Die Rechts-Links-Kombination wirkt nach

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 Die Gesichtsausdrücke sagen alles: Towerstars-Spieler nach der Niederlage in Frankfurt.
Die Gesichtsausdrücke sagen alles: Towerstars-Spieler nach der Niederlage in Frankfurt. (Foto: Jan Huebner)
Sportredakteur

Was ein Boxer nur äußerst ungern kassiert, ist eine satte Rechts-Links-Kombination seines Gegners, die ihn hart trifft und auf die Bretter schickt. Wären die Ravensburg Towerstars ein Boxer, würde sich wohl gerade ein Ringrichter über sie beugen und anzählen. Vielleicht würde er aber auch einfach schauen, ob der Boxer nicht bewusstlos ist und einen Arzt braucht. So hart nämlich waren die beiden Wirkungstreffer, die die Towerstars in der DEL2 am Wochenende kassiert haben. 2:4 gegen die Bietigheim Steelers, 1:8 gegen die Löwen Frankfurt. Rumms! Rumms!

Towerstars-Trainer Jiri Ehrenberger wirft so leicht nichts aus der Bahn. Doch nach dem Debakel in Frankfurt, das Ravensburg die Tabellenführung kostete, war dann auch er mehr als angefasst. Mit leerem Blick versuchte er bei der Pressekonferenz zu analysieren, was da gerade passiert war. „Heute ist uns überhaupt nichts gelungen“, lautete sein Fazit, das der Wahrheit sicher sehr nahe kam. Der Noch-Tabellenführer ließ nahezu alles vermissen, was ihn über Monate ausgezeichnet hatte. Das hatte am Freitag zuvor gegen Bietigheim wenig besser ausgesehen. Nichts war mehr übrig von den rauschenden Wochen im Herbst, die die Fans der Oberschwaben regelmäßig in Verzückung versetzten.

Die Mannschaft gab besonders nach Spielschluss in Frankfurt ein Bild des Jammers ab. Niedergeschlagene Gesichter überall – so präsentierte sich der soeben entthronte Spitzenreiter um Kapitän Vincenz Mayer vor mehr als 5000 feiernden Zuschauern in der Frankfurter Eishalle. Wie die Stimmung auf der Heimfahrt nach Ravensburg gewesen sein muss, kann sich jeder vorstellen.

Die deftige Rechts-Links-Kombination des vergangenen Wochenendes wirkte am Montag in Ravensburg noch deutlich nach. Towerstars-Geschäftsführer Rainer Schan bescheinigte der Mannschaft in Frankfurt „kollektives Versagen“. Von seiner Kritik blieb bewusst keiner der Spieler verschont. „Es besteht Redebedarf“, kündigte Schan für Dienstag an, wenn die Mannschaft nach der montäglichen Pause wieder zum Training antritt. Was Schan da sagen wird, ließ er schon am Montag erahnen: „Da fehlt Einsatz, Kampf und Leidenschaft.“

Schon am Montag wollte sich der Geschäftsführer mit Trainer Ehrenberger (Schan: „Nach dem Spiel in Frankfurt war er auf 180. Dass das so kommt, da braucht’s viel“) treffen, um zu besprechen, wie sich der aktuelle Trend umkehren lässt – seit dem beachtlichen Sieg gegen den ESV Kaufbeuren haben die Ravensburger sechs Niederlagen kassiert, dem stehen zwei Erfolge gegenüber (einer davon in der Verlängerung). „Vielleicht tut so eine Klatsche ganz gut, um wieder in die Spur finden“, versuchte Schan, dem 1:8 in Frankfurt noch etwas Gutes abzugewinnen. „Jeder muss sich jetzt hinterfragen“, nahm er die Mannschaft in die Pflicht.

Nächste Gelegenheiten, den Beweis anzutreten, dass 29 Spieltage auf Platz eins kein Irrtum waren, bestehen am Wochenende: bei den Tölzer Löwen am Freitag und gegen die Lausitzer Füchse am Sonntag.

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