Felix und der Slalom: Neureuther will weit weg

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Deutsche Presse-Agentur

Selbst Vater Christian Neureuther mochte nicht mehr hinsehen. Am Pistenrand bekam er auf Skiern hautnah mit, wie sein Sohn Felix wieder einmal ausschied. Nach dem vierten Slalom-K.o. in Serie flüchtete sich der Filius in Galgenhumor.

„Das einzig Positive ist, dass ich nicht eingefädelt bin, sondern einen anderen Fehler gemacht habe. Da muss ich mir nicht so viele Gedanken ums Einfädeln machen“, sagte der 24-Jährige. Beim von dem Italiener Manfred Mölgg gewonnenen Heim-Rennen in Garmisch- Partenkirchen landete die deutsche Nummer 1 auf dem Hosenboden statt auf dem Podest. Danach wollte er von seinem Hausberg einfach nur noch ganz weit weg. „Vielleicht wäre das am Gescheitesten, aber ich weiß nicht, ob ich mich das traue. Am Meer kann man leider nicht Ski fahren, sonst wäre das eine Kombination gewesen“, sagte Neureuther. „Zu verlieren habe ich nichts mehr.“

Neureuther ist ratlos. „Der Slalom ist meine große Liebe, aber manchmal ist er auch ein Luder. Ich hoffe, dass er bald wieder lieb zu mir ist“, sagte der fünfmalige Weltcup-Podestfahrer. Viel hat er versucht, das Herz des Torlaufs zurückzuerobern, um wie im Vorjahr, wieder wie auf Schienen zu fahren und immer ins Ziel zukommen. Bislang alles ohne Erfolg. „Das hätte heute ein wichtiger Aufbruch für die WM werden können. Leider ist es in die Hose gegangen“, sagte der Partenkirchener, der als einziger deutscher Alpin-Herr die Norm für Val d'Isère erfüllt hat. Ohne diese notwendigen Platzierungen lösten der ebenfalls im ersten Lauf ausgeschiedene Stefan Kogler (Schliersee) sowie die Speedfahrer Stephan Keppler (Ebingen), Andreas und Peter Strodl (Partenkirchen) das WM-Ticket.

Die Last auf eine Top-Platzierung liegt aber weiter ganz bei Neureuther, dessen Lauf vor heimischer Fangemeinde nach nicht einmal 35 Sekunden vorzeitig im Schnee endete. „Bei den Herren ist die Medaillenchance etwas weit weg gerückt. Aber sie ist noch da. Es ist ja nicht so, dass Felix nicht Ski fahren kann“, sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier. „Jetzt hat er eine Phase, die richtig knackig ist. Wo er sich als Persönlichkeit beweisen und aufstehen muss.“ Am besten bei der WM - wie ihm auch Olympiasieger Markus Wasmeier riet. „Im richtigen Rennen muss das Ergebnis kommen“, sagte „Wasi“ dem Sonnyboy, der nur in zwei von acht Weltcup-Slaloms der Saison punktete.

Ähnlich unglücklich wie ihr „Felix“ waren auch die Weltcup-Organisatoren in Garmisch-Partenkirchen. Die mit Spannung erhoffte Abfahrts-Premiere auf der neu gestalteten Kandahar fiel dem Nebel zum Opfer. Das nächste Abfahrts-Rennen steht für den Trainingsschnellsten Hermann Maier und seine Konkurrenten bei der WM-Schussfahrt in Val d'Isère am 7. Februar an.

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