Die Schwäche der anderen

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Fußballer jubeln
Meister Bayern München feierte zum Abschluss einen Auswärtserfolg beim VfL Wolfsburg. (Foto: Kai Pfaffenbach / DPA)
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Zugegeben, die Bilder waren allesamt seltsam. Egal, ob beim Aufstieg des VfB Stuttgart oder beim Titelgewinn des FC Bayern. Die Meisterschale wurde nicht einmal übergeben, die Münchner mussten sie selbst abholen. Es gab keine jubelnden oder pfeifenden Fans, keinen Konfettiregen und nicht einmal die obligatorischen Duschen mit dem alkoholfreien Weißbier. Und dennoch, auch wenn all die Zweifel und die Kritik zunächst berechtigt waren: Besser ein Geistermeister als gar keiner. Die DFL hatte – auch an dieser Stelle – viel Kritik einstecken müssen. Doch im Sinne der Profiligen hat sie das Richtige getan.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Dinge kommende Saison auch im Fußballstadion, auf den Rängen wieder normalisieren. Jedenfalls wird eher ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden als ein Mittel gegen die sportliche Übermacht des FC Bayern. Solange der Chor der Kontrahenten weiterhin nur Klagelieder anstimmt, werden sie in Dortmund, Leipzig oder Gladbach am Saisonende auch keine Jubelarien singen.

Den Münchnern die Langeweile in der Liga anzukreiden, ist jedenfalls verkehrt. Natürlich schießt Geld Tore, doch im Fußball geht es um mehr: um Motivation und Leidenschaft, um Ehrgeiz und Mut. Dies belegt auch der Blick in Liga zwei: Wie sonst sollte es möglich sein, dass der kleine 1. FC Heidenheim vor dem großen Hamburger SV landet und noch von der Bundesliga träumen darf?

Beim FC Bayern haben sie gehandelt, als ihre Vormachtstellung im Herbst ins Wanken geriet. Niko Kovac, fachlich gewiss ein großartiger Trainer, musste weichen – und Hansi Flick, der überraschende Nachfolger, musste sich erst einmal der neuen Rolle würdig erweisen. Dies erledigte er mit Ehrgeiz und Mut. Aus dem Rückstand wurde ein Vorsprung, aus der gespaltenen Truppe eine gierige Einheit. Und die Dortmunder? Verloren zu Hause gegen Bayern, verloren zum Saisonende zu Hause gegen Hoffenheim. Mit 0:4. Kurz zuvor hatten sie verkündet, dass Lucien Favre, fachlich gewiss ein großartiger Trainer, auch kommende Saison wieder BVB-Coach sein wird.

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