FC Bayern mit alten Tugenden zum Sieg

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Deutsche Presse-Agentur

Ökonomisch, effektiv, erfolgreich - nach dem risikoreichen Hurra-Fußball à la Klinsmann hat Bayern München mit einem „Rückgriff“ auf Tugenden der Hitzfeld-Ära seine Souveränität zurückgewonnen.

Zwar verbreitete der Rekordmeister beim 3:0 (1:0) in Bochum keinen Glanz wie bei den Torfestivals gegen Sporting Lissabon (7:1) und Hannover 96 (5:1), gewann durch den dritten Pflichtspielsieg in Serie aber deutlich an Selbstbewusstsein für den Angriff auf Spitzenreiter Hertha BSC. „Es ist wichtig, dass die Berliner den bayrischen Atem spüren. Es wird Zeit, dass sie mal straucheln“, sagte Karl-Heinz Rummenigge zufrieden.

Einziger Wermutstropfen war die Verletzung von Miroslav Klose, der nach einer halben Stunde umknickte und mit einer Fußverletzung vom Platz humpelte. „Da ist was kaputt“, mutmaßte Klose nach dem Unglück in seinem 50. Bundesligaspiel im Bayern-Trikot.

Gleichwohl griff Rummenigge gut gelaunt in die Psychokiste und schickte mit Blick auf die Tabelle unverschlüsselte Drohungen an die Konkurrenz. „Der Druck“ auf die vorn platzierten Clubs werde in den nächsten Wochen zunehmen. „Aber wir können damit umgehen“, betonte der Vorstandsvorsitzende in Anspielung auf die große Erfahrung der Münchner im Meisterkampf.

Auch Trainer Jürgen Klinsmann und Manager Uli Hoeneß genießen sichtlich die Rolle der Hertha-Jäger. Auch wenn der Hauptstadtclub das Vier-Punkte-Polster wahrte, der Tabellen-Zweite will jetzt keine Ruhe mehr geben. „Schauen Sie sich mal das Restprogramm an. Hertha hat noch sechs Auswärtsspiele, wir nur noch vier“, meinte Hoeneß.

Drei Siege in einer Woche, 15 Tore auch ohne die Superstars Franck Ribery und Luca Toni, ins Champions-League-Viertelfinale gestürmt und im Titelkampf weiter auf Tuchfühlung - kein Wunder, dass Klinsmann nach der von ihm zum „Schlüsselspiel“ erklärten Partie sein schönstes Siegerlächeln aufsetzte. Wie weggeblasen scheinen alle Zweifel an seiner umstrittenen Offensiv-Philosophie. „Nach dem Superspiel gegen Lissabon“ habe er das Team „auf den Boden zurückgeholt“, meinte Klinsmann. „Die Mannschaft ist jetzt sehr stabil.“

Häufig in dieser Saison hatte sich der FC Bayern als Mannschaft der Extreme präsentiert, zwischen Genie und Wahnsinn geschwankt. Doch in Bochum spielte er in alter Bayern-Manier sachlich und souverän. Als die stürmische halbe Stunde des VfL, in der Christoph Dabrowski (14.) eine Riesenchance zur Führung verpasste, überstanden war, schlug der Meister eiskalt zu. Zé Roberto (32.) brachte den Titelverteidiger mit dem ersten Schuss auf das VfL-Tor auf Kurs. Und selbst der von Lukas Podolski (49.) leichtfertig verschossene Foulelfmeter konnte die Bayern nicht mehr von diesem abbringen.

Nach der Roten Karte für Innenverteidiger Marc Pfertzel (48.), der den Strafstoß mit einer Notbremse gegen Ernesto Sosa verschuldet hatte, stand der VfL auf verlorenem Posten. Philipp Lahm (60.) und Martin Demichelis (90.) fuhren den Sieg ein. „Wir haben das Spiel nach dem 1:0 kontrolliert. Gegen zehn Mann haben wir uns dann noch leichter getan“, befand Lahm. Er sieht einen Fortschritt, der offenbar mit der Aussprache der Mannschaft nach dem 2:4-Pokal-Debakel in Leverkusen zusammenhängt: „Wir halten den Ball jetzt besser in den eigenen Reihen. So kommt der Gegner zu weniger Chancen.“ Und Klinsmann sagte mit Blick auf den Titelkampf: „Wir haben jetzt das Gefühl, dass wir es aus eigener Kraft schaffen können.“

Bochum blieb nur die Erkenntnis, das die Punkte für den Klassenverbleib gegen Konkurrenten auf Augenhöhe geholt werden müssen. Schon am Freitag geht der Überlebenskampf in Mönchengladbach weiter. Dann kehrt der gesperrte Mergim Mavraj in die Abwehr zurück, aber dafür fehlt Pfertzel. „Wir haben noch zehn Spiele und müssen jetzt in Gladbach die Punkte holen“, sagte Stürmer Stanislav Sestak.

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