DHB-Krisensitzung - Valladolid fordert Europacup

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Deutsche Presse-Agentur

Der spanische Club BM Valladolid fordert nachträglich den Europacup-Sieg, Deutschlands Star-Schiedsrichter erwägen aus Angst vor Repressalien ihren Rücktritt: Die Affäre um die versuchte Bestechung der Referees Frank Lemme und Bernd Ullrich zieht besorgniserregende Kreise.

Das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) setzte in Dortmund eine Krisensitzung an. Wir werden alles dafür tun, um Ergebnisse zu präsentieren“, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Fortschritte gibt es indes im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen gegen den deutschen Meister THW Kiel. Die Europäische Handball-Föderation (EHF) kündigte Ergebnisse bei der Untersuchung des Champions-League-Finales zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt an. „Wir werden die technische Analyse des Kiel-Spiels publizieren. Wir kooperieren mit der Kieler Staatsanwaltschaft und profitieren von deren Aufklärungsstatus“, sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer. Ob und welche Maßnahmen in dem Zusammenhang ergriffen werden, ließ er offen.

Drei Tage nach der Absetzung der Magdeburger Lemme/Ullrich vom Bundesliga-Spiel HSV Hamburg gegen THW Kiel reagierte der Verband auf die jüngsten Entwicklungen. Die Referees berichteten inzwischen von Bestechungsversuchen in mehreren Fällen. „Es gab immer mal wieder in unserer Karriere zweideutige Angebote. So nach dem Motto: 'Wenn ihr heute für uns pfeift, soll das nicht zu eurem Nachteil sein.' Ob das zehn- oder zwanzigmal war, kann ich nicht mehr genau sagen“, sagte Ullrich der „Hamburger Morgenpost“.

Die beiden Unparteiischen hatten einen Bestechungsversuch beim Final-Rückspiel im Europacup der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und Valladolid verschwiegen. Am Tag danach wurden bei ihnen vom russischen Zoll 50 000 Dollar gefunden. Beide bestreiten sowohl, das Geld genommen als auch Spiele manipuliert zu haben. BM Valladolid verlangte nach spanischen Medienberichten, dass Tschechow der Titel aberkannt und dieser den Spaniern zugesprochen wird. Zudem forderten sie eine finanzielle Entschädigung wegen entgangener Einnahmen. Valladolids Vereinspräsident Dionisio Miguel Recio plädiert für eine lebenslange Sperre des Gespanns: „Sie haben dem Ansehen des Sports und vor allem des Handballs geschadet.“

Lemme und Ullrich wollen ihre Tätigkeit zunächst ruhen lassen und erwägen ein Karriereende. „Wir werden sehen, zu welchen Konsequenzen das führt, aber wir denken natürlich auch über einen Rücktritt nach“, sagte Ullrich in einem Interview mit der „Magdeburger Volksstimme“. Am Vortag hatte die EHF die beiden Magdeburger suspendiert und sie vom geplanten Einsatz im EM-Qualifikationsspiel Mazedonien gegen Island abgezogen.

Den Namen des russischen Funktionärs, der versucht hat zu bestechen, wollen die beiden Referees aus Angst weiterhin nicht preisgeben. „Wenn anderen den Namen nennen, ist das okay, aber wir haben auch ganz schön Respekt vor möglichen Folgen“, sagte Ullrich. Lemme ergänzte: „Ja, mörderischen Respekt sogar, wenn Sie wissen, was ich damit meine. Man weiß ja nie, was jetzt noch alles so passiert.“

Bei der EHF liegen derweil keine offiziellen Meldungen von Unparteiischen zu Bestechungsversuchen vor. „Es hat sicher solche Gespräche über seltsam anmutende Vorfälle gegeben, aber ich kann die nicht identifizieren und einzelnen Ereignissen zuordnen“, sagte Wettbewerbs-Manager Markus Glaser der dpa. Würde es Berichte geben, „landen die früher oder später bei uns“.

Derzeit sei die EHF dabei, Maßnahmen zu erarbeiten, die Korruption mindestens erschweren sollen. Wiederer kündigte an, dass sich die EHF-Exekutive am letzten März-Wochenende damit befassen wird. Die Tagung sollte ursprünglich in Moskau stattfinden. „Wir haben diese Sitzung nach Wien geholt, weil wir es in der gegenwärtigen Situation in Moskau nicht für günstig erachten“, sagte Wiederer und begründete “dies mit der besseren Infrastruktur in ihrem Hauptsitz.

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