DSV mit Rekordaufgebot zur WM nach Liberec

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Ein Jahr vor Olympia schickt der Deutsche Skiverband (DSV) bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften ein Rekordaufgebot von 29 Athleten auf die Jagd nach der 40. Goldmedaille.

Doch anders als in den vergangenen Jahren bremsen die Verantwortlichen vor den Titelkämpfen vom 18. Februar bis 1. März in Liberec die Erwartungen und geben eher vorsichtige Prognosen ab. „Die Weltmeisterschaften sind für uns eine ganz besondere Herausforderung, denn die Weltspitze in den verschiedenen Disziplinen ist erneut enger zusammengerückt“, sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Erstmals in der WM-Historie wird Edelmetall im Skispringen der Damen vergeben, wo die deutsche Mannschaft mehrere heiße Eisen im Feuer hat.

Seit 1924 konnten sich deutsche Ski-nordisch-Asse bisher 39 Mal als Weltmeister feiern lassen. Die ersten Titel holten Skispringer Sepp Bradl und Kombinierer Gustl Berauer 1939 in Zakopane. Bei der WM 2007 in Sapporo gewann das DSV-Team neben zweimal Gold noch vier Silber- und drei Bronzemedaillen. Mit dieser Ausbeute könnte Pfüller auch ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver sehr gut leben. „So wie man im Jahr vor Olympia in der Weltspitze präsent ist, ist man auch bei Olympia selbst präsent. Gut wäre es, wenn sich die Medaillen auf alle Sparten verteilen“, sagte er.

Die Konkurrenz ist jedoch groß. Insgesamt haben 62 Länder, so viele wie noch nie, für die Titelkämpfe gemeldet. Und anders als vor zwei Jahren gelten die DSV-Athleten nicht unbedingt als Favoriten. Nimmt man den Prolog der Tour de Ski aus, kommen die Langläufer durch Teichmann (2) und Tobias Angerer in dieser Saison erst auf drei Weltcupsiege. „Der Kampf um die Medaillen wird so schwer werden wie schon lange nicht mehr“, prophezeite Pfüller. „Ich möchte natürlich in einem Einzelrennen eine Medaille gewinnen, aber das Wichtigste ist, dass wir endlich einmal Gold mit der Staffel holen“, sagte Teichmann.

In der Nordischen Kombination gab es durch Björn Kircheisen (2), den seit Wochen gesundheitlich angeschlagenen Ronny Ackermann und die Staffel vier Saisonerfolge. „Wir sind erstmals seit fünf oder sechs Jahren nicht mehr in einer solch komfortablen Ausgangssituation, wie wir sie sonst vor Großereignissen hatten“, meinte Pfüller. Dennoch schielen die Winter-Zweikämpfer vor allem auf den WM-Triumph mit der Mannschaft - es wäre der erste seit Oberstdorf 1987. „Wir sind mal dran mit der Staffel. Insgesamt haben wir vier Chancen. Wenn wir vier Medaillen machen, wäre das ein Traum“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Erst- und letztmalig wird WM-Edelmetall im Massenstart vergeben.

Im Skispringen trägt vor allem Martin Schmitt die deutschen Hoffnungen. Er soll die Mannschaft im Team-Wettbewerb zu Edelmetall führen und darf sich in den Einzel-Springen von der Normal- und der Großschanze zumindest Außenseiterchancen ausrechnen. Obwohl die Formkurve beim Skiflug-Weltcup in Oberstdorf nach unten zeigte, hält Bundestrainer Werner Schuster an dem ausgegebenen Ziel fest: „Ich bin überzeugt, dass wir im Team-Wettbewerb aus eigener Kraft auf das Podest springen können. Wir wollen eine WM-Medaille.“

Dies gilt auch für die Springerinnen, die am 20. Februar ihre WM- Premiere erleben. „Wir haben gute Aussichten, bei der Vergabe der Medaillen ein Wörtchen mitreden zu können“, verkündete Bundestrainer Daniel Vogler. Die Athletinnen begreifen ihre WM-Teilnahme aber nicht nur als persönliche Chance. „Für die Entwicklung des Damen- Skispringens ist es sehr positiv, dass wir bei der WM dabei sind. Dass es mal so weit kommt, hätte ich nicht gedacht. Ich hoffe, dass es weiter voran geht und wir nach den Weltmeisterschaften auch mal zu Olympischen Winterspielen fahren dürfen“, sagte die Klingenthalerin Ulrike Gräßler.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen