Fastenzeit beim BVB - Watzke: „Wird schwieriger“

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Deutsche Presse-Agentur

Unerfreuliche Geschäftszahlen, dürftige Rückrunden-Bilanz, eingeengter finanzieller Spielraum - bei Borussia Dortmund herrscht Fastenzeit.

Auf dem avisierten Weg zurück in die nationale Spitze muss sich der Fußball-Revierclub mit bescheideneren Mitteln begnügen. Mindereinnahmen im TV-Bereich und erste Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise zwingen den Champions- League-Sieger von 1997 zu einer Verringerung der Kosten für den Profikader. Dennoch wähnt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den BVB im Aufwind: „Ich bin sicherer denn je, dass wir wieder in höhere Tabellen-Regionen vorstoßen“, sagt er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Dieser Optimismus verblüfft. Schließlich verheißen viele Parameter wenig Gutes. 3,5 Millionen Euro betrug das Ende Februar verkündete Halbjahres-Minus. Der frühe Knockout im UEFA-Cup und das Verfehlen der Sponsoring-Planzahlen bescherten dem Club einen unerwarteten Einnahmeverlust von rund sechs Millionen Euro. Nicht zuletzt deshalb trennte sich der BVB in der Winterpause von gleich sieben Profis. Zudem könnten schon bald weitere kleinere Geldströme versiegen: „Es wird schwieriger, Banden zu vermarkten oder Spieltags-bezogene Events mit Firmen zu veranstalten“, bekannte Watzke.

Und doch ruht die Borussia momentan in sich selbst. Anders als beim punktgleichen Erzrivalen FC Schalke, der seit Tagen mit unliebsamen Schlagzeilen von sich Reden macht, regt sich in Dortmund kaum Kritik. Seit der Beinahe-Insolvenz im Jahr 2005 sind alle Beteiligten bescheidener geworden. Immerhin muss der BVB mittlerweile nicht mehr um die Lizenz bangen. Gut eine Woche nach der Abgabe der Unterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) sieht Watzke keine Probleme: „Nicht im Ansatz. Ich erwarte eine Lizenz ohne Auflage und Bedingung.“

Charakteristisch für die derzeit ruhige Stimmung waren die jüngsten Vertragsgespräche mit Trainer Jürgen Klopp. Obwohl die Mannschaft in zuvor acht Pflichtspielen sieglos geblieben war, wurde die ursprünglich bis 2010 festgeschriebene Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer vor knapp zwei Wochen bis 2012 verlängert. Für diese branchenunübliche Maßnahme bekam der BVB-Geschäftsführer von den Fans sogar Applaus: „Uns hat in den letzten Jahren immer ein Mosaikstein gefehlt. Ein Trainer, der wie das Tüpfelchen auf dem i zu uns passt. Den haben wir“, kommentierte Watzke.

Auf den Zukauf namhafter Stars kann der Coach beim Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft jedoch nicht setzen. Im Gegenteil: Die Kosten für den Profikader sollen von 35 auf 30 Millionen Euro sinken. Am Ende dieser Saison wird nur die durch Verkäufe eingenommene Summe investiert. Vor diesem Hintergrund macht Watzke deutlich, was er von Klopp erwartet: „Man muss nicht immer nach neuen Spielern schreien. Wenn ich einige junge, hungrige Spieler im Kader habe, muss es mein Anspruch sein, sie weiter zu verbessern.“ Den anhaltenden Gerüchten über einen Verkauf von Torjäger Alexander Frei trat der BVB-Geschäftsführer entgegen: „Ich habe nicht den Eindruck, dass er sich bei Borussia unwohl fühlt. Er genießt bei uns eine hohe Wertschätzung.“

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