Ein Faustballer als Volleyball-Libero

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Halle statt Rasen: Faustball-Weltmeister Fabian Sagstetter spielt jetzt Volleyball.
Halle statt Rasen: Faustball-Weltmeister Fabian Sagstetter spielt jetzt Volleyball. (Foto: Imago images)
Christian Schyma

Es gab noch keinen einzigen Punkt, noch keinen Satzgewinn, noch keinen Sieg. Und doch haben die Heitec Volleys Eltmann schon jetzt für die größten Schlagzeilen der Saison gesorgt – lange bevor überhaupt der erste Ball in der Volleyball-Bundesliga über das Netz geschmettert wurde. Wenn ein Sportler auf anderem Terrain sein Glück versucht, wenn ein Faustball-Nationalspieler plötzlich auf dem Volleyball-Parkett steht, sorgt das eben bundesweit für Aufsehen. Fabian Sagstetter, im August zum dritten Mal Weltmeister geworden, verstärkt als Libero die Annahme der Volleys. Und freut sich auf den Saisonauftakt am Samstag beim Vizemeister VfB Friedrichshafen (19.30 Uhr/sporttotal.tv).

„Es ist gar nicht eine so große Umstellung, weil die Gemeinsamkeiten groß sind“, sagt der 29-jährige Kapitän der Nationalmannschaft. Die Annahme ist ähnlich – zudem sind Reaktionsschnelligkeit, Ballgefühl und Athletik auch beim Volleyball gefragt. „Allerdings ist die Laufbelastung beim Faustball deutlich höher, man muss mehr Sprints ansetzen“, hat Fabian Sagstetter festgestellt. Allein weil das Feld schon deutlich größer ist, die Entfernungen damit länger sind. So habe er sich bei den ersten Trainingseinheiten mit den Volleys anfangs sogar zu viel bewegt. „Dabei reicht es auch mal, einfach nur den Arm auszufahren“, schmunzelt der Ausnahmesportler. Auch die Beinarbeit habe er reduziert. Im Faustball übernimmt Sagstetter die Position des Zuspielers, doch die war beim Volleyball keine Option. „Da brauchst du deine Finger, im Faustball deine Unterarme.“ Somit blieb auch wegen seiner Körpergröße von 1,78 Meter nur der Libero.

Eine Zeit lang zwei Sportarten parallel betrieben

Absolutes Neuland betritt Sagstetter allerdings nicht. Zwar begann Klein-Fabian schon im Alter von sechs Jahren mit dem Faustball, doch während eines Schulprojektes nahm ihn sein Lehrer eines Tages mit zum Volleyball. Eine Zeit lang spielte Sagstetter beides parallel, am Samstag Faustball, am Sonntag Volleyball. „Die Spiele haben sich aber selten überschnitten“, erinnert sich der Neuzugang der Volleys. Kurz nach dem Abitur lief Sagstetter dann erstmals auch für den VC Eltmann in der Regionalliga auf. Und seitdem ist „der Kontakt nie abgebrochen“. Immer wieder mal gab es eine Anfrage aus Eltmann, doch zeitlich passte es nie.

Das war in diesem Jahr anders. Als im Februar Manager Rolf Werner anrief, sagte Fabian Sagstetter zu. Sein Studium (Wirtschaftspädagogik und Sport) war beendet, nach dem Triumph bei der Faustball-Weltmeisterschaft im August war der Zeitraum von September bis Mai nächsten Jahres frei. Erst danach beginnt die Rasensaison mit dem TV Schweinfurt-Oberndorf in der Faustball-Bundesliga – und dann wechselt auch Sag-stetter wieder das Spielgerät.

Für gut ein halbes Jahr ist der 29-Jährige nun also Volleyballer durch und durch, trainiert unter Profibedingungen. In den Vorbereitungsspielen, zuletzt auch während der Portugal-Reise im Test gegen Benfica Lissabon (2:3), wusste Sagstetter bereits zu überzeugen. „Ich traue mir schon zu, in der Liga mitzuhalten. Da muss ich mich nicht verstecken.“ Trainer Marco Donat hält große Stücke auf seinen neuen Libero. „Fabian ist ein Glücksfall für uns. Er kommt aus der Region und identifiziert sich hundertprozentig mit uns. Er ist das fehlende Puzzleteil, das wir noch gesucht haben. Eine großartige Verstärkung.“

Zehn neue Spieler sind zu den Unterfranken gewechselt

Ob das Unternehmen Klassenerhalt gelingt, ist wie bei so vielen Aufsteigern zuvor auch bei den Heitec Volleys abhängig davon, wie schnell sich das Team an die raue Luft in der Bundesliga gewöhnt. Bis auf Zuspieler Merten Krüger und Libero Tobias Werner wagte kein Akteur des Zweitliga-Teams den Sprung ins Oberhaus, gleich zehn neue Spieler haben in Unterfranken angeheuert. Kopf und Herz der Mannschaft könnten die beiden Mittelblocker Mathäus Jurkovics und Luuc van der Ent sowie der brasilianische Außenangreifer Carlos Antony werden. „Wir lehnen uns nicht aus dem Fenster, aber wir werden für die eine oder andere Überraschung sorgen“, versichert Manohar Faupel, Manager Spielbetrieb. „Wir sind stärker als ein klassischer Aufsteiger.“

Und auch Neu-Volleyballer Fabian Sagstetter wünscht sich, möglichst schnell in der Bundesliga anzukommen. „Wir wollen die Leute begeistern“, sagt der dreimalige Faustball-Weltmeister. Wer weiß, vielleicht klappt das schon am Bodensee ...

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