Abschied aus Melbourne: Tennis-Saison mit Ungewissheiten

Novak Djokovic
Australian-Open-Sieger Novak Djokovic ließ es sich nach seinem Triumph am Brighton Beach in Melbourne gut gehen. (Foto: Dave Hunt / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Kristina Puck und Wolfgang Müller

Australian-Open-Gewinner Novak Djokovic schlenderte nach dem Kofferpacken am Montag noch gemütlich barfuß im Sand am Brighton Beach entlang. Alexander Zverev machte sich in kurzen Hosen auf den Weg zum Flughafen und stellte sich auf wärmere Kleidung in der Heimat ein.

Nach mehreren Wochen in Australien und dem Abschluss der Australian Open richtet sich der Blick auch nach Europa und auf die Ungewissheit des weiteren Verlaufs der Tennis-Saison. Von Melbourne mit mittlerweile ungewohnten Bildern feiernder Fans geht es vorerst zurück in den Tour-Alltag - mit aller Komplexität der Coronavirus-Pandemie, aber auch mit berufsbedingten Reisen. Die deutschen Turnier-Organisatoren stellen sich den Herausforderungen.

„Wir haben das klare Ziel, dass wir spielen. Wir planen verschiedene Szenarien, was die Zuschauerzahl betrifft“, sagte Münchens Turnierdirektor Patrik Kühnen. Das ATP-Turnier in der bayerischen Landeshauptstadt steht momentan im Kalender. Ebenso wie die Herren-Turniere in Stuttgart, Halle und Hamburg sowie die Damen-Turniere in Stuttgart, Köln, Berlin und Bad Homburg. Aber wer weiß in diesen Zeiten schon, ob es dabei bleibt? Die schon einmal verschobene und nun für Mitte April in Budapest geplante Endrunde um den Fed Cup etwa wurde schon wieder auf unbestimmte Zeit verlegt.

Kühnen versprüht genauso vorsichtigen Optimismus, dass es anders als im vergangenen Jahr einen vollen deutschen Tennis-Frühling und -Sommer geben wird. Das Münchner Sandplatz-Event ist vom 26. April bis 2. Mai geplant und hat im Vergleich zum Stuttgarter Damen-Turnier eine Woche zuvor den Vorteil, dass es draußen stattfindet.

Für Mitte März hoffen die Veranstalter auf Konkretisierungen. Die Stuttgarter Organisatoren wollen Mitte dieser Woche über den Stand und erste Zusagen informieren. Über das Teilnehmerfeld könne er noch nichts berichten, sagte Kühnen, außer dass es noch keine feste Zusage des zweifachen Siegers Alexander Zverev gebe. Die Meldefrist sei von sechs Wochen vor dem Start auf vier Wochen vorher reduziert worden.

Die deutsche Nummer eins und der Weltranglisten-Erste Djokovic hatten sich in Melbourne dagegen ausgesprochen, momentan zum gewohnten Turnierkalender mit Reisen von Ort zu Ort zurückzukehren. Spieler würden sich verletzen, es gebe je nach Reisepass Beschränkungen, argumentierte Zverev. In Melbourne mussten Profis wie Betreuer eine zwei Wochen lange Quarantäne absolvieren und durften nur für fünf Stunden am Tag das Hotel für Training und Fitness verlassen. Es gab als Vorbereitung sechs parallele Veranstaltungen in Melbourne.

„Die ATP sollte vielleicht so einen Veranstaltungsort wie hier haben und mehrere Wochen an einem Ort spielen“, schlug Zverev vor. Ex-Profi Kühnen hat die Diskussion wahrgenommen, meinte aber: „Ich halte das nicht für umsetzbar.“ Die Pläne der ATP sehen eine Abkehr von der Struktur mit Turnieren an verschiedenen Orten momentan nicht vor. Die Herren spielen in dieser Woche in Montpellier, darunter die deutsche Nummer zwei Jan-Lennard Struff, in Singapur und in Cordoba. Es gibt unter den spezifischen Regularien also eine Auswahlmöglichkeit.

„Jedes Land, jedes Turnier ist anders. Es ist viel Aufwand, sich darauf mental einzustellen und sich anzupassen. Das ist nicht einfach“, sagte Djokovic und gab zu bedenken: „Die Familie auf der Tour bei mir zu haben, wird eine sehr schwere Aufgabe.“ Bei vielen Turnieren würden ihm die Regeln nur zwei Begleiter erlauben.

Die WTA spielt in dieser Woche noch im australischen Adelaide weiter. Angelique Kerber plant für die ersten März-Wochen Turnier-Reisen nach Doha und Dubai. Zverev hat trotz seiner Bedenken am System für Rotterdam (1. bis 7. März) eine Wildcard angenommen. Zumindest vorerst nicht auf der Tour wird Djokovic sein. Der 33-Jährige kündigte aufgrund seiner Bauchmuskelverletzung eine kleine Auszeit an. Die Verletzung habe sich im Verlauf der Australian Open verschlimmert, erzählte er am Tag nach dem Finale.

Die Australian Open, die mit Zweifeln begonnen hatten, wurden von Djokovic ebenso wie von den Veranstaltern als Erfolg gewertet. Falls notwendig, könne auch 2022 unter Corona-Bedingungen gespielt werden. Es gebe keine Variante, mit der man nicht umgehen könne, sagte Turnierdirektor Craig Tiley. Auch er war am Montag am Brighton Beach.

© dpa-infocom, dpa:210221-99-535913/5

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt freie Corona-Impftermine in Ihrer Region finden

Mehr holprig als reibungslos läuft seit einigen Wochen die Corona-Impfkampagne in ganz Deutschland. Vornehmlich alte oder pflegebedürftige Menschen werden in den meisten Bundesländern zuerst geimpft.

Doch selbst wer zur aktuellen Zielgruppe gehört, hat es gerade schwer, einen Termin zu bekommen. Regionale Impfzentren haben - wenn überhaupt - nur wenige freie Termine, die schnell vergeben sind. Daneben fällt es schwer zu verstehen, welche Alternativen zum Impfzentrum vor Ort es noch gibt.

Einen ebenso saftigen wie knusprigen Braten zuzubereiten, ist gar nicht so schwer, wie dieses gelungene Beispiel zeigt.

Knuspern, bis die Schwarte kracht - So gelingt der Krustenbraten

Irgendwie scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, alles möglichst kompliziert zu machen. Auch und vor allem in der Küche. Mit einem teuren Maschinenpark selbst den einfachsten Gerichten zu Leibe zu rücken, um mit technischem Brimborium vorgeblich etwas ganz Außergewöhnliches zu vollbringen. Das muss aber nicht sein.

Schwer in Mode ist zum Beispiel der mindestens 24 Stunden sous vide gegarte Schweinebauch. Der kommt bei dieser Methode in den Vakuumbeutel und anschließend ins Wasserbad.

 Der Landkreis wollte die erneute Ausgangssperre noch verhindern. Doch der Weisung des Ministeriums muss sich die Verwaltung füg

Ministerium zwingt Kreis zum Erlass einer erneuten Ausgangssperre – Aktuelle Corona-Lage

Bei den Corona-Zahlen des Ostalbkreises hat es am Donnerstag erneut einen leichten Anstieg gegeben. Der Inzidenzwert hingegen hält sich weiterhin mit 25 positiv Getesteten innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner auf niedrigem Niveau.

16 Neuinfektionen haben die Labore am Donnerstag bis 24 Uhr an die Gesundheitsbehörde des Ostalbkreises übermittelt. Damit steigt die Zahl der Gesamtfälle auf 9277, davon gelten 8878 als genesen.

Nachdem die aktiven Fälle über einen gewissen Zeitraum lang stetig abnahmen, verzeichnet ...

Mehr Themen