FC Bayern München: Uli Hoeneß, Karl Heinz Rummenigge und der Wahnsinn der anderen

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Bayerns Bosse Karl-Heinz Rummenigge (von li.) und Uli Hoeneß, hier mit Trainer Carlo Ancelotti beim Wiesnbesuch, propagieren Tra
Bayerns Bosse Karl-Heinz Rummenigge (von li.) und Uli Hoeneß, hier mit Trainer Carlo Ancelotti beim Wiesnbesuch, propagieren Tradition statt Transferexzesse. (Foto: afp)
Schwäbische Zeitung
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Keine Frage: 41,5 Millionen Euro sind keine 222 Millionen und 100,5 Millionen natürlich auch keine 238 Millionen Euro. Aber immer noch verdammt viel Geld.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meint, dass eine Ablösesumme von 41,5 Millionen Euro – so viel hat der Rekordmeister im Sommer für den international zuvor eher unbekannten Corentin Tolisso an Lyon überwiesen – für einen einzelnen Spieler und Gesamttransferausgaben von 100,5 Millionen Euro in einem Sommer „kaufmännisch seriös“ seien. Komplett lautet Rummenigges Zitat im „kicker“: „Die kaufmännisch seriöse Politik ist die DNA des FC Bayern. Wir wollen bewusst ein wenig anders vorgehen als einige andere Clubs. Wir bleiben bei unserem Weg und werden uns hierbei nicht treiben lassen.“

Seit Wochen schon propagieren Rummenigge und mehr noch Präsident Uli Hoeneß auch öffentlich eine Art „Münchner Weg“, der sich gründlich unterscheide von den vermeintlichen Erfolgsstrategien der Investorenclubs. Ganz nach dem Motto: Der Wahnsinn ist immer der Wahnsinn der anderen. Vor dem Duell am Mittwoch (20.45/ZDF und Sky) in der Champions League gegen Paris Saint-Germain, dem Inbegriff des neureichen Bling-Bling-Clubs, der diesen Sommer 222 Millionen Euro für Angreifer Neymar an Barcelona überwiesen hat und für den anderen neuen Angreifer Kylian Mbappé 180 Millionen an Monaco zahlen wird, sprach Rummenigge darum auch von einem Duell „von zwei unterschiedlichen Club-Philosophien und Kulturen“.

Das Emirat Katar betreibt mit PSG Außenpolitik

Tatsächlich gelten für Paris Saint-Germain, seit 2011 in Besitz des katarischen Staatsfonds Qatar Sports Investments um den ehemaligen Tennisspieler und amtierenden kataischen Minister Nasser al-Khelaifi, spätestens seit diesem Jahr marktwirtschaftliche Gesetze noch weniger als für andere Investorenclubs wie Chelsea (in Besitz des russischen Oligarchen Roman Abrwamowitsch) oder Manchester City (kontrolliert von einer quasi-staatlichen Holding der Herrscherfamilie Abu Dhabis). Die 222 Millionen Euro für Neymar seien „katarische Außenpolitik“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ im Sommer zutreffend. Scheckheftdiplomatie ist keine Erfindung des Emirats, dem die Finanzierung des internationalen Terrorismus vorgeworfen wird und außenpolitisch zusehends isoliert ist. Doch zumindest im Sport beherrscht Katar diese seit Jahren meisterhaft. Stichwort: WM 2022. Stichwort: Ex-FIFA-Vize Mohamed bin Hammam und seine, nun ja, schmierige Rolle bei der Vergabe für die WM 2006 in Deutschland. Stichwort: Der Hamad International Airport in Doha als Ärmelsponsor des FC Bayern, der sich zudem seine Wintertrainingslager vom Emirat bezahlen lässt.

Dass sich die Münchner auf alle Zeiten dem „Transferwahnsinn und den Gehaltsexplosionen“ (Bayern-Präsident Uli Hoeneß) verschließen werden, kann Rummenigge übrigens nicht versprechen. „In Stein gemeißelt sind nur die zehn Gebote. Der Markt ist der Markt, er hat seine eigenen Gesetzte, da gibt es auch für den FC Bayern keine Ausnahme“, sagte er. Er könne „heute nicht seriös voraussagen, welche Beträge wir in Zukunft ausgeben. Aber ich kann sehr wohl voraussagen, dass wir immer seriös wirtschaften und uns niemals in finanzielle Abenteuer stürzen werden.“

„Und dann ist unsere Zeit da“

Hilfreich wäre dafür, wenn die von Uli Hoeneß, ebenfalls im „kicker“, getätigte Prognose sich bewahrheiten sollte. „Es wird der Zeitpunkt kommen, wo alle, die jetzt so viel Geld rausdonnern, kleinere Brötchen backen werden, weil der sportliche Erfolg sich nicht so einstellt, wie es sich die Geldgeber vorgestellt haben“, sagte er. Weil immer nur eine Mannschaft die Champions League gewinnen könne, „werden die Geldgeber irgendwann sagen: ,Jetzt haben wir so viel Geld reingesteckt und erreichen nicht, was wir erreichen wollen, jetzt haben wir die Schnauze voll!’“, glaubt Hoeneß: „Und dann ist unsere Zeit da.“

Bis dahin wollen sie bei Bayern weiter ihre Ballade vom „Münchner Weg“ singen und sich nur so weit von den Exzessen treiben lassen, wie man sich eben treiben lassen möchte. Man werfe dem FC Bayern vor, damit „völlig am Markt vorbei und damit dem Untergang entgegenzusteuern“, so Hoeneß im „kicker“ weiter. „Stattdessen müssten uns Lobeshymnen gesungen werden, weil wir mit unserer eigenen Arbeit und aus eigener Kraft erfolgreich sind.“

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