Fröhlich aus Nationalteam verbannt: „Tut sehr weh“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Rauswurf aus dem Basketball-Nationalteam hat Linda Fröhlich schwer getroffen. „Es tut sehr weh. Nach all den Jahren hatte ich gedacht, wir wären eine Familie“, sagte die oft als Dirk Nowitzki des Deutschen Frauen-Basketballs bezeichnete Korbjägerin in einem dpa-Interview.

Die in den USA lebende und für den tschechischen Europaliga-Starter Brünn spielende 29-Jährige war zwei Wochen zuvor mitten in der heißen EM-Qualifikationsphase vom Präsidium des Deutschen Basketball- Bundes (DBB) aus dem Nationalteam verbannt worden.

„Das Schlimmste war, dass ich das Ganze erst über das Internet erfahren habe“, monierte Fröhlich. „Wie unprofessionell, unfreundlich und ganz einfach hinterhältig! Sie hätten mir zumindest eine SMS schicken können, ehe sie das Ganze an die Öffentlichkeit bringen.“ Die Suspendierung erfolgte vor dem entscheidenden Ausscheidungsspiel gegen die Ukraine. In der DBB-Mitteilung hieß es damals, die Profi-Basketballerin habe Anreise-Zusagen nicht eingehalten und man sei nicht gewillt, finanzielle Forderungen zu erfüllen. „Das Geld, das ich 'gefordert' habe, war kein zusätzliches Honorar, sondern Kosten, die durch meine Teilnahme mit der Nationalmannschaft auf mich und meine Familie zugekommen wären“, sagte dagegen Linda Fröhlich.

Während NBA-Profis von ihrem Sport fürstlich leben können, haben es die Frauen schwer. „In der WNBA verdienen wir ein Hundertstel von dem der Männer. Daher müssen wir auch nach Europa kommen“, sagte die Profispielerin und betonte: „Der DBB würde nie Dirk Nowitzki fragen, nicht in der NBA zu spielen, oder versuchen, ihn nach einer solchen Entscheidung in der Öffentlichkeit bloßzustellen und zu verleugnen. Man sollte meine Entscheidung, meiner Familie zu helfen, verstehen und respektieren, und nicht als etwas Skandalöses darstellen.“

Seit 1998 hat Fröhlich 65 mal für Deutschland (Schnitt: 13,28 Punkte) gespielt, gerne wäre sie im Team von Trainer Imre Szittya geblieben. „Für mich war es immer eine große Ehre, mein Land zu repräsentieren.“ Die Probleme mit dem DBB, der sie stets das Gesicht des deutschen Damen-Basketballs nannte, begannen im Sommer 2008. Damals stand Fröhlich vor der Entscheidung, einen lukrativen WNBA-Vertrag in Sacramento abzuschließen oder für Deutschland aufzulaufen.

„Ich wollte natürlich unheimlich gerne für Deutschland spielen, konnte aber nicht so einfach auf mein Einkommen in der WNBA verzichten.“ Daher habe sie angefragt, was der DBB tun könne, um sie zu unterstützen, und dachte dabei an Basketball-Camps oder Marketing-Möglichkeiten. „Der DBB hat zu allem 'Nein' gesagt“. Dann sei sie krank geworden „und das Problem hatte sich erledigt.“ Eine Ohren-Entzündung (Morbus Meniere) legte sie im Sommer lahm. Fünf Monate später war sie wieder fit, unterschrieb einen Drei-Monats-Vertrag in der Slowakei bis zum 17. Dezember. Dort wurde sie bei einer Doping-Kontrolle jedoch positiv getestet auf Hydrochlorothiazide. „Das ist ein Medikament, das mir von meinem US-Arzt verschrieben wurde. Es wird bei Morbus Meniere eingesetzt. Mir war bekannt, dass das Medikament als Maskierungsmittel auf der Anti-Dopingliste steht.“

Gleich bei der Ankunft in der Slowakei gab sie die Medikamenten-Einnahme beim Teamarzt an, es wurde dokumentiert, doch das Schreiben an eine falsche Adresse geschickt. „Als ich dann getestet wurde, lag keine Dokumentation beim Weltverband FIBA vor. Ich wurde gesperrt, aber bei einer Anhörung am 5. Januar 2009 freigesprochen. Der DBB hat mir in dieser Sache sehr geholfen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.“

In der heißen EM-Ausscheidungsphase hätte sie also für Deutschland spielen können. Doch dann kam das Angebot aus Brünn. Ende des Jahres sollte sie dort antreten, doch wegen der EM-Ausscheidung zögerte sie. „Durch das Hinauszögern in der Verhandlungsphase, um das Antreten für den DBB zu ermöglichen, habe ich 75 000 Dollar verloren. Die sind jetzt einfach weg.“ Während der Verhandlungen mit Brünn sei sie mit dem DBB in Kontakt gewesen, habe betont, dass sie wegen des lukrativen Vertrags vielleicht auf die EM-Qualifikation verzichten müsse. „Der DBB-Vorstand hat mir mehrfach gesagt, dass er meine Entscheidung respektieren würden.“

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