Frank Baumann denkt über Karriereende nach

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Deutsche Presse-Agentur

Das Jubiläum fand fast unbemerkt statt - und das ist geradezu typisch für Frank Baumann. Sein 250. Bundesliga-Spiel hat der 33-jährigen Fußball-Profi für Werder Bremen absolviert, aber kaum jemand nahm Notiz davon.

Das passt zu Baumann, der zu den zurückhaltenden und unauffälligen Typen der Liga gehört. Wie viele Spiele er noch absolvieren wird, ob er am Ende der Saison aufhört oder den auslaufenden Vertrag noch einmal verlängert, das ist derzeit offen. „Wir haben im Moment wirklich andere Probleme, deshalb gab es auch noch kein Gespräch“, sagte Baumann.

So solide und zurückhaltend wie Baumann auftritt, wirkt er manchmal wie aus einer anderen Fußball-Zeit. Im zehnten Jahr spielt der aus Nürnberg gekommene Franke für Werder, hat dabei auch mehr als 50 Europapokal-Spiele absolviert. Und noch immer ist er unverzichtbar. Ob auf der Sechser-Position oder als Ersatz in der Innenverteidigung, der dienstälteste Werder-Profi gehört für Trainer Thomas Schaaf immer zu den festen Größen. Trotz häufiger auftretender Probleme mit der Achillessehne kämpfte sich der Profi, in dessen Statistik 28 Länderspiele stehen, immer wieder ins Team. „Er ist einer der am meisten unterschätzten Spieler der Liga“, sagte Manager Klaus Allofs.

Wie groß die Wertschätzung für Baumann ist, lässt sich an Schaafs Aussagen über eine mögliche Vertragsverlängerung ablesen. „Egal, was wir am Ende entscheiden: Beide Seiten werden zufrieden sein“, sagte der Coach. Umgekehrt scheint der Respekt ähnlich hoch zu sein, zumindest sah sich Baumann zuletzt genötigt, eine Lanze für den Trainer zu brechen. Als die Unruhe in Bremen immer größer wurde, erinnerte der Kapitän an die Trainer-Ära von Otto Rehhagel bei Werder: „Mit ihm kam man auch nicht immer unter die ersten Drei.“

Wie ernst die Situation in Bremen ist und welche Stellung Baumann für Schaaf besitzt, ließ sich schon zu Beginn der Saison erkennen. Der Kapitän, dem die Aufgeregtheiten der Branche unangenehm scheinen, wählte den für ihn untypischen Weg in die Öffentlichkeit und kritisierte: „Wir haben ein Einstellungsproblem.“ Baumann stellte seinen Teamkameraden in den Medien an den Pranger, doch Schaaf reagierte angesichts der öffentlichen Schelte nicht ungehalten. „Es ist wichtig, wenn Frank sich und andere in die Pflicht nimmt und Dinge aufzeigt, die verbessert werden müssen“, kommentierte Schaaf.

Viel geholfen hat Baumanns Brandrede nicht. Werder versank weiter im Mittelmaß. Und es gab weitere Undiszipliniertheiten, die dazu führten, dass Baumann sich Anfang des Jahres in der Pflicht sah, zu erklären: „Wir sind kein Sauhaufen.“ Zugleich äußerte er aber auch Kritik: „Es geht darum, dass man dem Zeugwart nicht einfach die Sachen um die Ohren schmeißt oder in der Kabine und im Bus keinen Schweinestall hinterlässt.“

Baumann erklärte zuletzt, dass er noch keine Entscheidung über seine Zukunft getroffen habe. „Alles ist möglich“, sagte er. Gemeint war damit wohl auch, dass er nach dem Ende der sportlichen Karriere bei Werder in anderer Funktion weiterarbeitet. Auch das wäre typisch für Werder.

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