Doping-Gerüchte: DESG prüft rechtliche Schritte

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Deutsche Presse-Agentur

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) prüft rechtliche Schritte gegen die niederländische Fernseh-Moderatorin Ria Visser wegen angeblicher Verbreitung von Doping-Gerüchten um das deutsche Team, bestätigte DESG-Präsident Gerd Heinze auf Anfrage.

„Es ist eine unglaubliche Unverschämtheit und Unsportlichkeit. Es darf nicht sein, dass jemand Gerüchte in die Welt setzt, die dem Image des deutschen Eisschnelllauf abträglich sind“, erklärte Heinze.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz im WM-Ort Richmond gab Teamchef Helge Jasch eine Erklärung ab, wonach dem deutschen Team vom internationalen Verband ISU keine Bestätigung für eine positive Doping-Probe vorliege. Dies sei dem Verband von der Chefin der Medizinischen Kommission der ISU, Jane Moran, mitgeteilt worden. Die Kanadierin selbst verweigerte jedoch in der Öffentlichkeit jegliche Stellungnahme zu den Doping-Gerüchten. „Wir halten uns an die Regularien und veröffentlichen nur etwas, wenn uns Fälle bekanntgeworden sind“, erklärte die Kanadierin am Freitag in Richmond über einen Sprecher. Zuvor hatten DESG-Sportdirektor Günter Schumacher und ISU-Vizepräsident Gerd Zimmermann auf Anfragen mitgeteilt, dass sie aus ISU-Kreisen von keinem positiven Fall gehört hätten.

Die Doping-Gerüchte resultieren aus der Moderation der früheren Eisschnellläuferin Ria Visser im niederländischen Fernsehen NOS beim Weltcup-Finale in Salt Lake City. Dort hatte die Journalistin im Zusammenhang mit einigen Absagen verbreitet, dass es im Umfeld des deutschen Teams Gerüchte gebe, die aber nicht belegt seien. „Ich fühle mich auf der sicheren Seite. Ich habe keine Namen genannt und niemand beschuldigt, sondern nur von Gerüchten gesprochen, die ich von verschiedenen Seiten gehört habe“, sagte Ria Visser der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Erst zwei Tage zuvor hatte sie sich beim deutschen Damen-Bundestrainer Markus Eicher für ihre Aussagen entschuldigt und erklärt: „Ich glaube, ich habe da etwas zu viel gesagt.“ Helge Jasch, der die Originalsendung im TV nicht verfolgen konnte, bezeichnete die Aussagen Vissers als bedenklich und journalistisch fragwürdig. Natürlich stehe eine mögliche Anzeige „auf juristisch äußerst schwacher Basis“, sagte Jasch. Auf die Frage, ob er für alle deutschen Athleten die Hand ins Feuer legen würde, antwortete der Teamchef: „Wer kann schon die Hand ins Feuer legen. Aber unsere Sportler trainieren mehr als andere, daraus resultieren ihre Leistungen.“

Unmittelbar nach dem Gewinn ihres 16. WM-Titels in Richmond hat sich Anni Friesinger für ein konsequentes Vorgehen gegen die um das deutsche Eisschnelllauf-Team kursierenden Doping-Gerüchte eingesetzt. „Solche Gerüchte dürfen nicht über das Fernsehen verbreitet werden. Es handelt sich nicht um Fakten. Das ist einfach nur rufschädigend“, erklärte die Inzellerin.

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