stuttgart an. Spüren Sie, wie die Spannung steigt?

Es ist ein Derby und das merkt man an der ganzen Stimmung bei den Fans. Da ist schon immer eine gewisse Rivalität da. Da knistert es vorher schon mehr als bei einem anderen Bundesliga-Spiel.

Sie selbst spielen seit der C-Jugend in Freiburg. Hand aufs Herz, haben Sie nie mit dem VfB sympathisiert?

Da muss ich leider alle enttäuschen, ich war schon immer Freiburg-Fan und hatte mit dem VfB bisher noch nie wirklich etwas am Hut.

Es ist ja nicht nur ein Derby, sondern auch das Spiel Letzter gegen Vorletzter. Warum kriselt es gerade bei beiden Vereinen?

Warum es beim VfB nicht läuft, kann ich nicht beurteilen. Ihr Programm war auch nicht so einfach. Wir dagegen sind in Cottbus gut gestartet und haben meiner Meinung nach dann gute Spiele gegen Frankfurt und Hoffenheim gemacht. Es waren aber immer Kleinigkeiten, die die Spiele entschieden haben. Hinten zu viele Fehler und vorne die Tore nicht gemacht. Deshalb haben wir am Sonntag nun optisch ein Abstiegsspiel.

Vor der Saison hat der SC Çağlar Söyüncü und Marc-Oliver Kempf abgegeben, allerdings auch erfahrene Spieler geholt. Müsste es nicht besser laufen?

Wenn man die Spiele so analysiert, haben wir wirklich gut Fußball gespielt und uns so viele Chancen erarbeitet wie wohl im vergangenem Jahr in keinem Spiel. Allerdings haben wir im vergangenen Jahr eben eine von drei Chancen genutzt, dieses Jahr von 15 erst eine und dann ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen.

Welchen Anteil hatte bei allem das Fehlen von Christian Streich wegen seines Bandscheibenvorfalls?

Er ist natürlich auch deshalb ein so erfolgreicher Cheftrainer, weil er eine gewisse Ausstrahlung an der Seitenlinie und auch bei seiner Ansprache an uns Spieler hat. Das restliche Trainerteam hat ihn aber gut vertreten. Wir brauchen unsere Niederlagen nicht auf den Ausfall von Christian Streich schieben, es haben einfach Nuancen entschieden. Mittlerweile gibt der Trainer die Anweisungen wieder wie vorher und steht viel. Ich merke keinen Unterschied zu vorher. Es ist schön, dass er jetzt wieder dabei ist. Damit hat sich das Thema endlich erledigt.

Sie absolvierten in der vergangenen Saison als einziger Freiburger alle 39 Pflichtspiele, fehlten keine Minute. Was schätzt der Trainer an dem Spieler Christian Günter?

Das müssen Sie eigentlich den Trainer fragen, ich rede nicht so gern über mich. Aber ich glaube, dass ich ein gutes Jahr hatte, mich verbessert habe und offenbar hat das dem Trainer auch gefallen.

Christian Günter
Freiburgs Christian Günter. (Foto: Patrick Seeger/Archiv / DPA)

Sie sind sehr heimatverbunden, verfolgen die Spiele Ihres Heimatvereins FV Tennenbronn im Liveticker. Zieht es Sie irgendwann noch einmal zurück zu den Wurzeln in die Bezirksliga?

Ich hoffe, ich habe noch einige Zeit bis zum Karriereende, aber natürlich kicke ich gerne mit meinen Kumpels. Mein Problem ist, dass die meisten eher ein, zwei Jahre älter sind. Sie müssten also länger aushalten als ich. Zudem sind einige ziemlich anfällig für Verletzungen.

Nils Petersen hat kürzlich gestanden, dass er es früher gehasst habe, mit seinen anderen Vereinen in Freiburg zu spielen, weil es mitten im Nirgendwo sei und er nicht viel verstanden habe. Mittlerweile scheint er sich aber ganz wohl zu fühlen in Südbaden.

Wenn die Leute herkommen, sehen sie erst einmal, wie schön es hier ist. Die Stadt mit der unglaublich schönen Altstadt, der Nähe zum Schwarzwald, zu Frankreich, zum Bodensee oder auch zum Kaiserstuhl. Leute, die nicht oft hier sind, denken, wir wären hier am Ende der Welt. Aber es gibt wenige Orte in Deutschland, die so schön sind. Bei den Sprachproblemen müssen sich beide Parteien schon ein Stück weit anstrengen – und ich finde, es entstehen gerade am Anfang auch schöne Unterhaltungen, wenn die Neu-Freiburger immer zweimal nachfragen müssen.

Während der Sommerpause wurde ein Freiburger zum Star, der gar nicht Fußball spielt, Mogli, der Hund von Ihrem Mitspieler Dominique Heintz, hat beinahe zehntausend Follower bei Instagram ...

Ich bin absolut nicht neidisch auf Mogli. Es ist ein total schöner Hund und dass er so viele Follower hat, ist natürlich total verdient (lacht). Wenn Mogli in Begleitung bei einem unserer Trainings ist, will er natürlich immer aufs Feld und spielen. Nach einer Weile sitzt er aber ruhig da und schaut zu.

Etwas hitziger dürfte es dagegen am Sonntag zugehen. Womit wären Sie diese Saison zufrieden und was wünschen Sie dem VfB?

Ich wäre auf jeden Fall zufrieden, wenn wir am Ende drei Mannschaften hinter uns lassen. Und natürlich würde uns freuen, wenn wir am Ende vor dem VfB stehen würden. Und wenn schlussendlich beide Mannschaften doch über dem Strich stehen, dann passt das für die Region und wir haben auch nächstes Jahr wieder das Derby zwischen dem Sport-Club und Stuttgart.

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