Diskussionen im IHF um Australien

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Deutsche Presse-Agentur

Bei der WM in Kroatien ist Australien wieder nur ein harmloser Punktelieferant, in Funktionärskreisen aber liefert der Handball-Exot Zündstoff. Am Rande des Weltturniers sind Diskussionen über die Teilnahme der „Aussies“ entbrannt.

Stein des Anstoßes ist der Ausschluss Ozeaniens als Kontinentalverband aus dem Weltverband IHF im Oktober auf der Ratssitzung in Herzogenaurach. Laut IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter ist dies ein Verstoß gegen die Satzung, weil nur der Kongress eine solche Entscheidung hätte treffen können. „Es passt tatsächlich nicht, wenn anscheinend ein Rat Ozeanien suspendieren kann und man dann auch den Ozeanien-Vertreter suspendiert. Das entspricht meines Erachtens nicht den Gepflogenheiten und auch nicht den Statuten“, sagte der Schweizer in einem Interview mit der ARD.

Die tapferen, aber sportlich bedauernswerten Australier haben in den ersten drei WM-Partien in der Vorrundengruppe A in Osijek 130 Gegentore kassiert. Nun wird darüber diskutiert, ob der Meister eines nicht anerkannten Kontinentalverbandes überhaupt hätte teilnehmen dürfen. „Ungültig ist die WM sicher nicht. Wir kennen die Klassierung von Australien aus den letzten Jahren. Aber es zeigt eine der Schwierigkeiten, die wir haben“, erklärte Mühlematter. Bei ihren bislang vier WM-Teilnahmen hatten die Australier dreimal den 24. und letzten Rang sowie einmal den 21. Platz belegt.

Hintergrund für die Kontroversen ist der unberechtigte Ausschluss Ozeaniens durch den IHF-Rat. Begründet wurde dies damit, dass Ozeanien nur noch vier statt der geforderten fünf Mitglieder hat. Der Weltverband beruft sich dabei darauf, dass in Neuseeland ein konkurrierender Verband zum bisher zuständigen unter der Leitung Vernon Winitana gegründet wurde. Der Neuseeländer aber ist auch Präsident der Ozeanischen Handball-Föderation (OHF) und seit 2000 Mitglied im Rat der IHF.

Mühlematter vermutet nun, dass Ozeanien einem Ränkespiel wegen Winitanas kritischer Haltung zum Führungsstil des ägyptischen IHF- Präsidenten Hassan Moustafa zum Opfer gefallen ist. „Herr Winitana hat sicherlich immer wieder auf Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, die wir intern haben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man statt zu helfen, zu unterstützen in Neuseeland, einfach meinen Kollegen Vernon Winitana ins Visier genommen hat“, sagte der Schweizer.

Winitana hatte deswegen nicht an der Ratssitzung vom 17. bis 19. Oktober in Herzogenaurach teilnehmen dürfen, auf der sein Verband ausgeschlossen wurde. „Mit dem hätte man auch warten können bis zum nächsten Kongress“, sagte Mühlematter. Der Kongress (4. bis 7. Juni), bei dem sich Hassan Moustafa zur Wiederwahl als Präsident stellt, wurde auf der Ratssitzung an Ägypten und die nächste Männer-WM 2011 an Schweden vergeben. Der Neuseeländer ficht nun wegen seiner Ausbootung die Entscheidungen an.

Der Ozeanische Handball-Verband besteht nach eigenen Angaben aus den Vollmitgliedern Australien, Neuseeland, Samoa, Cook Inseln und Vanuatu sowie den assoziierten Mitgliedern Neukaledonien, Tahiti sowie Wallis und Futuna.

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