Djokovic erstes „Opfer“ der Hitze in Melbourne

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Deutsche Presse-Agentur

Novak Djokovic ließ sich am ganzen Körper mit Eis einreiben, legte Kühlschläuche in seinen Nacken - und musste am Ende doch vor der Hitze kapitulieren.

Beim Stand von 7:6 (7:3), 4:6, 2:6, 1:2 schlich der serbische Tennisprofi langsam auf seinen Gegner Andy Roddick zu und gratulierte dem Amerikaner zum Halbfinal-Einzug. „Die Bedingungen waren extrem. Es ist enttäuschend, die Australian Open 2009 auf diese Weise zu beenden“, sagte Djokovic.

Bei Temperaturen von knapp 35 Grad Celsius hatte sich der 21-Jährige während des Matches behandeln lassen. Es half alles nichts, der Traum von der Titelverteidigung war geplatzt. Auch die Französin Mario Bartoli hatte zuvor unter den extremen Temperaturen gelitten - sie schied nach einem 3:6, 0:6 gegen die Russin Vera Swonarewa aus.

Und in den kommenden Tagen soll es noch deutlich heißer werden. „Hitzewelle im Anrollen“, meldeten die australischen Zeitungen am Dienstag unisono. Die Vorhersagen für diese Woche lauten: Mittwoch 41 Grad, Donnerstag 40, Freitag 40, Samstag 40 - solche Werte vier Tage am Stück hat es in Melbourne seit mehr als 100 Jahren nicht gegeben.

„Das ist, wie wenn man gegen eine Wand rennt und einem ein Schwall von Hitze entgegenkommt“, sagte Anna-Lena Grönefeld. Die Nordhornerin war gerade mit ihrer Partnerin Patty Schnyder aus der Schweiz im Viertelfinale der Doppel-Konkurrenz ausgeschieden. „Der Boden heizt sich auf, die Füße werden richtig heiß und man muss versuchen, den Körper mit Eiswürfeln kalt zu kriegen“, berichtete Grönefeld später.

Djokovic ließ seinem Krankenbulletin („Ich hatte Krämpfe am ganzen Körper und habe mich nicht gut gefühlt“) allerdings noch deutliche Worte der Kritik an den Organisatoren folgen. Zwei Tage zuvor hatte er sein Match gegen Marcos Baghdatis aus Zypern morgens um halb drei beendet - viel Zeit zur Erholung blieb nicht. „Ich habe um die Night Session für heute gebeten, aber daraus wurde nichts“, sagte Djokovic. Schon im vorigen Jahr hatten die Spielansetzungen für Diskussionen gesorgt. Ein Nutznießer damals war jedoch Djokovic - weil dessen Achtelfinal-Gegner Lleyton Hewitt noch die Strapazen eines Fünf-Satz- Thrillers bis morgens um halb fünf gespürt hatte.

Am 28. Januar werden Vorjahresfinalist Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich und der spanische Murray-Bezwinger Fernando Verdasco leiden müssen - wenn nicht das Dach der Rod Laver Arena geschlossen wird. „Da kann man nur noch in den Kühlschrank gehen und ein paar Tage drinbleiben“, hatte Verdasco nach seinem überraschenden Coup gegen den schottischen Geheimfavoriten Andy Murray gescherzt.

Doch bei Sommer und Sonnenschein sind nicht alle zu Späßen aufgelegt. Feuerwehr und Bahnarbeiter sind in Alarmbereitschaft. „Es ist die heftigste Hitzewelle, die die meisten von uns je erlebt haben“, sagte Terry Ryan vom Meteorologischen Institut der Stadt. Vier Tage nacheinander mit Temperaturen jenseits der 40 Grad habe es zuletzt 1908 gegeben. Als es am vergangenen Dienstag bereits so heiß war, wurden 319 Züge und Trams gestrichen - weil die Klimaanlage in den meisten Wagen ausfiel und die Fenster dort nicht zu öffnen sind.

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