ECDC-Goalie Joey Vollmer freut sich auf Memminger „Tollhaus“

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Sportredakteur

Im Herbst seiner Karriere hat Goalie Joey Vollmer mit dem ECDC Memmingen noch immer richtig viel Spaß am Eishockey. Nach einer ganz starken Saison in der Oberliga Süd, die die Indians mit Platz fünf in der Meisterrunde abschlossen, geht’s für den 38-jährigen Vollmer und seine Mannschaftskollegen ab Freitag in der ersten Play-off-Runde gegen die Saale Bulls aus der Oberliga Nord. Was das für die Eishockeystadt Memmingen bedeutet – und ob er nach einem Sieg wieder tanzen wird, erzählt Vollmer im Gespräch mit Michael Panzram.

Der ECDC Memmingen hat die Meisterrunde in der Oberliga Süd auf Platz fünf abgeschlossen. Ist dieses für den Verein unerwartet gute Ergebnis nach dem Sieg in Höchstadt am Sonntag extra gefeiert worden?

Joey Vollmer (lacht): Wir feiern schon eine ganze Weile.

Weil die Saison einfach überragend ist?

Das kann man so sagen. Es ist eine grandiose Leistung, dass wir mit dieser Mannschaft den fünften Platz erreicht haben. Achter zu werden, in die Play-offs zu kommen, war unser Ziel. Danach sah es am Anfang der Saison zwar gar nicht aus. Nach dem Trainerwechsel kam aber Struktur in die Mannschaft. Und auf einmal lief’s.

Schon nach drei Spieltagen haben sich die Indians von Trainer Waldemar Dietrich und Co-Trainer Jan Benda getrennt, knapp drei Wochen später übernahm Sergej Waßmiller – das war der Knackpunkt?

In den letzten zwei Jahren haben wir durch unsere individuelle Stärke unsere Ziele erreicht. Um uns weiterzuentwickeln und in die Play-offs zu kommen, Teams wie Selb und Weiden, die vom Etat und den erfahrenen Spielern weit voraus sind, hinter uns zu lassen, musste aber mehr kommen. Da brauchst du einen professionellen und erfahrenen Trainer dafür. Als Sergej Waßmiller kam und wir Struktur gekriegt haben, sind wir durchgestartet. Seitdem wir sicher in den Play-offs sind, ist für mich alles andere Bonus. Wir sind komplett ohne Druck – und diese Mannschaften sind immer die gefährlichsten.

Gegner in der ersten Play-off-Runde sind die Saale Bulls aus Halle in Sachsen-Anhalt, die Platz vier in der Oberliga Nord erreicht haben. Worauf stellen Sie sich ein? Wie schätzen Sie die eigenen Chancen ein?

Ich habe schon gegen viele Teams in meiner Karriere gespielt, allerdings noch nie gegen die Saale Bulls. Einen Spieler kenne ich, weil ich schon gegen ihn gespielt habe, das ist Nathan Robinson. Der hat für Mannheim gespielt und ist sehr schnell. Wobei er auch nicht mehr der Jüngste ist. Ich tue mir schwer, unsere Chancen einzuschätzen. Lubor Pokovic, einer unserer wichtigsten Spieler, ist im Moment verletzt. Wenn er dabei ist, macht das schon sehr viel aus. Der hilft mir als Goalie in der Defensive schon sehr. Ich hoffe, dass er wieder spielen kann. Es wird auf die Tagesform ankommen, auf Disziplin, dass sich die Mannschaft an die Vorgaben des Trainers hält. Mir kommt’s entgegen, dass der Trainer eher defensiv spielen lässt. Da kann ich mich auf meine Verteidiger verlassen und auf den Puck konzentrieren.

Für die Eishockeystadt Memmingen wird das erste Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr) ein absolutes Highlight sein, oder?

Ganz sicher. Wir freuen uns schon sehr drauf. Ich habe das bisher ein, zwei Mal erlebt, dass die Halle hier voll ist. Das ist ein perfektes Oberliga-Stadion. Da kann’s richtig laut werden. Ich bin mir sicher: Gegen Saale wird es ein Tollhaus. Daheim haben wir in dieser Saison schon jeden geschlagen – auch die Topfavoriten wie Regensburg, Landshut, Rosenheim und Peiting. Wenn wir vom Verletzungspech verschont bleiben, ist alles möglich.

Was wäre für Sie und die Indians ein gutes Ergebnis?

Ich bin schon jetzt sehr zufrieden mit der Saison, wie es bisher gelaufen ist. Jetzt haben wir einfach Spaß. Das letzte Wochenende war ein guter Fingerzeig, was wir können. Gegen Selb haben wir 4:0 gewonnen – obwohl auch die auf keinen Fall gegen die Hannover Indians spielen wollten. Das war saustark.

Aus Ihrer Münchner Zeit ist überliefert, dass Sie nach Siegen gerne ein Tänzchen aufs Eis legen. Was muss passieren, dass die Zuschauer Sie in Memmingen tanzen sehen?

Ich tanze auch heute noch öfters nach dem Spiel. Ich bin jetzt fast 40, hab’ aber noch richtig Spaß am Eishockey. Schön ist für mich auch, wenn meine kleine Tochter mit im Stadion ist und miterlebt, wie der Papa im Tor steht. Wenn wir eine Runde weiterkommen sollten, werde ich natürlich tanzen. Unser Traum ist ein viertes Spiel, das wir gewinnen und die Play-offs noch ein bisschen weitergehen.

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