DRV-Trainerin Jutta Lau wechselt nach China

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Deutsche Presse-Agentur

Der Deutsche Ruderverband (DRV) verliert seine erfolgreichste Trainerin. Die in den vergangenen Jahren für den Frauen-Skull zuständige Jutta Lau wird Ende Januar ihre Zusammenarbeit mit dem DRV beenden und nach China wechseln.

Der DRV steuert auch fünf Monate nach der historischen Schlappe von Peking weiter in schwerem Fahrwasser. Aus Frust über ihren schwindenden Einfluss im Zuge der DRV-Neuausrichtung schlug Erfolgstrainerin Jutta Lau ein DRV-Angebot zu einer Vertragsverlängerung aus und entschloss sich zu einem Wechsel nach China. „Wir bedauern diesen Schritt. Sie war ohne Wenn und Aber unsere beste Trainerin“, kommentierte der DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel die schmerzliche Trennung.

Das Ende der einstigen Musterehe verlief wenig harmonisch. Wenige Tage vor der Scheidung Ende Januar äußerte die ehemalige Weltklasse-Ruderin, deren Schützlinge von 1988 bis 2004 jeweils mindestens einmal olympisches Gold und in Peking 2008 mit Silber und Bronze das einzige DRV-Edelmetall gewannen, ihren Unmut über den DRV- Kurswechsel. „Der Ruderverband hat mir nur Steine in den Weg gelegt. Kreativität ist dort nicht gefragt. Meine Erfolge zählen nicht mehr“, klagte Lau in der „Märkischen Allgemeinen-Zeitung“.

Nach der Berufung von Hartmut Buschbacher zum DRV-Cheftrainer war für die 53-Jährige kein Platz mehr als verantwortliche Disziplin-Trainerin. Ihr Angebot, neben dem Skull- auch den Bereich Frauen-Riemen zu übernehmen, wurde mit Verweis auf Buschbachers Führungsrolle abgelehnt. Auf den ehemaligen DDR-Nationaltrainer war Lau ohnehin schlecht zu sprechen, weil der ihr Vorwürfe wegen der in Peking ausgebliebenen Goldmedaille gemacht haben soll. „Herr Buschbacher erklärte bei unserem ersten Aufeinandertreffen, er werde mir mal zeigen, wie man das macht“, sagte Lau.

Für Laus Kritik an der Strukturreform, die der DRV als Reaktion auf die erste olympische Regatta seit 52 Jahren ohne Gold eingeleitet hatte, brachte Kaidel wenig Verständnis auf. „Ich habe ihr keine Steine in den Weg gelegt. Außerdem hätte sie sich als Cheftrainerin bewerben können.“ Wer die Nachfolge von Lau in Potsdam antreten soll, ließ der DRV-Vorsitzende offen. Die ehemalige Lau-Schülerin Kathrin Boron, die den Stützpunkt in Zukunft leiten soll, wird in die Suche eingebunden.

Im Februar beginnt für die im Jahr 2001 vom Weltverband FISA als „Coach of the year“ ausgezeichnete Lau eine neue Herausforderung. Nach kurzer Arbeit als Provinz-Trainerin wird sie von 2010 an für die chinesische Frauen-Nationalmannschaft zuständig sein. Doch so ganz hat sie mit ihrem alten Job offenbar noch nicht abgeschlossen. „Es muss kein endgültiger Abschied sein. Vielleicht komme ich 2012 gestärkt zurück“, wird sie in der DRV-Mitteilung zitiert.

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