F1-Boss Ecclestone: „Mister Vettel ist super“

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Deutsche Presse-Agentur

Bernie Ecclestone setzt für die kommende Formel-1-Weltmeisterschaft „große Hoffnungen“ auf den deutschen Werks-Rennstall BMW-Sauber. Dies sagte der 78-jährige Brite in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in London.

Der Rechte- Mitinhaber schwärmte außerdem von Sebastian Vettel und wünscht sich den deutschen Hoffnungsträger in einem McLaren-Mercedes oder einem Ferrari. Ecclestone erklärte auch, dass der Rückzug Hondas seiner Meinung nach durch die sportlich enttäuschende Leistung des vergangenen Jahres erfolgte und befürwortete auch einen möglichen Einsatz von drei Autos pro Team.

Herr Ecclestone, sie sind nunmehr seit über 50 Jahren im Formel-1- Geschäft. Was würden Sie als Ihren größten Beitrag bezeichnen?

„Ich war dabei, als es mehr oder weniger noch eine netter Amateursport war, mit einigen netten Menschen, Mister (Enzo) Ferrari, Colin Chapman. Ich habe die ganzen Fortschritte miterlebt. Ich habe viel geändert, weil es geändert werden musste. Ich denke, mein größter Beitrag war es, in die Übertragungsrechte für das Fernsehen einzusteigen. Wir haben einige Stufen durchlebt. Wir hatten eine Kamera an Bord der Autos, bevor jemand anderes an sogenannte 'Onboard-Kameras' dachte. Ich habe so viele Sachen gemacht, damit die Rennen heute laufen. Wir haben Flaggen abgeschafft und dafür die Startampeln eingeführt. So vieles ist passiert, kleine, aber wichtige Sachen.“

Sie betonten, dass einige nette Menschen bei ihrem Start dabei waren. Sind die Leute in der Formel 1 heute anders?

„Es sind andere Leute heute. Mister Ferrari war ein 'Entrepreneur'. Dasselbe gibt für Colin Chapman, ein super Fahrer, Ingenieur, Designer und Business-Mann. Es war damals ein ganz anderes 'Set-up'.“

Was erwarten Sie denn von der kommenden Meisterschaft?

„Wenn für alle die gleichen Regeln gelten, und das tun sie, dann liegt es an den Teams und den Piloten, besser zu werden oder nicht. Ich setze große Hoffnungen in BMW. Sie sollten gut sein. Ich denke, dass wir eine feine Saison haben werden.“

Rechnen Sie wieder mit einem Jahr, in dem zwei Teams, Ferrari und McLaren-Mercedes um den Titel fahren werden, dahinter BMW-Sauber oder gehen Sie eher von einer neuen Konstellation, vielleicht sogar neuen Hierarchie aus?

„Ich hoffe, dass es eine neue geben wird. Wenn Sie sich zum Beispiel das vergangene Jahr anschauen - niemand dachte an Toro Rosso und sie haben einige richtige gute Leistungen gezeigt. Und: Mister Vettel ist super.“

Das wäre die nächste Frage. Was denken Sie über Sebastian Vettel?

„Ein neuer Weltmeister.“

Glauben Sie, dass sein Wechsel von Toro Rosso zu Red Bull eher ein Nachteil ist, ein Rückschritt, zumal er Toro Rosso selbst mit aufgebaut und in Monza seinen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert hat?

„Nein, ich meine, im vergangenen Jahr ist es einfach gut gelaufen mit Toro Rosso. Der Motor war ein anderer als im Jahr davor. Ich würde ihn (Vettel) gern in einem McLaren mit Hamilton sehen. Oder in einem Ferrari mit Massa.“

Oder mit Fernando Alonso...

„Yeah, yeah. Was ich meine ist, dass ich ihn gern in einem leistungsstarken Auto sehen würde. Ich hoffe auch, dass Renault stärker sein wird in diesem als im vergangenen Jahr, auch wenn sie damals schon eine starke zweite Hälfte hatten.“

Die Formel 1 braucht also gute deutsche Fahrer?

„Ja, immer. Wir brauchen gute deutsche Fahrer, wir brauchen auch gute französische Fahrer und so weiter. Wir müssen weiterhin über die Grenzen hinaus denken.“

Fehlt der Formel 1 ein Fahrer mit Superstar-Charakter, eine Ikone, wie einst zum Beispiel Ayrton Senna - oder hat Lewis Hamilton bereits einen ähnlich großen Namen?

„Hamilton ist ein enormer Name - weltweit, nicht wahr. Eine unglaubliche Reichweite.“

Es wurden ja bereits reichlich Maßnahmen ergriffen, um die Kosten in der Formel 1 drastisch zu senken. Was kann noch gemacht werden?

„Wenn die Kosten nicht mehr so hoch sind, könnten wir den Teams ja auch weniger zahlen - wenn sie zustimmen würden. Wir würden das nicht tun, da wir eine Übereinkunft haben, aber vielleicht würden sie ja weniger nehmen.“

Aber die Teams haben doch betont, dass sie mehr Geld haben wollen. Können Sie das nachvollziehen?

„Sie wollten mehr Geld, weil die Kosten so hoch waren, aber nun sind die Kosten dramatisch zurückgegangen.“

Und die gesenkten Kosten machen es einfacher für private Investoren. Wie wichtig sind Dietrich Mateschitz, dem mit Red Bull und Toro Rosso gleich zwei Rennställe gehören, und Vijay Mallya von Force India?

„Gut, super, super.“

Aber was passiert, wenn Mateschitz sagt, ich kann keine zwei Teams unterhalten?

„Dann würde er nur noch eins unterhalten. Das ist seine Sache.“

Wie wichtig sind diese Teams aber für das Gleichgewicht in der Formel 1?

„Es ist besser, 20 Autos in der Startaufstellung zu haben. Ob sie in den Händen von Herstellern sind oder in privaten, das macht keinen Unterschied.“

Sie sprachen gerade von 20 Autos auf dem Grid. FIA-Präsident Max Mosley hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es für die Wettbewerbsfähigkeit der Formel 1 gefährlich werden könnte, wenn mal nur noch 14 Wagen gemeldet wären. Stimmen Sie dem zu?

„Jedes Team könnte ja auch drei Autos ins Rennen schicken. Das ist auch das, was passieren wird. Wenn die Hersteller andere Rennställe mit Motoren versorgen, können sie auch selbst drei Autos ins Rennen schicken.“

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hat auch schon vorgeschlagen, dass man drei Wagen pro Team haben könnte...

„Er hat Recht. Wenn Theissen ein anderes Team mit Motoren versorgen würde, hätte er offensichtlich auch die Kontrolle darüber. Da kann man auch selbst drei Autos aufbieten.“

Was halten Sie eigentlich von einer Gehaltsobergrenze bei den Piloten?

„Wenn jeder das möchte, kann man es machen, nehme ich an.“

Aber macht es denn aus ihrer Sicht auch Sinn?

„Die Teams entscheiden, was sie zahlen. Sie geben ihr eigenes Geld aus und sie wissen, was sie sich leisten können. Ich versuche, die Kosten zu reduzieren, um wettbewerbsfähig zu sein. Es ist Sache der Teams, ob sie zum Beispiel größere Motorhomes bauen. Wir sollten ihnen nicht sagen, wieviel sie ausgeben sollten. Wir sollten dafür sorgen, dass sie nicht viel ausgeben müssen.“

Die Teams haben ja allesamt auch schon auf spektakuläre Präsentationen verzichtet. Ist das auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Kostenreduzierung?

„Dafür müsste man herauskriegen, wieviel sie (Teams) für ihre Präsentationen bislang von ihrem Budget ausgegeben haben. In vielen Fällen stehen Sponsoren dahinter, weil es eine gute Publicity ist. Die Leute wollen nicht dastehen, als würden sie Geld umsonst ausgeben. Es gibt noch eine Menge sehr reichen Leute auf der Welt heutzutage. Sie geben aber kein Geld aus, weil sie denken, es ist nicht gut dabei gesehen zu werden.“

Rechnen Sie mit einer Lösung für das Honda-Team, nachdem sich der japanische Autohersteller zurückgezogen hat, so dass in der kommenden Saison wieder 20 Autos auf dem Grid stehen?

„Das denke ich. Ich denke, dass das passieren wird.“

Aber befürchten Sie denn, dass andere Hersteller dem Beispiel von Honda folgen könnten?

„Um ehrlich zu sein, war ich überrascht, dass Honda sich zurückgezogen hat. Denn ich denke nicht ernsthaft, dass für sie eine große Notwendigkeit bestand zu gehen, außer Platz neun in der vergangenen Saison, der nicht besonders gut für sie war. Und sie haben viel, viel, viel mehr ausgegeben als erforderlich war. Ich denke, dass ihre Entscheidung mehr als alles andere auf ihrer Leistung beruhte. Und sie haben diese ganze Finanzkrise als Entschuldigung genommen.“

Was ist mit dem anderen japanischen Hersteller Toyota?

„Toyota scheint glücklich im Moment und ich hoffe, dass sie gut sein werden.“

Das hoffen die deutschen Fans auch von Toyota-Pilot Timo Glock. Er hat im vergangenen Jahr eine gute erste komplette Saison in der Formel 1 gehabt, meinen Sie nicht auch?

„Absolut.“

Interview: Jens Marx, dpa

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