DSV-Springer im Formtief

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Deutsche Presse-Agentur

Martin Schmitt vergrätzt, Michael Uhrmann verschnupft und Michael Neumayer verunsichert: Ausgerechnet zehn Tage vor Beginn der nordischen Ski-Weltmeisterschaften läuft es bei den deutschen Skispringern nicht rund.

Nach der völlig verpatzten Premiere der Team-Tour beim Weltcup in Willingen war der Katzenjammer im DSV-Lager entsprechend groß. „Wir haben uns als Mannschaft nicht so präsentiert, wie wir das wollten. Das war von den Zahlen her ernüchternd. Nun müssen wir zeigen, wie charakterstark wir sind“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Die Gelegenheit dazu bietet sich bereits am 11. Februar beim Weltcup in Klingenthal. Doch die Vorzeichen stehen alles andere als günstig. Uhrmann ist nach einer verschleppten Erkältung so geschwächt, dass er nicht auf hohem Niveau springen kann und für die komplette Team-Tour ausfällt. Neumayer gelingt es, wie auch Stephan Hocke, derzeit nicht, sein Potenzial auf der Schanze abzurufen. „Er hat an Klasse verloren. Wir müssen ihm kurzfristig helfen“, erklärte Schuster. Bleibt lediglich Schmitt, der sich von seinem Wutanfall nach Platz 16 im Einzel schnell wieder gefangen hatte. „Martin hat sich überwiegend positiv präsentiert“, lobte Schuster seine Nummer 1.

Große Sorgen bereitet dem Coach dagegen Uhrmann. Ob der Mannschafts-Olympiasieger von 2002 rechtzeitig zur WM wieder fit wird, steht momentan in den Sternen. „Die Alarmsignale des Körpers waren nicht mehr zu überhören. Er wird in dieser Woche auch nicht auf der Schanze trainieren. Wir können nur hoffen, dass er körperlich wieder Fuß fasst und schnell zu Kräften kommt“, sagte Schuster mit ernster Miene.

Wie wichtig ein gesunder Uhrmann für das Team ist, wurde in Willingen deutlich. „Wir sind personell nicht so dick besetzt, dass wir seinen Ausfall kompensieren können“, stellte Schuster fest. „Deshalb ist es ganz wichtig, dass er sich richtig auskuriert. Wir brauchen einen fitten Michael Uhrmann bei der WM.“

Zwar lieferte Uhrmanns Vertreter Severin Freund in Willingen eine ordentliche Leistung ab, gleichwertig ersetzen konnte er seinen Vereinskollegen aus Rastbüchl aber nicht. Christian Ulmer und Julian Musiol konnten sich ebenfalls nicht als ernsthafte Alternative empfehlen. „Mit den jungen Springern waren wir schon mal weiter“, räumte Schuster ein.

Er ist in den kommenden Tagen vor allem als Psychologe gefordert, um seinen verunsicherten Athleten wieder das nötige Selbstvertrauen einzuimpfen. „Man muss jetzt nichts dramatisieren, denn wir haben das Skispringen nicht verlernt. Wir werden momentan auf eine Probe gestellt und werden diese Herausforderung annehmen“, verkündete Schuster.

Obwohl die Team-Tour für die deutschen Springer nach dem schwachen Auftakt gelaufen ist, fordert der Bundestrainer auch in Klingenthal und zum Abschluss am Wochenende beim Skifliegen in Oberstdorf von seinen Jungs Vollgas. „Das sind ja alles Weltcups und können tolle Wettkämpfe werden. Unsere Möglichkeiten, die Team-Tour zu gewinnen, waren ohnehin gering“. Priorität genieße die WM, für die am Mittwoch noch ein oder zwei Tickets vergeben werden. Kandidaten sind neben Freund und Ulmer noch Felix Schoft und Pascal Bodmer, die nach ihrem Start bei der Junioren-WM ins Weltcup-Aufgebot zurückkehren.

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