Frankreich liegt Maradona zu Füßen

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Deutsche Presse-Agentur

Das Duell Franck Ribéry gegen Lionel Messi verspricht Gourmet-Fußball, doch für Hysterie sorgte vor dem Knüller Frankreich gegen Argentinien allein schon die Präsenz von Diego Maradona.

Der argentinische Coach wurde im Hotel, auf der Straße und beim Training von Horden von Journalisten, Fans und Schaulustigen verfolgt. Einige trugen vor dem Prestige-Duell im ausverkauften Stade-Vélodrome in Marseille sogar Fahnen mit seinem Antlitz. Die Sportzeitung „L'Équipe“ und andere Blätter huldigten Maradona auf den Titelseiten, und der einstige „Goldjunge“ zeigte sich ob des triumphalen Empfangs sichtlich gerührt: „Die Gefühle der Fans bedeuten mir sehr viel.“

Seine Zwischenbilanz nach dreimonatiger Amtszeit fällt dagegen weniger euphorisch aus. „Es ist viel härter als ich gedacht habe. Der Job verlangt mir alles ab“, offenbarte der 48-Jährige, der wegen Drogenmissbrauchs kurz vor dem Tode stand. Nicht nur Messis Premiere unter Maradona wird in Argentinien kritisch beobachtet. Als Coach hat der Weltmeister von 1986 keine Jobgarantie. Viele Kritiker in der Heimat glauben, dass er nicht bis zur WM 2010 in Südafrika durchhält. Und auch Maradona, dessen Einstand mit dem 1:0-Sieg in Schottland gelang, weiß, dass er sich nur wenige Ausrutscher leisten darf.

„Wir spielen gegen den Vizeweltmeister. Das ist kein Freundschaftsspiel, es geht um Prestige und um die WM. Das könnte 2010 etwa ein Viertelfinalduell sein“, sagte „Dieguito“. Frankreichs Offensive mit Ribéry und Messis Teamkollege Thierry Henry nennt er „angsteinflössend“ und tönt, man habe im eigenen Team „Männer, die verhindern werden, dass beide an den Ball kommen.“ Um Ribéry soll sich dessen Münchner Teamkollege Martín Demichelis kümmern. Sorgen bereitet Maradona auch die mangelhafte argentinische Organisation. „Das ist hart. Auf Organisationsniveau ist das gleich Null. Deshalb konnte Riquelme nicht mitkommen, weil Boca in letzter Sekunde ein Spiel angesetzt hat“, klagt er. Ohne Spielmacher Juan Riquelme setzt 1,65-Meter-Mann Maradona auf die anderen sogenannten „Super-Zwerge“ wie Messi, Sergio Aguéro (Atlético Madrid) und Carlos Tévez (ManU).

Auch für Gastgeber Frankreich steht viel auf dem Spiel. „Es ist keine Zeit für Experimente“, sagte der umstrittene Coach Raymond Domenech, der nur einen Neuling, Toulouse-Tormann Cedric Carasso berief. 2008 schaffte Domenech in 14 Länderspielen mit den „Bleus“ nur sechs Siege, viermal ging er als Verlierer vom Platz. Bei der EURO schied sein Team in der Vorrunde aus. Der „verrückte Professor“ wird unter anderem wegen seiner defensiven Spielweise angeprangert und steht nun unter Zugzwang. „Er hat tolle Spieler zur Verfügung, sein Stil ist aber verwirrend. Und seine Ergebnisse sind sehr mäßig“, frotzelte zum Beispiel Christophe Dugarry, ein Weltmeister von 1998. Domenech bleibt aber seinem umstrittenen Stil treu und fragt provozierend: „Wieso vergisst man mich einfach nicht?“.

Der nicht minder kontroverse Maradona wird sein Leben lang unvergesslich bleiben. „Er war der beste Spieler der Welt und hat einfach etwas Magisches“, sagte Eric Gerets, der belgische Coach von Olympique Marseille, über seinen Gegner im WM-Halbfinale 1986. „Ich würde ihn gern nach dem Spiel treffen, aber das wollen wohl 5000 andere Menschen auch, und vielleicht erkennt er mich gar nicht mehr.“

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