FIS-Präsident: „optimistisch für Garmisch“

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Deutsche Presse-Agentur

Bereits vor Ende der 40. alpinen Ski-Weltmeisterschaften im französischen Val d'Isère blickt der Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), Gian Franco Kasper, schon jetzt „optimistisch“ auf die nächsten Titelkämpfe 2011 in Garmisch- Partenkirchen.

Auch zur Kandidatur Münchens für die Winterspiele 2018 bezog das IOC-Mitglied in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa Stellung. „Ich bin natürlich neutral, aber ich möchte es mal so sagen: Die Bewerbung Münchens mit Garmisch ist eine hervorragende Bewerbung und hat sicher eine gute Ausgangslage. Es kann der Kandidatur aber sicher nicht schaden, wenn in Garmisch eine großartige Ski-WM stattfindet“, sagte der Schweizer.

Wie fällt bisher Ihr Fazit zur aktuellen Ski-WM in Val d'Isère aus?

„Sehr positiv. Wir hatten hier relativ wenig Probleme. Probleme hatte wir hier vor zweieinhalb Jahren mit dem totalen Wechsel des Organisationskomitees. Wir waren selber überrascht, wie schnell es in der Vorbereitung dann doch noch gegangen ist - baulich mit dem Pressezentrum und, und, und.“

Was ist aus Ihrer Sicht charakteristisch für diese WM?

„Da sind zunächst die Pisten, die für jeden einzelnen Athleten sehr anstrengend sind. Etwas anderes ist, dass vieles in einer französischen Art und Weise gemacht wird. In Deutschland wäre alles fast militärisch durchorganisiert, hier ist alles ein bisschen lockerer. Und doch hat alles funktioniert. Und was für mich das Positivste war, ist die Anzahl der Zuschauer. Bei der Herren-Abfahrt waren es fast 29 000, das ist mehr als bei Olympischen Spielen. Das ist mehr als nur erstaunlich. Das System mit nur einem Euro Eintritt hat sich bisher ausgezahlt.“

Die nächste WM findet in zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen statt. Was erwarten Sie 2011?

„Sehr viel, wir sind sehr optimistisch für Garmisch. Ich glaube, dass Garmisch die richtigen Leute hat und dass die deutsche Perfektion sich durchsetzen wird. Soweit ich es von allen Seiten höre, sind die Vorbereitungen gut gelaufen, fast alle notwendigen Bauten sind soweit. Und die Test-Events haben gezeigt, dass die Pisten auch sehr anspruchsvoll sind.“

Als Teil der Münchner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele hofft Garmisch 2018 auf noch größere Wettkämpfe. Wie beurteilen Sie als IOC-Mitglied die Münchener Kandidatur?

„Ich bin natürlich neutral, aber ich möchte es mal so sagen: Die Bewerbung Münchens mit Garmisch ist eine hervorragende Bewerbung und hat sicher eine gute Ausgangslage. Es kann der Kandidatur aber sicher nicht schaden, wenn in Garmisch eine großartige Ski-WM stattfindet.“

Was macht für Sie die Stärke der Münchener Bewerbung aus?

„Dass wir dort eine Großstadt haben, die sehr nah an den Ski-Wettbewerben ist. München - Garmisch ist ja wirklich keine Entfernung und es gibt auch die richtigen Verbindungswege, Autobahn etc. Die Stadt München hat auch die ganze Hotelkapazität für Sponsoren, VIP's und so weiter, wie man es für Olympia braucht. Und dazu kommt, dass München die Erfahrung mit den Ski-Wettbewerben in Garmisch und auch mit der Bobbahn in Königssee hat. Da gibt es ja nichts Besseres. Die neuen Schanzen und, und, und. Von daher sind die Voraussetzungen auch auf der sportlich-technischen Ebene wirklich gegeben.“

In Val d'Isère gab es viele Diskussionen über das Wetter und die WM-Pisten. Anfang des Jahres hat die FIS mitten in Moskau einen Slalom auf einer Rampe veranstaltet. Sieht so die Zukunft des Skirennsports aus?

„Nein, das gilt auch für Skihallen. Wenn wir ein bis zweimal im Jahr mit so einem Rampen-Event in Großstädte gehen, ist das sicher gut. Man bringt dann die Athleten zum Volk und hat 40 000 bis 50 000 Zuschauer. Aber wenn der Skisport nicht mehr in der Natur stattfindet mit Sonne, Schnee und blauem Himmel, dann ist er gestorben.“

Sie haben hier gesagt, dass Wintersport wieder billiger werden muss.

„Es ging generell darum, was man für die nächste Generation machen kann. Dabei ist ein kleiner Mosaikstein, dass die Familien dadurch entlastet werden, dass Kinder gratis Skifahren können. Damit macht man den Skisport wieder zu dem, was er ursprünglich ist: Eine Sache für die ganze Familie.“

Ist unter diesem Aspekt das gehobene Preisniveau in Val d'Isère familienunfreundlich?

„Val d'Isère ist natürlich ziemlich teuer. Ich war vor der WM beim Snowboarding in Korea. Da ist ein Hotel so gebaut, dass alle Pisten praktisch direkt ins Hotel gehen. Da sind tausende von Kindern. Die können sich kaum bewegen, so voll sind die Pisten. Das sind junge Familien. Das hat mich fasziniert und darum glaube ich wirklich daran, dass in ein paar Jahren die Asiaten auch im Alpinbereich eine große Rolle spielen werden.“

Interview: Michael Becker und Christian Kunz, dpa

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