Erfolgstrainer Meyer aus Lilienthal wird 70

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Deutsche Presse-Agentur

Es gibt in der Geschichte des Springsports keinen erfolgreicheren Trainer als Herbert Meyer. „Goldschmied“ wurde der im niedersächsischen Lilienthal lebende Meyer deshalb genannt, der am 14. Februar 70 Jahre alt wird.

Seine Reiter feierten olympisches Mannschafts-Gold 1988 in Seoul, 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney, sie gewannen die Weltmeisterschaften 1994 in Den Haag und 1998 in Rom. Insgesamt 16 Medaillen holten seine Teams bei internationalen Großveranstaltungen.

„Es gibt keinen besseren Bundestrainer als ihn“, lobte der dreimalige Europameister Paul Schockemöhle 1996 in Atlanta, vier Jahre vor dem letzten Gold und dem sorgsam geplanten Rückzug. Alles in allem war Herbert Meyer - inklusive seiner Jahre als Coach der U 18 und U 21 - 24 Jahre lang Bundestrainer der deutschen Springreiter. Seinen Nachfolgern, zunächst Kurt Gravemeier, jetzt Otto Becker, hinterließ er ein großes Erbe. Schwer mitgenommen hat ihn vor allem das Debakel bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr. „Das war schrecklich“, sagte Meyer und musste zusehen, wie der von ihm ausgebildete Gravemeier aufgab.

Meyer hatte das schwere Amt des Bundestrainers am 1. Januar 1986 nach dem tragischen Tod seines Vorgängers Hermann Schridde übernommen, der als Hobbypilot bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Der Niedersachse aus der kleinen Gemeinde Lilienthal nördlich von Bremen wurde vom Ausbilder Hans-Heinrich Brinckmann und von der Reit-Legende Hans Günter Winkler stark beeinflusst. „Springreiten habe ich bei HGW gelernt, aber meine Laufbahn ist ohne Micky Brinckmann nicht vorstellbar“, sagte Meyer.

Als Kind ritt der nur 1,66 Meter große Meyer auch Rennen. Und er frönte der Vielseitigkeit, bis er sich endgültig dem Springsport zuwandte. Seine reiterliche Grundausbildung erhielt er von seinem Vater Josef, einem ehemaligen Kavalleristen und Zollbeamten. Zehnmal ritt Meyer für die deutsche Nationalmannschaft bei Nationenpreisen. Viel erfolgreicher war der knorrige Ausbilder aber als Trainer. Er förderte und formte Weltklasse-Reiter wie Ludger Beerbaum (Riesenbeck), der seine vier olympischen Goldmedaillen während der Meyer-Ära gewann. Als Mitglied des Springausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) ist Meyer weiterhin aktiv.

Die Pferde prägen noch immer seinen Alltag, auch wenn er den heimischen Reitbetrieb in Erbpacht an Christoph Kühl übergeben hat. Meyer übernimmt an manchen Tagen das Training. „Nur in Notfällen steige ich noch aufs Pferd“, witzelte Meyer zuletzt.

In Meyers Leben gibt es nicht nur Pferde, auch wenn sie noch immer eine Hauptrolle spielen. Als Jugendlicher war er ein erfolgreicher Leichtathlet, seit vielen Jahren ist er ein leidenschaftlicher Fan der Bundesliga-Fußballer von Werder Bremen. Und daheim in seinem stilvollen alten Bauernhaus, wo er geboren wurde und seit 1969 wieder wohnt, setzte er sich gern ans Klavier. Viele Gäste haben schon gestaunt, wie perfekt der erfolgreiche Reitersmann die schwarzen und weißen Tasten auf seinem hübschen alten Klavier von Barralt & Robinson aus London beherrscht.

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