Explosive Stimmung auf Schalke - Buhmann Müller

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der VfL Bochum feierte den Derbysieg über den großen Nachbarn wie einen Titel, bei Schalke 04 dagegen brodelt es gefährlich. Als Trainer Fred Rutten nach der bitteren 1:2-Pleite im rewirpower-Stadion den Mannschaftsbus besteigen wollte, flogen Bierbecher.

Die frustrierten Fans machten ihrem Ärger mit Schmährufen Luft. Neben dem niederländischen Coach gerät vor allem Manager Andreas Müller, der für die verfehlte Einkaufspolitik verantwortlich gemacht wird, immer stärker in Bedrängnis. „Es wird keine personellen Konsequenzen geben. Der Trainer steht nicht zur Disposition“, stellte Geschäftsführer Peter Peters klar und schloss damit Ruttens Entlassung aus.

Für die Zukunft seines Vorstandskollegen Müller aber mochte Peters offenbar keine solche Garantie abgeben. Er äußerte sich vorsichtig und zurückhaltend. Über den Coach zu befinden, sei Sache des Vorstandes, in Bezug auf Müller sagte Peters nur: „Wir stehen im Vorstand loyal zueinander.“ Den Unmut der Anhänger, die während des Spiels „Müller raus“ brüllten, kann Peters nachvollziehen. „Ich kann die Emotionen verstehen. Wir sind auch enttäuscht.“

Derlei Aussagen bieten viel Interpretationsspielraum. Entweder kann Peters nicht genau einschätzen, ob der mächtige Aufsichtsrat womöglich schon bald die Reißleine zieht und Müller, der sich seit einer Woche öffentlich nicht mehr äußert und auch nach dem Spiel nicht zu sprechen war, als Verantwortlichen und „Sündenbock“ von seinen Aufgaben entbindet. Oder Peters wollte der drohenden Entscheidung des Gremiums schlicht nicht vorgreifen. Ein klares Bekenntnis zu Müller gab es auch vom Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nicht. „Ich bin weder mit dem Verlauf der Saison, noch mit dem Spiel in Bochum zufrieden“, ließ Tönnies über den Club lediglich verbreiten. „Wir treffen jedoch keine Entscheidungen aus der Hüfte heraus.“

Sollte sich die Elf, die wie vor zwei Jahren die Partie beim VfL zunächst kontrollierte, aber nach einer 1:0-Führung noch mit 1:2 unterlag, im „großen Derby“ gegen Borussia Dortmund ähnlich desolat und erfolglos präsentieren, könnten alle Dämme brechen. Die Stimmung auf Schalke ist hoch explosiv. Einen weiteren Fehltritt würden die Fans nicht verzeihen. Da nützt es auch wenig, wenn Rutten zu Recht feststellt. „An unserer Art des Fußballs hat sich etwas verändert.“ Besser und vor allem erfolgreicher als in der Vorsaison ist er nicht. Deutliche Worte fand Kevin Kuranyi, der sich nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen mit dem Führungstor (18.) zurückmeldete: „Vielleicht fehlt die Qualität.“ Zudem boten Rafinha und Jefferson Farfan mit unfairen Attacken gegen Stanislav Sestak und Daniel Imhof einmal mehr Angriffsfläche für Kritik.

Dem wie Schalke ohne etatmäßige Innenverteidigung angetretenen VfL genügte eine kämpferisch überzeugende Leistung, um die Knappen nach dem frühen Rückstand niederzuringen. Der Ex-Schalker Mimoun Azaouagh (44.) mit einem feinen Fernschuss und Christoph Dabrowski (57.) bescherten den Bochumern, die im Gegensatz zu den Schalkern wie eine verschworene Einheit auftraten, den dritten Saisonsieg und eine kleine Atempause im Abstiegskampf. „Angesichts unserer personellen Probleme hat die Elf das hervorragend gemacht“, lobte Trainer Marcel Koller. Sportvorstand Thomas Ernst stellte zufrieden fest: „Das tut den Jungs richtig gut. Wichtig war, dass die Elf ein Lebenszeichen von sich gegeben hat. Aber es wird bis zum letzten Spieltag gehen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen