Freiburg holt aus dem Nichts einen Punkt in München

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Dominique Heintz von Freiburg (l) drückt Robert Lewandowski vom FC Bayern München im Zweikampf zu Boden. Rechts im Bild Torwart Alexander Schwolow von Freiburg (unten) und David Alaba vom FC Bayern München (oben). (Foto: Matthias Balk/dpa)

Rödinghausen, Freiburg, Athen - für FC Bayern München stehen derzeit nicht gerade die größten Namen des Weltfußballs als Gegner auf dem Programm. Und während abseits des Platzes eine Diskussion über eine Superliga mit Real Madrid, Juventus Turin oder dem FC Barcelona für Gesprächsstoff sorgt, in der Europas Größte sich wöchentlich messen, muss der Bayern sich weiter der Realität stellen - und diese wird zumindest auf absehbare Zeit Bundesliga heißen. Und vielleicht ist das auch ganz gut so, ist der Rekordmeister doch derzeit eher Krampf als Kunst.

Auch das 1:1 (0:0) gegen den SC Freiburg kann nicht als Galaauftritt verbucht werden, sondern eher als das Gegenteil, auch wenn sich Torwart Manuel Neuer wohl mehr weit außerhalb seines Gehäuses herumtrieb als wirklich Bälle halten zu müssen. Der SC kam selten bis gar nicht zu Abschlüssen. Wenn doch, war es meist ein Zufallsprodukt. Dass es dennoch in dieser schwachen Partie zu einemUnentschieden reichte, liegt nicht zuletzt am derzeit harmlosen Offensivauftritt des amtierenden Meisters.

Während sich andere Bundesligamannschaften mit Ergebniskrisen herumplagen, gut spielen, aber nie gewinnen, war es bei Bayer bis jetzt das Gegenteil. Oft fehlt der Spielwitz, die Kaltschnäuzigkeit und Aggressivität - aber die Ergebnisse stimmten. Man könnte es abgezockt oder auch effektiv nennen, man kann es aber auch lassen. Doch ist nun selbst dieser Fakt überholt.

Dass es nicht überzeugender wurde, konnte auch der Bösinger Joshua Kimmich als neuer Ideengeber vor der Abwehr nicht ändern. Zu oft scheiterten die vielversprechenden Angriffe zwei Stationen vor dem Abschluss oder landeten weit neben den Kasten von SC-Torwart Alexander Schwolow. Und so ging es zwar mit beinahe 70 Prozent Ballbesitz und 7:0 Ecken für die Bayern in die Pause, aber auch mit einer Torausbeute von 0:0. Dass das Münchener Publikum nicht gerade vereinzelt Pfiffe ausstieß und etwas lauter wurde als der Ball kurz vor der Pause lieber noch einmal sicher durch die Abwehrreihen anstatt nach vorne gespielt wurde, war sinnbildlich, ebenso wie das Pfeifkonzert, das die Akteure in die Kabine begleitete.

Dass SC-Trainer Christian Streich seinen Spielern in der Pause ein Weiter-so mit an die Hand gegeben hat, war nicht unwahrscheinlich, auch wenn dem SC ebenfalls wenig bis gar nichts eingefallen war, zumindest stand die Defensive. Sein Münchener Pendant Niko Kovac dagegen wählte wohl andere Worte - wirklich fruchten konnten sie jedoch nicht. Dass der SC sich in der 54. sogar eine Sekunde lang - bevor der Linienrichter auf Abseits entschied - über eine Führung durch ein Kopfballtor freuen konnte, war dann noch einer der Höhepunkte der eher wenig unterhaltsamen Partie. Ebenso das wilde Gewusel und gestochene, das in der 65. Minute vor Schwolow statt fand, aber ebenfalls ohne Ergebnis blieb. Dass der Ansonsten-Torjäger Robert Lewandowski wenig später sogar zu einem „ich-binde-mir-die-Schuhe-zu-warte-aber-eigentlich-auf-den-Ball“-Trick griff, war dann doch eher tragisch witzig als wirklich innovativ.

Dass dann in der 80. Minute durch eine wirklich sehenswerte Einzelaktion von Serge Gnabry das erwartbare Führungtor fiel, machte den Gesamteindruck auch nicht wirklich besser. Als es Lucas Höler in der 89. Minute dann doch noch der Lucky Punch gelang, machte es dann zumindest für die Freiburger etwas erträglicher und legt bei den Bayern vielleicht den Finger in die Wunde, dass bis zur Champions League Partie am Mittwoch gegen Athen noch einiges passieren muss. Dennoch bleibt vieles beim alten: Der SC kann in München einfach nicht gewinnen. Seit 25 Jahren gab es lediglich zwei Unentschieden. Der zuvor letzten Punktgewinn (ein 0:0) der Freiburger gab es im Mai 1997, als Jürgen Klinsmann - einige ältere Fußballfreunde werden sich erinnern - in die Tonne trat. Ein Tonnentritt hätte auch dieser Partie gut getan.

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