DSV-Desaster im Sprint: Aus im Viertelfinale

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Deutsche Presse-Agentur

Beim tristen Sprint-Auftritt der deutschen Langläufer im dichten Nebel von Liberec sorgte Miriam Gössner mit ihrem erfrischenden WM-Debüt für einen kleinen Lichtblick.

Das erwartete Debakel in der Speed-Disziplin konnte aber auch die ausgeborgte Nachwuchs-Biathletin nicht verhindern. Nach dem frühen Viertelfinal-Aus für das Damen-Quartett sowie Josef Wenzl und Franz Göring bei den Herren warten die DSV-Läufer bei den Weltmeisterschaften in Liberec weiter auf ihr erstes Edelmetall und das Ende der Krise. Gold gewannen die Italienerin Arianna Follis und der Norweger Ola Vigen Hattestad.

Die Italienerin setzte sich im Finale der nordischen Ski-WM in Liberec in 2:39,3 Minuten vor der Amerikanerin Kikkan Randall mit 0,6 Sekunden Vorsprung durch. Rang drei sicherte sich Pirjo Muranen aus Finnland mit 0,7 Sekunden Rückstand. Bei den Herren war Ola Vigen Hattestad im Finale in 3:00,8 Minuten nicht zu schlagen. Er verwies seinen Teamkollegen Johan Kjölstad mit 0,4 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. Dritter wurde mit einem Rückstand von 1,0 Sekunden der Russe Nikolaj Morilow.

„Das Ergebnis kommt nicht überraschend. Heute hat keiner eine Medaille erwartet“, bilanzierte Bundestrainer Jochen Behle. Er hofft, dass Tobias Angerer und Axel Teichmann im Team-Sprint der Herren für den ersehnten Befreiungsschlag sorgen. „Es wird wieder einmal schwierig und eine Lotterie. Ich hoffe, dass wir mal zu den Glücklichen gehören. Wir wollen im Medaillenkampf mitmischen“, sagte Behle.

Obwohl die deutschen Läufer seit Jahren ein gestörtes Verhältnis zum Sprint haben, war Behle mit dem Abschneiden nicht zufrieden. „Bei vier Damen im Viertelfinale hatten wir natürlich gehofft, dass es eine ins Halbfinale schafft“, sagte der Bundestrainer. Doch als es darauf ankam, ließen die DSV-Läuferinnen taktisches Geschick vermissen. Bei ihrem ersten WM-Auftritt wurde Gössner in ihrem Lauf gleich mehrmals von Nicole Fessel ausgebremst. „Ich habe gelernt, dass man im Sprint mit sehr viel Körpereinsatz laufen muss. Das habe ich noch nicht so drauf“, resümierte die 19-Jährige.

„Im Rennen schaut jeder auf sich und dass er gut durchkommt. Da merkt man nicht, wer neben einem ist“, erklärte Fessel, die als 16. beste deutsche Läuferin war. Auch von Behle gab es keine Schuldzuweisungen: „Im Sprint gehört der Ellbogeneinsatz dazu.“ Gössner nahm es entsprechend gelassen. „Das passiert halt, wenn sechs Frauen auf engstem Raum laufen. Es ist zwar ein wenig blöd gelaufen, aber es war trotzdem total schön, dass ich dabei sein durfte“, sagte Gössner, die mit einem gebrochenen Daumen ins Rennen gegangen war.

Mit ihrem beherzten Auftritt sicherte sie sich einen Platz in der 4 x 5-Kilometer-Staffel am Donnerstag, in der auch Katrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad zum Einsatz kommen. „Sie hat sich hervorragend verkauft und gut in Szene gesetzt“, begründete Behle seine Wahl. Enttäuscht zogen dagegen Nystad und Andrea Henkel, die ebenfalls in einem gemeinsamen Lauf ausschieden, von dannen. „Ziel war das Halbfinale, aber ich kann es jetzt nicht ändern“, sagte Henkel. „Das ist nicht das Ergebnis, was ich mir vorgestellt habe. Aber das gilt ja für die gesamte Saison“, jammerte Nystad.

Nur knapp scheiterte Göring, der bis zum letzten Viertelfinale auf ein Weiterkommen als einer der zwei Zeitschnellsten hoffen durfte. „Es haben nur ein paar Zentimeter gefehlt. Daher bin ich ein bisschen traurig“, meinte Göring. Bitteres Lehrgeld zahlte der lange in Führung liegende Wenzl. „Auf der Abfahrt sind die anderen aus dem Windschatten an mir vorbeigeschossen“, schilderte er die entscheidende Szene. „Wenn du Erster bist, musst du dich wehren und so breitmachen, dass keiner vorbei kann“, meinte Behle.

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