Euroleague-Basketball in Corona-Zeiten: „Herausforderung“

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Marko Pesic
Marko Pesic ist der Geschäftsführer der Bayern-Basketballer. (Foto: Matthias Balk / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Lars Reinefeld und Florian Lütticke und Martin Moravec

Der deutsche Meister Alba Berlin und die Basketballer von Bayern München stehen vor der ungewöhnlichsten Euroleague-Saison ihrer Geschichte.

Bevor die beiden deutschen Topclubs in dieser Woche in die Königsklasse starten, stehen nicht die sportlichen Fragen nach Favoriten oder Zielen im Vordergrund. Die wirklich große Frage lautet: Wie soll eine internationale Saison mit 18 Teams aus ganz Europa inmitten der Coronavirus-Pandemie funktionieren? Schließlich steigen die Corona-Zahlen in fast allen Ländern wieder an, vergeht fast kein Tag, an dem das Auswärtige Amt nicht neue Reisewarnungen ausspricht.

Alle Beteiligten stellen sich daher auch auf eine komplizierte Spielzeit ein. „Es wird eine sehr große Herausforderung sein“, befand Bayern Münchens Geschäftsführer Marko Pesic am Mittwoch vor dem Pflichtspielstart an diesem Freitag (20.30 Uhr/Magentasport) gegen das italienische Spitzenteam Olimpia Mailand. Alba Berlin startet bereits an diesem Donnerstag (20.05 Uhr/Magentasport) bei Maccabi Tel Aviv im Corona-Hotspot Israel in die Vorrunde mit je 17 Heim- und Auswärtsspielen.

Pesic unterstrich, dass der Kontakt mit den Behörden exzellent sei. Insbesondere der Austausch der Vereine untereinander in der Bundesliga und international sei „sehr, sehr respektvoll, sehr, sehr hilfsbereit“. Die Bayern treten nach dem Euroleague-Auftakt gegen Mailand anschließend am 9. Oktober bei Alba Berlin an. Bis dahin also alles kein Problem.

Doch danach geht es innerhalb von fünf Tagen nach Tel Aviv und Istanbul, beides vom Auswärtigen Amt eingestufte Risikogebiete, und dann weiter nach Weißenfels zum BBL-Pokal gegen medi Bayreuth. Ob das mit Flügen und Coronatests wirklich alles klappt, steht in den Sternen. „Als Organisation sind wir aber bereit, uns jeglicher Situation zu stellen“, sagte Bayern-Sportdirektor Daniele Baiesi.

Auch bei Alba stellen sie sich den außergewöhnlichen Umständen, gehen aber mit großem Respekt in die kommenden Wochen und Monate. „Das wird mit Abstand die größte Herausforderung, der wir gegenüberstanden. Man kann zurzeit gar nichts planen“, sagte Alba-Manager Marco Baldi.

Die Corona-Pandemie verhindert eine solide Saisonplanung. „Das ist sehr zermürbend. Man ist gewohnt Dinge vorausschauend zu planen, aber das ist im Moment schlichtweg nicht möglich“, sagte der erfahrene Funktionär. Der Manager setzt deshalb auf Flexibilität. „Man muss sich auf viele Szenarien vorbereiten“, sagte er. Denn Verordnungen und Regeln können sich täglich ändern. Auch mit möglichen Quarantänen nach Reisen ist zu rechnen. So sieht Kapitän Niels Giffey die Reise nach Tel Aviv - wo gerade ein Lockdown herrscht ­ skeptisch. „Das ist schon verrückt, dass wir zu diesem Zeitpunkt dahin müssen. Das hätte besser laufen können.“

Auch welche Kosten auf die Clubs zu kommen ist noch unklar. Für den Flug ins Corona-Risikogebiet Israel musste extra ein Flieger gechartert werden. „Das sind natürlich Zusatzkosten und wir wissen nicht, wie oft das diese Saison noch passiert“, erklärte Baldi. Und dann ist da noch die Frage nach Zuschauern bei den Heimspielen. Die Bayern dürfen am Freitag gegen Mailand keine Fans im Audi Dome begrüßen. Wie es eine Woche später in Berlin bei Alba gegen Bayern aussieht ist noch unklar.

Auch die Verantwortlichen der Euroleague wissen um die bevorstehenden Risiken und Herausforderungen. Nachdem schon die vergangene Saison wegen Corona ohne Champion abgebrochen werden musste, sind die finanziellen Zwänge für die Bosse um den Spanier Jordi Bertomeu aber groß. „Wir haben einen Plan B, aber wir ziehen unseren Plan A vor“, hieß es aus der Liga-Zentrale in Barcelona.

© dpa-infocom, dpa:200930-99-769936/4

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