FC Bayern aus der Champions League ausgeschieden: Gescheitert am Selbstverständnis der Reds

Lesedauer: 6 Min
  Der entscheidende Moment: Virgil van Dijk (2. v. re.) steigt höher als Mats Hummels (re.) und trifft.
Der entscheidende Moment: Virgil van Dijk (2. v. re.) steigt höher als Mats Hummels (re.) und trifft. (Foto: dpa)
Ressortleiter Sport

Ein langer, aber umso präziserer Ball von Virgil van Dijk – dieser Abwehrkante mit Füßen aus Samt – auf Sadio Mané, der Manuel Neuer düpiert zurücklässt. 1:0. Ein präziser Eckball von James Milner auf Virgil van Dijks Kopf – dieser Abwehrkante mit filigranem Zöpfchen. 2:1. Eine herrliche Flanke von Mo Salah auf Sadio Mané, diesem zweiten Alleskönner. 3:1: Sich erleichtert umarmende und applaudierende Liverpooler – Jürgen Klopp mittendrin, und auf dem Rasen sitzende Bayern.

So endet sie also, die diesjährige Kampagne der deutschen Vertreter in der Champions League. Nach Borussia Dortmund (gegen ein Tottenham Hotspur mit etwas mehr Glück) und Schalke (gedemütigt durch Pep Guardiolas Manchester City), ist also auch das europäische Abenteuer FC Bayern München gegen eine englische Mannschaft zu Ende gegangen. Der Traum vom Henkelpott ist im Achtelfinale zerschellt an Jürgen Klopps FC Liverpool und seinem überragenden Abwehrchef Virgil van Dijk und seinem nicht minder genialen Außenstürmer Sadio Mané.

„Wir sind heute schwer in unseren Fußball reingekommen. Das 2:1 nach dem Standard hat bei uns dann den Glauben rausgenommen und dann war Liverpool die bessere Mannschaft“, sagte Mats Hummels.

Wie eigentlich vor dem Spiel allgemein erwartet worden war, entschied sich das Schicksal des deutschen Meisters in dieser kalten Münchner Nacht schon recht früh auf der rechten Bayernseite. Die Frage war gewesen: Wie würde Rechtsverteidiger Rafinha, Ersatz des gelbgesperrten und weit schnelleren Bösingers Joshua Kimmich, mit dem quirligen und technisch hochveranlagten Dribbler Sadio Mané zurecht kommen? Die Frage war auch gewesen: Wie würde sich davor Serge Gnabry in seinem vielleicht größten Spiel seiner bisherigen Karriere schlagen? Um es vorweg zu nehmen: Gnabry, dessen Vertrag soeben erst langfristig verlängert wurde, machte ein gutes Spiel, war ständiger und engagierter Unruheherd und an so gut wie allen Münchner Offensivaktionen beteiligt.

Und Rafinha? Spielte auch nicht unbedingt übel, war auch nicht der Hauptverantwortliche am 0:1 in der 26. Minute, machte da aber auch nicht die beste Figur. Als van Dijk (der mit den Füßen aus Samt) eine langen Ball auf Mané spielte, stand Bayerns Verteidiger ungünstig, dass Mané den Ball aber in einer fließenden Bewegung aus der Luft annahm, dann einen Haken schlug und den nach vorne geeilten Manuel Neuer in dessen 100. Champions-League-Spiel wie einen dieser außerhalb ihres natürlichen Habitats Fünfmeterraum stets etwas hüftsteifen Torhüter aus den 1980ern aussehen ließ: Da konnte Rafinha nichts dafür.

Mané setzt den Schlusspunkt

Durch das 0:1 war klar: Bayern würde mindestens zwei Tore benötigen, um weiterzukommen. Doch wer gegen diese Liverpooler zwei Tore schießen wollte, der musste … Serge Gnabry in seinen Reihen haben – oder auf die Hilfe eines Ex-Schalkers bauen. Joel Matip, deutsch-kamerunischer Verteidiger in Liverpools Diensten, verwertete beim Versuch, Robert Lewandoski am Schuss zu hindern, eine scharfe Hereingabe Gnabrys zum 1:1 (39.). Die Hoffnung lebte wieder auf Seiten der Münchner, auch weil sie bis dahin die Kontrolle über das Spiel gehabt hatten und weil sie in manchen Situationen im Gegenpressing einen Jagdfußball betrieben, den man ja eigentlich von Klopps Mannschaften erwartet. Hummels – zugegeben, ein Klopp-Schüler – grätschte schon mal an der Mittellinie, Javi Martínez schien stets bereit, es mit zwei Gegnern aufzunehmen, selbst James und Gnabry störten die Liverpooler schon weit in deren Hälfte. Einzig Franck Ribéry fiel bei den Münchnern ab, der konnte zwar, weil oft nicht gedeckt, agieren, wie er wollte – dribbelte sich aber zumeist auch unbedrängt fest.

Mit 1:1 ging es in die Pause, noch schien alles drin für beide. Liverpool wirkte etwas gefährlicher, die Münchner, gestärkt durch die Aufholjagd in der Bundesliga, hatten die Köpfe oben – und rutschten in Gestalt von Lewandowski nach Gnabrys Hereingabe nur knapp am 2:1 vorbei. Doch die Liverpooler hatten am Ende das größere Selbstverständnis und die breitere Brust. Acht Minuten später traf van Dijk per Kopf. In der 84. Minute setzte Mané, der zweite überragende Liverpooler, nach einer herrlichen Flanke Mo Salahs den Schlusspunkt. Per Kopf. Was van Dijk kann, kann Sadio Mané schon lange.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen