Ermittlungen in THW-Affäre haben „Auslandsbezug“

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt in der angeblichen Manipulationsaffäre rund um den Handball-Bundesligisten THW Kiel auch im Ausland.

„Es lässt sich nicht verhehlen, dass es in dieser Sache einen Auslandsbezug gibt“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll die Behörde Rechtshilfeersuchen nach Polen und Kroatien gestellt haben. Außerdem soll es Durchsuchungen im Bundesgebiet gegeben haben.

„Zu Einzelheiten kann ich keine Stellung nehmen“, sagte Wick, „aber die Länder, um die es geht, liegen auf der Hand“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kiels Manager Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den früheren THW-Coach Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. Beide bestreiten die Vorwürfe einer angeblichen Manipulation von Champions- League-Spielen. Serdarusic hat nach Aussage seines Verteidigers noch keine Akteneinsicht erhalten. „Nach der Akteneinsicht wird es eine Aussage geben“, sagte dessen Anwalt Erich Samson am Samstag. Noch habe er aber nicht mit der Staatsanwaltschaft in Kiel gesprochen.

Bundesweite Razzien wollte Wick nicht bestätigen. „Wir gehen allen Zeugen- und Sachhinweisen nach. Um zu Ergebnissen zu kommen, intensivieren wir unsere Ermittlungen“, sagte Wick, der von einem „großen Zeitdruck“ bei der Aufklärung sprach.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von „dubiosen Überweisungen und auffälligen Bargeldabhebungen“. Nach Informationen des Magazins soll ein kroatischer Geschäftsmann Ende April 2007, nur wenige Tage vor dem Finalspiel des THW gegen die SG Flensburg-Handewitt, eine Überweisung aus Kiel in Höhe von gut 56 000 Euro erhalten haben.

Mitte Juni soll der THW noch einmal knapp 36 000 Euro auf das Konto des Mannes in Zagreb überwiesen haben - insgesamt rund 92 000 Euro. Laut „Spiegel“ soll die Kieler Staatsanwaltschaft dem Verdacht nachgehen, ob der Kroate die Gelder weitergeleitet hat, um Schiedsrichter zu bestechen. Dabei soll es sich nicht nur um das Finale gegen Flensburg, sondern auch um die Halbfinal-Begegnung gegen den spanischen Club Portland San Antonio gehandelt haben. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ habe der Geschäftsmann, der ein enger Freund Serdarusic' sein soll, die Vorwürfe bestritten. „Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass an den Vorwürfen nichts dran ist“, sagte er.

Nach „Spiegel“-Informationen sollen sich zudem in den Bankunterlagen des THW Kiel zwei auffällige Bargeldabbuchungen aus dem Jahr 2008 befinden. Kurz vor dem entscheidenden Vorrundenspiel Mitte März gegen Leon, bei dem es um den Einzug ins Halbfinale ging, sollen rund 20 000 Euro in bar abgebucht worden sein, im Umfeld des Halbfinales gegen Barcelona sollen es etwa 40 000 Euro gewesen sein.

Unterdessen kündigte der Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB), Peter Rauchfuß, nach der Kritik am Schiedsrichtersystem erste Konsequenzen für die Bundesliga an. Von Mitte Mai an sollen die Mannschaften nicht mehr vor den Spielen erfahren, wer die Partie leiten wird. „Es gibt dann nur noch kurzfristige Ansetzungen“, kündigte Rauchfuß im „Focus“ an.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen