Diack: „Wir machen WM für die Sportler“

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Deutsche Presse-Agentur

IAAF-Präsident Lamine Diack hat große Erwartungen an die 15. Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Berlin.

„Ich erwarte eine Bestätigung dessen, was wir bei den Olympischen Spielen in Peking gesehen haben. Es wird ein großes Fest werden“, sagte der Chef des Weltverbandes IAAF in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einer Reduzierung des WM-Programms von bislang neun auf von Fernsehanstalten geforderten sechs Tagen erteilte der 75-jährige Senegalese eine Absage: „Ich bin dagegen. Wir machen die WM nicht für das Fernsehen, sondern für unsere Sportler.“

Fünf Monate vor der Leichtathletik-WM in Berlin. Wie ist der Stand der Vorbereitungen, was erwarten Sie von der WM?

„Ich erwarte eine Bestätigung dessen, was wir bei den Olympischen Spielen in Peking gesehen haben. Wir wollen die Sportart Nummer eins bleiben. Und in Peking hat sich wieder erwiesen, dass wir es sind. Es wird ein großes Fest werden.“

Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die IAAF aus?

„Wir sind wieder vor eine Wende wie 1999 bei der WM in Sevilla. Unsere Marketing- und Fernsehverträge laufen gerade aus. Genau wie damals müssen wir uns die selben Fragen stellen: Werden wir noch die gleichen Sponsoren haben? Werden wir noch die gleichen Summen vom Fernsehen bekommen? Berlin ist für mich eine Etappe. Hier können wir unseren Sponsoren zeigen, was wir wert sind.“

Die deutschen Leichtathleten haben bei den Peking-Spielen nur eine Bronzemedaille gewonnen. Bei der Hallen-EM Turin gab es mit zehn Medaillen einen Aufschwung. Was erwarten Sie von den Gastgebern?

„Ich bin überzeugt, dass die Deutschen eine gute Rolle spielen werden. Seit der Wahl von Berlin warten die deutschen Sportler auf die WM, das wird sich in guten Ergebnissen niederschlagen - auch mit der Gunst der Stunde und der Gunst des Ortes.“

Eine Reform der WM wird seit Jahren diskutiert. Kernpunkt ist die Straffung des Programms. Wann wird es Entscheidungen geben?

„Wir haben doch bei den Peking-Spielen gesehen: Die Leute sind begeistert gewesen, die Leidenschaft hat neun Tage angehalten. Das Fernsehen erwartet, dass wir die WM auf sechs Tage und die Final- Veranstaltungen auf zwei Stunden verkürzen. Ich bin dagegen. Denn wir machen die WM nicht für das Fernsehen, sondern für die Sportler. Man kann doch nicht 2011 im südkoreanischen Daegu die WM sechs Tage und bei den Olympischen Spielen 2012 in London neun Tage lang machen.“

Das deutsche IAAF-Councilmitglied, Helmut Digel, hat in einer Analyse der Leichtathletik attestiert, sie befinde sich in einem Zustand der Selbstauflösung und sieche dahin. Was sagen Sie dazu?

„Das war verantwortungslos. Denn Helmut Digel ist Vorsitzender unserer Marketing-Kommission. Wenn das seine Meinung ist, braucht er nur noch seinen Rücktritt einreichen. Und dann sollte sich ein anderes Councilmitglied, das weniger kompetent ist als er, um diese Dinge kümmern.“

Haben Sie bereits mit Helmut Digel gesprochen?

„Ich habe ihn am Montagmorgen gesehen. Ich habe ihm den Kopf zurecht gerückt. Ich glaube, er wird seine Haltung ändern.“

Kritisiert hat er auch das wenig strukturiert „sportpolitische Palaver“ in den Entscheidungsgremien der IAAF und die langen Entscheidungswege.

„Die WM kann man nicht in sechs Monate verändern. Es gibt gute, aber auch verrückte Ideen. Wir werden ab 2010 das Schema der Hallen-WM verändern. Es wird schon, aber man kann nicht alles über das Knie brechen.“

Die IAAF führt für die „Golden League“ nun die weltweite Meeting- Serie „Diamond League“ ein. Ist das nur ein neues Etikett?

„Die Golden League war eine sehr qualifizierte Serie mit sechs Meetings - alle in Europa und auf bestimmte Wettkämpfe limitiert. Doch das Beste, was wir anzubieten haben, muss zugänglich für alle in der Welt sein. Daran haben wir gearbeitet. Jetzt kann jeder Kontinent drei Meetings veranstalten. Wir wollen eine Serie mit 15 aufbauen, an der nur die Besten teilnehmen. Die Zahl der Meetings kann auf 17, 18 bis 20 steigen. Wir werden das System noch ausfeilen.“

Das bisherige Golden-League-Meeting ISTAF Berlin hat noch nicht für die neue Serie zugesagt. Wird Berlin dabei sein?

„Das hängt von Berlin ab. Die Stadt hat gezeigt, dass ihr die Leichtathletik wichtig ist. Hier gibt es ein wunderbares Stadion, der Bürgermeister ist sehr aktiv. Das wäre unverständlich, wenn das ISTAF verschwinden würde, weil es kein Geld dafür gibt. Wir haben gesagt, 12 bis 13 Meeting sind dabei. Aber wir warten auf Berlin und Rom. Es werden schon 15 werden.“

Es ist Ihre letzte Amtszeit als IAAF-Präsident. Wer wird Ihr Nachfolger: Sebastian Coe oder Sergej Bubka?

„Wir werden sehen, wer sich vor dem nächsten IAAF-Kongress profilieren wird. Mal sehen, was die beiden zu bieten haben. Aber es gibt ja noch andere Namen...“

Interview: Andreas Schirmer, dpa

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