Die FIFA – ein Clan der Riabadippel?

Lesedauer: 4 Min
Besuch
Wurde von Kremlchef Wladimir Putin empfangen: Ex-FIFA-Boss Joseph Blatter. (Foto: Aaron Chown/PA Wire / DPA)
Sportredakteur

Fußball und Kommerz sind heute untrennbar. Ist das jetzt gut oder schlecht? Zwei Redakteure, zwei Meinungen.

Contra: Die FIFA, ein Clan der Riabadippel

Von Jürgen Schattmann

Es muss in den 60er- oder 70er-Jahren gewesen sein, als mein Opa Hans, Jugendleiter beim SV Ringschnait, für das schwäbische Schiri-Kosewort „Riabadippel“ fünf Mark Strafe an den Verband zahlen musste. Fünf Mark waren ein Haufen Geld damals, hätte er es statt in seine Wut in Turbooptionsscheine von SAP angelegt, würde der Enkel heute nicht arbeiten, sondern nur noch Zwiebelrostbraten essen, dank Opas Nachlass.

Der Fußball hat sich verändert. Mario Gomez zahlte vor Jahren unfassbare 10 000 Euro, nur weil er seinen Rivalen Mike F. aus Karlsruhe als A... bezeichnete. Offenbar dürfen sporttreibende Menschen selbst mit Puls 180 keine Emotionen mehr zeigen, sie müssen politisch korrekte Vorbilder sein – zumindest, wenn es nach den Heuchlern von DFB, UEFA oder FIFA geht.

Sind diese drei Verbände Vorbilder, Institutionen, die in den letzten Jahren Skandale gesammelt haben wie normale Leute Briefmarken? Nein – sie sind das absolute Gegenteil. In der Blatter-Platini-Affäre, in den TV-Rechte-Skandalen in Südamerika und durch die WM-Vergaben nach Russland und vor allem Katar outete sich die FIFA als reiner Geldvermehrungsclan – die Strafen gegen die Kroaten, die sich erlaubten, vom falschen Becherchen zu trinken, beweisen es erneut. Liebe Fifa-Menschen, mit Verlaub: Ihr seid Riabadippel.

Pro: Wer bezahlt, bestimmt.

Von Thorsten Kern

Dass es im modernen Fußball hauptsächlich um Geld geht, sollte inzwischen auch dem Letzten klar sein. Fußball ist ein Milliardengeschäft geworden, an dem alle möglichen Menschen und Unternehmen profitieren möchten.

Die FIFA fordert von ihren Sponsoren garantiert einen extrem hohen Betrag ein – dafür dürfen die Unternehmen dann allerdings auch erwarten, dass sie ihre Marken prominent platzieren und vermarkten dürfen. Das muss niemandem gefallen. Doch so funktioniert eben das Geschäft Fußball. Und wenn es einen offiziellen Getränkesponsor gibt, dann müssen sich die Mannschaften eben daran halten. Nun ist sicher die Frage gerechtfertigt, ob die Strafe von 70 000 Euro gegen die Kroaten gerechtfertigt ist. Vor allem, wenn etwa Serbiens Trainer Mladen Krstajic trotz seines Den-Haag-Vergleichs – für mich einer der Tiefpunkte der WM – nur gut 4000 Euro zahlen musste. Und Plakate mit Verbindungen ins rechtsradikale Lager werden mit 10 000 Euro bestraft.

Da stimmt die Verhältnismäßigkeit natürlich nicht. Aber das ändert nichts daran, dass sich bei den Summen, die im Weltfußball im Spiel sind, jeder an das Motto zu halten hat: Wer bezahlt, bestimmt. Ob das gut ist, ist eine andere Frage ...

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen