Erster Befreiungsschlag für den VfB Stuttgart

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Der Stuttgarter Timo Baumgartl (2.v.l.) jubelt mit seinen Kollegen über seinen Treffer zum 0:1. (Foto: dpa)

Die Jubelschreie der Trainer und Betreuer drangen bis weit auf die Tribüne. Endlich! So las man es aus den Gesichtern, endlich ist es geglückt; steht nach dem 2:0 (0:0) beim 1. FC Nürnberg der erste Erfolg für Trainer Markus Weinzierl in der vierten Partie und ein ganz wichtiger Punktgewinn im Kampf um den Klassenerhalt, auch wenn sich an der Tabellensituation nichts geändert hat.

Dabei hätte es so vieles sein können, an diesem Samstagnachmittag im Nürnberger Max-Morlock-Stadion. Der nächste tiefe Dolchstoß oder auch eine Nullnummer, die sich lange angedeutet hatte - doch wurde es keines davon. Stattdessen: Ein Sieg, aber auch ein bis zum Führungstor nicht wirklich überzeugender Auftritt einer Mannschaft des VfB Stuttgart. Doch zumindest war eine Leistungssteigerung klar erkennbar, Wille und Auftreten in Ansätzen stimmten - doch hieß der Gegner auch immernoch 1. FC Nürnberg.

Doch all das ist nun Makulatur, alles was zählt sind die drei Punkte und damit ein Erfolgserlebnis, das gerade dieser Tage weit mehr als das ist. Es sind drei Punkte, könnte aber auch der mentale Schalter gewesen sein, nach dem die Schwaben schon die ganze Saison suchen.

Der Stuttgarter Trainer Markus Weinzierl gestikuliert am Spielfeldrand. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Dabei ging das Team des zuvor leicht angezählten Trainer Michael Weinzierl durchaus engagiert in die Partie. Mit Marc-Oliver Kempf als Linksaußen stand die Abwehr mit Benjamin Pavard, Timo Baumgartl und Andreas Beck recht stabil. Allein nach vorn ging wieder einmal nicht allzu viel. Der Fernschuss von Christian Gentner in der 6. Minute sowie eine Chance von Mario Gomez, der beinahe freistehend vor dem Kasten von Torwart Christian Mathenia verzog (39.) waren da schon die Höhepunkte an Stuttgarter Offensivaktionen in der ersten Hälfte.

Und die Clubberer? Kamen durch Adam Zrelak (22.) und Virgil Misidjan (54.) zu gefährliche Aktionen, konzentrierten sich ansonsten aber eher auf das Reagieren statt das Agieren. Doch dann nahm die Partie ab der 55. Minute durchaus Fahrt auf. Der VfB zeigte nun noch mehr Drang nach vorne, kam durch Gomez (57.) zu guten Aktionen und dann endlich auch zu einem Erfolg.

68 Minuten waren gespielt, Dennis Aogo flankt eine Ecke von der linken Seite nach innen. Der Ball wird rausgeköpft, doch direkt vor die Füße von Baumgartl, der kurz hinter der Sechzehnerkante mit links abzieht und dann Ball hinter Mathenia versenkt. Drin. Führung. Und war es nicht nur das erste Tor unter Weinzierl, sondern auch der erste Schuss in diesem Spiel, der direkt auf das FCN-Tor flog. Egal. Als Erik Thommy in der 82. Minute noch erhöhte, brachen endgültig alle Dämme, war die Erleichterung beinahe zu greifen.

Der Stuttgarter Erik Thommy jubelt über seinen Treffer zum 0:2. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Dabei konnte der Wille der Mannschaft von Weinzierl schon zuvor nicht abgesprochen werden. Früh angreifen, aggressiver in die Zweikämpfe, alles Attribute, die auf den VfB zutrafen. Man könnte uneingeschränkt von einem anderen Gesicht als gegen Dortmund, Hoffenheim und Frankfurt sprechen, allein bleibt die Frage, ob der 1. FC Nürnberg wirklich diese Saison ein Gradmesser für die mit hohen Ambitionen in die Saison gestarteten Stuttgartern sein kann, die sich im Abstiegskampf befinden. Die Antwort nach der Partie ist eindeutig: Ja, muss er.

Eine Partie auf Augenhöhe war es bis zum Führungstor, in der Abstimmungsprobleme und Zufälle mehr Raum einnahmen als wirklich durchdachte Spielkombinationen. Lange Bälle in den Strafraum, Adressat Mario Gomez, ist anscheinend das Mittel der Wahrheit, das Weinzierl als Weg aus der Krise zu präferieren scheint. Ob dem Trainer nicht mehr einfällt oder mit dem aktuell angeknacksten Selbstbewusstsein mehr nicht möglich ist, bleibt einmal dahingestellt. Immerhin heißt die Devise gerade: Ergebnisse und Punkte einfahren - egal wie. Dass als Torschützen dann andere Akteure glänzten - geschenkt.

Trotz des Sieges blieb der VfB auch dieser Tage ideenlos. Dass es dennoch zum Sieg reichte, kann nicht vollends über die gezeigte Leistung hinwegtäuschen. Doch ist diese nach den jüngsten Nackenschlägen auch nicht wirklich anders zu erwarten gewesen. Und auch wenn die VfB-Fans ihr „Oh wie ist das schön“ anstimmten, bleibt das Motto nach dem Spiel das selbe wie davor, auch weil der VfB weiter auf dem letzten Tabellenplatz steht: Arbeiten, auf Ergebnisse und Punkte hoffen und noch mehr Selbstvertrauen bekommen - der Anfang ist gemacht.

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