Doping-Vorwürfen gegen Ullrich: DSV prüft Akten

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich und der frühere DDR-Chefcoach Wilfried Bock sind vom ehemaligen Biathleten Jürgen Wirth in einem Beitrag der ARD-Sportschau mit Doping-Praktiken in Verbindung gebracht worden.

„Die Vorwürfe von Jürgen Wirth sind ungeheuerlich. Ich habe in meiner gesamten Trainerlaufbahn niemals einen Athleten dazu angewiesen, Dopingmittel einzunehmen. Ich lehne grundsätzlich jede Art von unerlaubter Leistungsmanipulation strikt ab. Jetzt werde ich so schnell wie möglich überprüfen lassen, wie ich gerichtlich gegen diese unwahren Anschuldigungen vorgehen kann“, erklärte Ullrich der dpa.

Auch der Deutsche Skiverband (DSV) will sich mit der Angelegenheit befassen. „Was Wilfried Bock betrifft, werden wir die Aktenlage umfassend analysieren und überprüfen. Im Fall von Frank Ullrich, ist es aber so, dass sich in den vergangenen Jahren im Vorfeld von Olympischen Spielen mehrere Kommissionen mit der Vergangenheit aller Deutscher Bundestrainer beschäftigt haben. Der Deutsche Skiverband hat in all diesen Jahren keinerlei Hinweise oder Empfehlungen erhalten, nach denen Frank Ullrich nicht mehr für den Deutschen Skiverband als Cheftrainer hätte arbeiten können oder sollen“, erklärte Stefan Schwarzbach, der Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV) der dpa.

Jens Steinigen, Goldmedaillengewinner mit der bundesdeutschen Biathlon-Staffel bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville, der in der Sportschau als zweiter Kronzeuge zu Wort kam, sagte zu Ullrich: „An seine Rolle kann ich mich nicht mehr so im Detail erinnern. Er war nur bei den Gesprächen 1986, wie es um die konkrete Vergabe der Dopingmittel ging, anwesend.“ Steinigen, so hieß es in dem Beitrag, habe schon „nach dem Mauerfall Zweifel an Ullrichs Glaubwürdigkeit gesät. Er sagt heute, Ullrich habe bereits als Trainer in Oberhof von Doping-Praktiken gewusst.“

Jürgen Wirth, der 1987 und 1988 zum DDR-Kader gehört hatte, stellte fest: „Frank Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen, damit wir schneller wieder regenerieren, das heißt, schnellere Erholungsphasen haben und bessere Trainingsleistungen bringen können.“

In einer schriftlichen Stellungnahme von Ullrich, die in der Fernsehsendung eingeblendet wurde, stellte der Bundestrainer fest: Es müsse bekannt sein, dass „ich als junger Co-Trainer, der erst im Jahre 1987 seine Trainerlaufbahn begann, weder zu Anordnungen noch zu Kontrollmaßnahmen befugt war.“

Nach Sportschau-Angaben bleibt Wirth bei seiner Aussage und nannte noch einen weiteren Namen, Wilfried Bock, einst als DDR- Verbandstrainer der Chef von Frank Ullrich. „Wir haben dann die Tablette in den Mund genommen und sollten sie runterschlucken und sollten dann Zunge rausstrecken, das man sieht, ob die Tablette noch im Mund ist.“ Auf die Frage „Haben auch die Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock die Einnahme kontrolliert?“, antwortete Wirth: „Die Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich haben die Einnahme auch kontrolliert und damit jeder wirklich diese Tablette nimmt.“

Jens Steinigen erklärte auf die Frage, wer Sie damals genötigt habe, die Dopingmittel zu nehmen? „Das waren die damaligen verantwortlichen Trainer, insbesondere der Cheftrainer, damals Herr Bock.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen